Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Der Norden Wie viele ländliche Wege werden in Niedersachsen wirklich gebraucht?
Nachrichten Der Norden

Niedersachsen: Netz der ländlichen Wirtschaftswege soll verkürzt werden

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:00 29.11.2020
Viele ländliche Wege sind zu schmal für heutige Landmaschinen.
Viele ländliche Wege sind zu schmal für heutige Landmaschinen. Quelle: Ronald Olomski
Anzeige
Rehburg-Loccum

Nicht jeder ländliche Wirtschaftsweg wird gebraucht. „Umwege sind zumutbar“, sagt Max Peters vom Niedersächsischen Heimatbund. Das habe sich beim Projekt „Wege in Niedersachsen“ gezeigt, bei dem der Verband seit Anfang 2019 – mit Unterstützung der Bingo-Umweltstiftung – Rehburg-Loccum als Modellregion untersuchte und in ein Konzept mit Vorbildfunktion einbezog. Dort sollen nach einer umfangreichen Bürgerbeteiligung nun elf Kilometer wenig genutzte Wirtschaftswege wegfallen. Auch drei kleine, zum Teil marode Brücken will die Kleinstadt nicht länger kostspielig unterhalten.

Bewohner wünschen sich bessere Radwege

„Mancher sieht einen bestimmten Weg als vermeintliches Gewohnheitsrecht“, hat Rehburg-Loccums Bürgermeister Martin Franke (parteilos) erfahren. „Tatsächlich beträgt der Umweg vielleicht nur 300 Meter.“ Insgesamt sei er positiv überrascht gewesen, dass unterschiedliche Interessengruppen, wie Landwirte und Naturschützer, bei den regelmäßigen Treffen einen gemeinsamen Nenner fanden. Die Bewohner beteiligten sich in der Corona-Zeit vor allem digital. Viele wünschten sich bessere, nicht zu grob geschotterte Rad- oder auch Reitwege.

Viele Radfahrer wünschen sich Wege wie diesen bei Schneverdingen im Heidekreis. Quelle: Max Peters

Doch nicht überall kann reine Idylle herrschen. Ein Großteil der Feldwege dient in erster Linie Bauern als Zufahrt zum Acker. Viele der in den Siebzigerjahren asphaltierten, drei Meter breiten Wirtschaftswege sind für heute in der Landwirtschaft übliche Riesenmaschinen zu schmal. Ein Teil sollte daher verbreitert, mancherorts sollten Straßenbeläge erneuert werden, sagt Projektleiter Peters. „Die Hauptwirtschaftswege als Autobahnen der Landwirtschaft müssen in gutem Zustand sein.“

Wenn Trecker Autos oder Fußgänger ausweichen, können Wegränder leiden. Das Projekt „Wege in Niedersachsen“ setzt auf gegenseitige Rücksichtnahme. „Für alle Beteiligten wird es am Ende besser sein als vorher“, meint Bürgermeister Franke. Viel Wert wird auf Blühstreifen und Bäume gelegt, die rechts und links der Wege die Artenvielfalt fördern. Dies bietet sich besonders an touristisch genutzten Strecken an.

Schotterwege statt Asphalt

Mit der Umsetzung will Rehburg-Loccum im kommenden Jahr beginnen. Corona hat die Ratsbeschlüsse verzögert, doch Franke ist zuversichtlich. Anfangs brächten Neugestaltungen zwar Zusatzaufwand, sagt der Bürgermeister. Mittelfristig jedoch sollen die Kosten sinken. So ist etwa der Unterhalt wasserdurchlässiger Schotterwege günstiger, als regelmäßig in einer – vielleicht an dieser Stelle nicht benötigten – Asphaltdecke Löcher zu stopfen.

Das Interesse an dem Projekt war schon im Vorfeld groß: 22 Kommunen hatten sich um die Teilnahme beworben. Sie und andere können nun von den Erfahrungen profitieren. Die Broschüre „Wege in Niedersachsen“ lässt sich von der Internetseite des Heimatbundes herunterladen. Zudem plant der Verband ein Folgeprojekt mit zwei weiteren Gemeinden. Zugleich will er Rehburg-Loccum bei der Umsetzung unterstützen.

Von Gabriele Schulte