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Der Norden Waren sie der Kopf einer Schleuserbande? Drei Männer in Bremen und Niedersachsen bei Razzien verhaftet
Nachrichten Der Norden

Razzien gegen Schleuserbande: Drei Männer in Bremen und Niedersachsen verhaftet

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17:30 08.12.2021
Einsatzkräfte durchsuchen eine Wohnung. Seit dem frühen Mittwochmorgen geht die Polizei bundesweit gegen eine mutmaßliche Schleuserbande vor.
Einsatzkräfte durchsuchen eine Wohnung. Seit dem frühen Mittwochmorgen geht die Polizei bundesweit gegen eine mutmaßliche Schleuserbande vor. Quelle: Sina Schuldt/dpa
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Berlin/Hannover

Bei bundesweiten Razzien gegen mutmaßliche Menschenschleuser haben Zoll und Bundespolizei am Mittwoch mindestens neun Verdächtige verhaftet und Millionensummen beschlagnahmt.

Schwerpunkte der Aktion in zwölf Bundesländern seien Berlin und Brandenburg gewesen, teilte die Staatsanwaltschaft am frühen Nachmittag in Berlin mit. Die Hauptverdächtigen wurden demnach in Bremen und Umgebung gestellt.

Ihnen werden unter anderem banden- und gewerbsmäßiges Einschleusen von Ausländern, Urkundenfälschung, organisierte Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung vorgeworfen. In Niedersachsen und Bremen wurden Objekte in Ritterhude, Stuhr, Verden, Emstek und Delmenhorst durchsucht, teilt eine Sprecherin der Bundespolizeidirektion Berlin mit.

Der Zoll durchsucht mit Hunden die Autos eines Verdächtigen. Seit dem frühen Mittwochmorgen geht die Polizei bundesweit gegen eine mutmaßliche Schleuserbande vor. Quelle: Sina Schuldt/dpa

Den insgesamt 20 Beschuldigten wird vorgeworfen, mit Hilfe von gefälschten Papieren Menschen aus der Ukraine und Moldawien illegal als EU-Bürger ausgegeben und sie über eigene Leiharbeitsfirmen an Logistikzentren vermittelt zu haben.

Dazu hätten die Schleuser ein Firmengeflecht gegründet. Nach bisherigen Ermittlungen liege der Verdacht nahe, dass bis zu 1000 Menschen auf diese Weise hierzulande in den Arbeitsmarkt gelangt seien.

Schleuser ließen sich fürs Fälschen bezahlen

EU-Bürger können im Rahmen der Freizügigkeit in der Staatengemeinschaft in Deutschland ohne weiteres wohnen und arbeiten – anders als Menschen aus „Drittstaaten“ außerhalb der Europäischen Union, die dafür eigene Genehmigungen bräuchten.

Die Schleuser hätten sich für das Fälschen der Papiere und die Unterbringung von den Arbeitnehmern bezahlen lassen, hieß es weiter. Sie hätten Arbeitsentgelte einbehalten und Sozialabgaben nicht abgeführt. Im Zuge der Durchsuchungen in bundesweit 50 Objekten habe es „Vermögensarreste“ von mehr als 19 Millionen Euro gegeben. Es seien national und international mehr als 80 Konten gesichert sowie Immobilien, teure Autos und weitere Luxusgüter beschlagnahmt worden.

Der mutmaßliche Kopf der Bande, ein 49-jähriger Mann, sowie ein 62-jähriger Steuerberater seien in Bremen verhaftet worden, ein weiterer 47-jähriger Verdächtiger nördlich von Bremen in Niedersachsen. Jeweils drei weitere Haftbefehle wurden den Angaben zufolge in Berlin und Brandenburg vollstreckt.

2200 Beamte von Bundespolizei, Zoll und THW waren am Mittwoch im Einsatz. Im Zusammenhang mit den Durchsuchungen trafen die Einsatzkräfte 275 Personen an, bei denen der Aufenthaltsstatus unklar ist und der Verdacht des unerlaubten Aufenthaltes und der unerlaubten Arbeitsaufnahme besteht. Hier dauert die polizeirechtliche und strafprozessuale Bearbeitung noch an. Des Weiteren beschlagnahmten die Ermittler umfangreiches Beweismaterial, darunter verschiedene Unterlagen, Speichermedien und Mobiltelefone sowie Bargeld in Höhe von rund 90.000 Euro.

Von RND/dpa