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Der Norden Ex-SS-Mann Karl M. stirbt mit 96 Jahren
Nachrichten Der Norden Ex-SS-Mann Karl M. stirbt mit 96 Jahren
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12:57 22.09.2019
Verharmloste den Holocaust: Karl M. in einem Interview mit der ARD-Sendung „Panorama“. Quelle: NDR (Archiv)
Hildesheim

Der ehemalige SS-Mann Karl M. aus Nordstemmen ist tot. Er starb am Freitagabend im Alter von 96 Jahren. Die Staatsanwaltschaft Hildesheim hatte gegen den früheren SS-Unterscharführer Anklage wegen Volksverhetzung und Verunglimpfung Verstorbener erhoben, eine Entscheidung des Landgerichts Hildesheim über die Zulassung der Anklage und damit einen möglichen Prozess war in den nächsten Tagen erwartet worden. Der Gesundheitszustand des 96-Jährigen hatte sich nach HAZ-Informationen in den vergangenen Wochen stark verschlechtert. Zuvor hatte er sich noch einmal öffentlich zu seiner Rolle geäußert.

1949 in Abwesenheit verurteilt

M. war im Zusammenhang mit dem SS-Massaker an 86 Zivilisten im nordfranzösischen Ascq im April 1944 ins Visier der Justiz geraten. Zunächst ermittelte die Generalstaatsanwaltschaft in Celle wegen Beihilfe zum Mord. Zur Anklage kam es aber nicht, weil M. bereits im Jahr 1949 in Abwesenheit von einem französischen Militärgericht verurteilt worden war. Das führte dazu, dass vor einer weiteren Anklage wegen der gleichen Vorwürfe geschützt war. M. selbst hat bestätigt, bei dem Massaker dabei gewesen zu sein und unter anderem Jugendliche und Männer aus ihren Häusern geholt zu haben – geschossen habe er aber nicht.

Karl M. verharmloste den Holocaust

Nachdem M. im November 2018 in einem Fernseh-Interview mit einem NDR-Teamden Holocaust kleinredete und erklärte, die Opfer von Ascq trügen selbst die Schuld an ihrem Schicksal, nahm die Staatsanwaltschaft Hildesheim Ermittlungen auf. Diese mündeten im Juli in die Anklage wegen Volksverhetzung und Verunglimpfung Verstorbener. Dem zweiten Anklagepunkt schlossen sich mehr als ein Dutzend Nachkommen der Todesopfer von Ascq als Nebenkläger an. Sie wollten vor allem erreichen, dass M. seine Ansichten nicht weiter verbreiten darf.

Autogrammstunde bei Rechtsextremen

M. selbst wurde in den letzten Monaten seines Lebens zu einer Ikone von Rechtsextremen. So sprach er auf Einladung des stellvertretenden NPD-Vorsitzenden Thorsten Heise vor mehr als 100 meist jungen Rechten als „Zeitzeuge“ und gab nach eigenen Angaben zahlreiche Autogramme, auch auf Schriftstücken mit NS-Symbolen. Als es Anfang des Jahres einen – bis heute nicht aufgeklärten – Raubüberfall auf M. in seinem Haus in Nordstemmen gab, initiierte die NPD eine Spendensammlung für ihn.

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