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Der Norden Getötete Ehefrau: Mann aus Lauenau überraschend freigesprochen
Nachrichten Der Norden Getötete Ehefrau: Mann aus Lauenau überraschend freigesprochen
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14:36 22.03.2019
Im Herbst 2018 wurde der Prozess gegen Uwe K. neu aufgerollt und endete am 22. März 2019 mit einem Freispruch. (Archivbild)
Im Herbst 2018 wurde der Prozess gegen Uwe K. neu aufgerollt und endete am 22. März 2019 mit einem Freispruch. (Archivbild) Quelle: dpa
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Hildesheim

Die Staatsanwaltschaft hielt ihn für den Mörder seiner Ehefrau, dennoch hat das Landgericht Hildesheim einen Mann aus Lauenau überraschend freigesprochen. Der bereits vom Landgericht Bückeburg wegen Totschlags verurteilte 47-Jährige komme zwar weiterhin als Täter in Betracht, aber es gebe Zweifel, sagte der Vorsitzende Richter Peter Peschka am Freitag. Damit folgte die Strafkammer dem Antrag der Verteidigung.

Tränen beim Angeklagten nach Urteilsspruch

Der 47-jährige Angeklagte war mit Handschellen in den Saal gekommen, bei der Verkündung des Freispruches kamen dem grauhaarigen Mann im Kapuzenpulli die Tränen. Er konnte das Gericht als freier Mann verlassen. (Aktenzeichen 12 Ks 17 Js 16320/18)

Eine Schlüsselrolle in dem Indizienverfahren kam der früheren Geliebten des Handwerksmeisters zu. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft war sie Mittäterin, aus Sicht der Verteidigung soll sie sogar alleinverantwortlich für den Tod der Ehefrau sein. Dies zu klären sei aber nicht Aufgabe des Verfahrens gewesen, betonte der Richter. Die Zeugin will aus einem Versteck beobachtet haben, wie ihr Freund auf seine Frau einschlug – bei ihrer Darstellung verstrickte sie sich allerdings in Widersprüche.

Nebenklage kündigt Revision

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Rechtsanwalt Andreas Hüttl, der den Vater des Opfers als Nebenkläger vertritt, kündigte Revision an. Sein Mandant sei fassungslos. Er hatte während der rund zweistündigen Urteilsbegründung den Saal zeitweise weinend verlassen. Was sich genau am Tattag Ende Mai 2015 in den Wohn- und Geschäftsräumen des Handwerkers abgespielt hat, konnten auch zwei Mammutprozesse nicht klären.

Geklärt ist: Die Mutter einer damals siebenjährigen Tochter wurde im Mai 2015 im Geschäft ihres Mannes mit Holzlatten attackiert. Der aus Kopfwunden blutenden Frau wurden Mülltüten über den Kopf gezogen, anschließend wurde sie mit Schnüren – möglicherweise vom Trampolin im Garten – erdrosselt. Der Ehemann rief am Mittag den Krankenwagen und vermutete gegenüber der Polizei einen Überfall. Jedoch hat er für etwa eine halbe Stunde kein Alibi. Bis zu seiner Verhaftung vier Monate später hatte er zudem weiterhin engen Kontakt zu der Geliebten.

Google-Suche „Krankenwagen“ am Tattag

Das Landgericht Bückeburg hatte ihn zu einer elfeinhalbjährigen Haftstrafe wegen Totschlags verurteilt. Die Hildesheimer Richter sahen jedoch „keinen Anlass und kein Motiv“ für das Gewaltverbrechen. So habe sich der Angeklagte schon wegen der gemeinsamen Tochter nicht trennen wollen. Außereheliche Beziehungen gab es schon vorher, die Ehefrau sei eine Stütze im Geschäft gewesen. Dagegen habe sich die Geliebte von der Beziehung mehr versprochen als er.

Einen Mord hätte man nicht zur Mittagszeit kurz vor der Rückkehr der Tochter von der Schule geplant, meinte Peschka. Mit der Siebenjährigen war der Mann sogar noch kurz in der Eisdiele, bevor er ihr zu Hause einen Kinderfilm einlegte. Kurz danach rief er den Rettungswagen. Am Morgen der Tat hatte er eine Google-Suche mit dem Begriff „Krankenwagen“ gestartet. „Das ist ein eigentümlicher Umstand. Der Angeklagte hat es nicht bestritten“, sagte der Richter. Allerdings sei dies ein schwaches Indiz für seine Täterschaft. „Eigentlich kennt die Nummer jeder.“

Von RND/dpa