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Der Norden Diese Maus ist drei Millionen Jahre alt – und hatte rötliches Fell
Nachrichten Der Norden Diese Maus ist drei Millionen Jahre alt – und hatte rötliches Fell
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08:00 14.10.2019
Das knapp drei Millionen Jahre alte Mausfossil aus der Tongrube Willershausen ist so hervorragend erhalten, dass selbst kleinste Details erkennbar sind. Quelle: Geowissenschaftliches Museum der Universität Göttingen
Göttingen

Das Tier ist bereits seit drei Millionen Jahren tot – und dennoch haben Wissenschaftler jetzt Details über ein in Südniedersachsen entdecktes Mausfossil herausfinden können. Das Mausfossil aus der Tongrube Willershausen im Kreis Northeim kommt so noch einmal zu einiger Berühmtheit, denn die Forschungsergebnisse, die ein internationales Wissenschaftlerteam unlängst vorgelegt hat, gelten als ein wichtiger Durchbruch.

Spezielle Röntgenmethoden

Erstmals überhaupt ist es Forschern gelungen, mit speziellen Röntgentechniken und neuen bildgebenden Methoden chemische Spuren von roten Pigmenten zu finden. Dies war mit bisherigen Techniken nicht möglich gewesen. Die Studie ergab, dass das Willershausener Mausfossil der längst ausgestorbenen Art „Apodemus atavus“ auf dem Rücken und an den Seiten eine braune bis rötliche Fellfärbung hatte, die Bauchunterseite war dagegen weiß.

Mit speziellen Röntgentechniken und bildgebenden Verfahren konnten die Forscher die rötliche Färbung im Fell der knapp drei Millionen Jahre alten Maus rekonstruieren. Quelle: University of Manchester

 Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht. Das internationale Forscherteam unter Leitung von Phillip L. Manning von der University of Manchester weist in dem Artikel darauf hin, dass diese neuen Erkenntnisse auch deshalb möglich wurden, weil das untersuchte Mausfossil aus Willershausen so außergewöhnlich gut erhalten ist. Selbst kleinste Strukturen wie einzelne Härchen sind deutlich erkennbar.

Maus vor drei Millionen Jahren ertrunken

Die Maus, die vermutlich ertrunken ist, gehört zur Sammlung des Geowissenschaftlichen Museums der Universität Göttingen. Dort befinden sich auch mehr als 50.000 weitere Fossilien aus der Tongrube, die ebenfalls in einem hervorragenden Zustand sind.

Dies liege an dem Sediment, in dem sie eingebettet sind, erklärt Museumsdirektor und Leiter der Abteilung Geobiologie, Professor Dr. Joachim Reitner, in einer Mitteilung des Landkreises Northeim: „Die Fossilien sind unter anaeroben Bedingungen entstanden, das heißt, es gibt sehr wenig Sauerstoff – also auch wenig Oxidation. Unter solchen Bedingungen bleiben viele organische Verbindungen erhalten.“

Dazu zählen Melanine, das sind komplexe organische Moleküle, die den Farbstoff in der Haut oder den Haaren des Körpers bilden. In Form von Eumelanin gibt das Pigment eine schwarze oder dunkelbraune Farbe ab. Solche Spuren konnte man bereits früher in Fossilien nachweisen. Bei der Untersuchung des Mausfossils aus Willershausen entdeckten die Forscher nun erstmals auch Spuren der zweiten Form, des sogenannten Pheomelanin, das rötliche und gelbe Farbtöne produziert.

Wie man rötliches Fell nachweist

„Melanine verkoppeln sich mit bestimmten Elementen, in diesem Fall mit Zink. Da die Verbindung mit Zink und bestimmten Schwefelverbindungen bei der Maus nachgewiesen werden konnte, weiß man, dass das Tier an manchen Stellen ein rötliches Fell hatte", erläutert Reitner.

Die Fossilien aus der Tongrube Willershausen ermöglichen Einblicke in die Lebenswelt, wie sie in der Epoche des Pliozän vor dem Anbruch der letzten großen Eiszeit bestand. „Die Funde sind einzigartig in Mitteleuropa“, erläutert der Kustos des Geowissenschaftlichen Museums der Universität Göttingen, Dr. Alexander Gehler. „Sie bieten das vollständigste Fenster und die letzten Einblicke in die Zeit vor dem großen Artensterben.“

„Einzigartige Funde“: Alexander Gehler, Kustos des Geowissenschaftlichen Museums der Universität Göttingen. Quelle: pid

Schnappschildkröten und Riesensalamander

Die Funde zeigen, wie vielfältig die damalige Flora und Fauna war. Unter den Pflanzenfossilien befinden sich beispielsweise Blätter und Früchte von Baumarten, die heute in Asien oder anderen entfernten Regionen heimisch sind. Bei den Tierfossilien finden sich ebenfalls diverse exotische Arten wie Schnappschildkröten und Riesensalamander, aber auch Teile des Schädels sowie der Stoßzähne eines ausgestorbenen Verwandten des heutigen Elefanten.

Die Maus kann besichtigt werden

Ein Teil der spektakulären Funde aus Willershausen ist im Geowissenschaftlichen Museum der Universität Göttingen (Golfschmidtstraße 3) ausgestellt. Auch das von dem Forscherteam untersuchte Mausfossil kann dort besichtigt werden. Das Museum ist montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr sowie sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Sonntags können Besucher dort auch die berühmte Bernsteinsammlung besichtigen. Die Tongrube, aus der die Fossilien stammen, ist Eigentum des Landkreises Northeim. Führungen durch die Tongrube sind nach Vereinbarung das gesamte Jahr über möglich. Am 27. Oktober findet die letzte öffentliche Sonntagsführung in diesem Jahr statt. Start ist um 10 Uhr am Fossilien-Zimmer.

Von Heidi Niemann

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