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Der Norden Rockerkriminalität: „Räderwerk“ kontrolliert Gastronomiebetriebe
Nachrichten Der Norden Rockerkriminalität: „Räderwerk“ kontrolliert Gastronomiebetriebe
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13:33 20.09.2019
Das Netzwerk „Räderwerk“ war wieder im Heidekreis im Einsatz und kontrollierte Gastronomiebetriebe. Quelle: Polizei Heidekreis/Symbolbild
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Heidekreis

Mit 170 Einsatzkräften hat das Projekt „Räderwerk“ am Donnerstagabend mehrere Gastronomiebetriebe in sieben Städten des Heidekreises unangekündigt kontrolliert. Dabei stellte es mehrere Gesetzesverstöße fest, Festnahmen gab es jedoch nicht. Das Bündnis „Räderwerk“ –bestehend aus Polizisten, Landkreismitarbeitern, Finanz- und Zollbeamten – hat sich zum Ziel gesetzt, die Rocker- und Clankriminalität zu bekämpfen.

Viereinhalb Stunden lang überprüften die Einsatzkräfte unter anderem Restaurants sowie Shisha- und Cocktail-Bars in Soltau, Schneverdingen, Bispingen, Munster, Neuenkirchen, Bad Fallingbostel und Schwarmstedt. Dabei entdeckten sie illegale Glücksspiele, Steuervergehen und nicht korrekte Buchführung. Eine der anwesenden Personen wurde zudem polizeilich gesucht, festgenommen wurde jedoch niemand.

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Kontrollen zeigen Wirkung

Bereits am Nachmittag waren die Einsatzkräfte in Bad Fallingbostel zur Stelle und überprüften einen Autohändler. Dabei beschlagnahmten sie ein Auto und Schmuck. Auch im vergangenen Monat war das Netzwerk aktiv: Die Beamten kontrollierten Friseure, Hotels sowie Kfz-Händler innerhalb und außerhalb des Landreises Heidekreises. Nach Einschätzung der Polizei wird der Heidekreis wegen seiner zentralen Lage zwischen Hannover, Hamburg und Bremen von kriminellen Clans gern als Drehscheibe genutzt. Doch die unangekündigten Kontrollen zeigen Wirkung, so die Polizei.

Mit geballter Kraft gegen Clankriminalität

Das seit März bestehende Projekt Räderwerk im Heidekreis hat sich den Kampf gegen kriminelle Familienstrukturen und Rockerkriminalität zur Aufgabe gemacht. Das Netzwerk will dem Phänomen, das durch Ablehnung bestehender Normen und kriminelles Verhalten gekennzeichnet ist, bei niedriger Einschreitschwelle entgegentreten. Unter Federführung der Polizei arbeiten unter anderem Kommunen, Zoll und Finanzbehörden mit.

Ein Schwerpunkt sind unangekündigte gemeinsame Kontrollen in Spielhallen, Discotheken und anderen Betrieben. Es handelt sich dabei nicht um Razzien, ein richterlicher Durchsuchungsbeschluss ist nicht nötig. Die Polizeidirektion Lüneburg hebt hervor, dass es sich bei den im Fokus stehenden Personen um Deutsche, Deutsche mit Migrationshintergrund und ausländische Bewohner handelt. Stigmatisierungen bestimmter Gruppen sollen vermieden werden.

Das Landeskriminalamt als Projektpartner nennt Räderwerk vorbildlich. „Der ganzheitliche Ansatz bündelt Fachkompetenzen aus unterschiedlichsten Bereichen“, sagt eine LKA-Sprecherin. „Bei konkreten Problemstellungen lässt sich so der vielversprechendste Bekämpfungsansatz herausarbeiten.“ Andere Regionen könnten die Erfahrungen für sich anpassen. „Auch präventive Wirkungen sind zu erwarten.“

Das Phänomen der kriminellen Clanstrukturen sei regional sehr unterschiedlich ausgeprägt, sagt eine Sprecherin von Innenminister Boris Pistorius (SPD) in Hannover. Sicherheitspartnerschaften oder Runde Tische seien zu vielen Kriminalitätsbereichen etabliert, sodass wie im Heidekreis auf bewährte Strukturen zurückgegriffen werden könne. Die Innenministerkonferenz habe im Juni in ihrem Beschluss zur koordinierten bundesweiten Bekämpfung der Clankriminalität festgestellt, dass sie einen wesentlicher Ansatz in der ressortübergreifenden Zusammenarbeit sieht.

Von WK

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