Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Der Norden Wie eine Initiative mit guten Ideen die Schließung ihres Dorf-Bahnhofs verhinderte
Nachrichten Der Norden Wie eine Initiative mit guten Ideen die Schließung ihres Dorf-Bahnhofs verhinderte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 23.11.2019
Die Retter vom Bahnhof Wintermoor: Karl-Ludwig von Danwitz (von links), Henrich Kirchner, Melissa Othmann, Peter Degen und Karin Meyer. Quelle: Mark Sandten
Wintermoor

Es ist ein grauer Novembertag, aber die Gesichter von Henrich Kirchner, Melissa Othmann und ihren Mitstreitern von der Wintermoorer Bahnhofs-Initiative (WBI) strahlen um die Wette, als der Heidesprinter im Bahnhof Wintermoor (Heidekreis) einfährt. Ihnen ist es zu verdanken, dass der Bahnhof nicht wie mehrere andere stillgelegt wurde. Jahrelang haben acht Bürger unermüdlich dafür gekämpft, dass der kleine Heideort seine Anbindung ans Schienennetz behält. Mit Erfolg.

Jahrelanger Kampf

Im Moment ist gerade wieder mal ein Bereich am Bahnhof mit rot-weißem Flatterband abgesperrt, denn es sollen weitere abschließbare Fahrradboxen errichtet werden. Seit 2013 haben die Bürger auch dafür gekämpft, dass neben Zeitkarten auch Einzelfahrscheine im HVV-Großraum-Tarifgebiet eingeführt werden. Bald ist es soweit. „Ab dem 1. Dezember gibt es sie“, sagt Ortsvorsteherin Karin Meyer, Mitglied der WBI, zufrieden.

Viele Pendler nutzen abschließbare Fahrradboxen. Quelle: Mark Sandten

Es gibt Orte in der Lüneburger Heide, die mehr hermachen als Wintermoor, das zur Gemeinde Schneverdingen gehört. Denn Wintermoor hat keinen expliziten Ortskern, nur mehrere Straßen, an denen mal mehr, mal weniger Häuser stehen. Seit vielen Jahren versorgt der Lebensmittelladen Max Manke die etwa 1000 Bewohner mit den notwendigen Dingen des täglichen Lebens.

Heidebahn-Anschluss ist Standortvorteil

Wintermoors Vorteil: Der Ort liegt an der Heidebahn, die Buchholz in der Nordheide mit Hannover verbindet. Die Strecke wurde vor ein paar Jahren in mehreren Abschnitten für viele Millionen Euro ertüchtigt und ausgebaut. Doch dabei wäre Wintermoor fast auf der Strecke geblieben.

Wintermoor drohte, von der Bahn abgehängt zu werden

„Als die Pläne bekannt wurden, war nie von unserem Bahnhof die Rede“, erinnert sich Karin Meyer. Niemand im Ort mochte sich vorstellen, wie man zurechtkommen würde, wenn die Bahn ohne Halt durchrauschen würde. Immerhin war der Bahnhof seit 1901 im Betrieb. Die einzige Hoffnung: Mehr Menschen auf die Schiene zu bringen, also mehr Pendler zum Umstieg auf den Zug zu bewegen. Denn viele der Dorfbewohner sind berufsbedingt Pendler. Karl-Ludwig von Danwitz beispielsweise, ebenfalls Mitglied der WBI, ist niedersächsischer Landtagsabgeordneter und fährt regelmäßig nach Hannover. Der Forstwirt Henrich Kirchner arbeitet in Hamburg und nutzt für den Arbeitsweg ebenfalls fast ausschließlich die Bahn.

„Leute, fahrt mehr Bahn“: Die Wintermoorer Bahnhofs-Initiative (WBI) hat den Erixx-Halt gerettet – und ihn für Pendler attraktiver gemacht.

Doch sie brauchten noch mehr Pendler. Und so wurde die Gruppe aktiv und entwickelte einen Schlachtplan, jeder bekam seine Aufgaben. Die WBI organisierte zwei Bahnhofsfeste, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen.

„Leute, fahrt mit der Bahn“

„Wir haben Handzettel verteilt mit der Aufforderung ,Leute, fahrt mit der Bahn’“, sagt Meyer. Und Mitstreiter Kirchner ergänzt: „Mit der Überschrift ,Einmal im Monat kann jeder‘ haben wir geworben.“ Die Rechnung sei ja einfach gewesen. Im Umkreis des Bahnhofs leben gut 1000 Einwohner, „wenn jeder einmal Bahn fährt, sind es 2000 Ein- und Ausstiege“. Jeder sollte aber noch einmal öfter fahren.

Zug fährt jetzt im Stundentakt

Inzwischen ist viel passiert. Die Zahl der Fahrgäste sei deutlich gestiegen. „Der Zug fährt im Stundentakt. Es gibt von Montag bis Freitag je 20 Züge Richtung Hannover und je 20 Richtung Buchholz/Hamburg“, sagt Karin Meyer. Der erste Zug der Heidebahn hält gegen 4.30 Uhr, der letzte kurz nach Mitternacht. Am Wochenende fährt der Zug bis Harburg durch, während der Woche müssen die Fahrgäste in Buchholz umsteigen.

Der Bahnsteig in Wintermoor wurde höher gelegt und verlängert, es gibt abschließbare Fahrradboxen, außerdem ausreichend Parkplätze. Und auch sonst haben Ortsvorsteherin Meyer und ihre Mitstreiter viel bewegt. Es gibt in Bahnhofsnähe einen Beachvolleyballplatz, eine Grillhütte und einen Picknickbereich.

Viele Ausflugsziele: Am Bahnhof gibt es eine Karte der Radwanderwege – die Wintermoorer Bahnhofs-Initiative hat Zuschüsse würde die Beschilderung eingeworben. Quelle: Mark Sandten

Heideshuttle hält jetzt auch am Bahnhof

Auch um die Radwegbeschilderung hat sich die Initiative gekümmert und Fördergelder dafür eingeworben. „Hier beginnt der Este-Radweg, der bis Cranz geht“, sagt Henrich Kirchner. Auch nach Niederhaverbeck gebe es einen sehr schönen neuen Radweg durch einen Naturwald. Und wer zum Wilseder Berg oder nach Wilsede wolle, für den sei der Haltepunkt Wintermoor die nächstgelegene Bahnstation. Der Heideshuttle, ein kostenloser Freizeitbus während der Sommermonate, hält auf Betreiben der Initiative ebenfalls am Bahnhof Wintermoor.

Pensionen verlinken Zugfahrplan

Zudem wurden alle Pensionen und Unterkünfte im Umkreis mit Fahrplänen versorgt und gebeten, den Fahrplan auf ihren Homepages zu verlinken. Auch eine Internetseite für das Dorf ist entstanden. Dort sind sämtliche Vereine verlinkt sowie die Termine, die für das Leben im Dorf wichtig sind. Schnelles Internet gibt es ebenfalls bereits in Wintermoor. Auch das Neubaugebiet, wo nach Angaben von Meyer etwa 30 Bauplätze mit Quadratmeterpreisen von 50 Euro angeboten wurden, ist inzwischen ausgebucht. Immerhin liegt Hamburg, in dem die Immobilienpreise deutlich nach oben geschnellt sind, in nur 50 Kilometern Entfernung. „Wir brauchen junge Leute“, sagt Meyer.

„Wir hatten einen langen Atem“, sagt Melissa Othmann zufrieden. Aber es geht immer noch mehr. WintermoorHamburg ohne Umsteigen in Buchholz – darum will sich die Initiative weiter bemühen. Da sei hoffentlich das letzte Wort noch nicht gesprochen.

In dieser Woche hat die HAZ gemeinsam mit den „Kieler Nachrichten“, der „Ostsee-Zeitung“ aus Rostock, dem „Hamburger Abendblatt“ und NDR Info Menschen porträtiert, die Dinge mit viel Engagement verändern und verbessern wollen. NDR Info sendet die Geschichten morgens um 7.48 Uhr und eine Wiederholung im Laufe des Vormittags. Alle Geschichten zum Nachlesen und Anhören finden Sie auf haz.li/machen.

Lesen Sie auch

Von Elisabeth Jessen

Weil sie Anschläge planten waren zwei Göttinger IS-Sympathisanten 2017 nach Algerien und Nigeria abgeschoben worden. Nun hat das Verwaltungsgericht Göttingen ihre Klagen gegen das Einreise- und Aufenthaltsverbot abgewiesen: Von ihnen gehe noch immer eine besondere Gefahr für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland aus.

22.11.2019

Deutliche Verbesserungen bei Sauberkeit und Hygiene: Die niedersächsische Fleischfirma Fleisch-Krone Feinkost darf ihre Produktion teilweise wieder aufnehmen. Sie musste zwischenzeitlich schließen, nachdem Anfang November in verzehrfertigen Frikadellen der Firm Listerien entdeckt worden waren.

22.11.2019

Im Emsland sucht die Polizei nach einem Autofahrer, der in Lingen ein sechsjähriges Mädchen angefahren hat und dann geflüchtet ist. Das Mädchen überquerte gerade einen Zebrastreifen, als es zum Zusammenstoß kam.

22.11.2019