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Der Norden Mehrheit im Landtag lehnt Verbot von Tierversuchen ab
Nachrichten Der Norden Mehrheit im Landtag lehnt Verbot von Tierversuchen ab
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20:35 15.01.2020
Weißbüschelaffen im Leibniz Institut für Primatenforschung in Göttingen. Die Weißbüschelaffen sind Teil eines Genversuchs. Quelle: epd
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Hannover

Eine große Mehrheit im niedersächsischen Landtag lehnt ein Verbot oder eine Einschränkung von Tierversuchen für die Medizin ab. Trotz der aufgedeckten Missstände in einem Tierversuchslabor in Mienenbüttel (Landkreis Harburg) sprachen sich sowohl die regierende SPD/CDU-Koalition als auch die oppositionelle FDP für eine Fortführung der bisherigen Praxis aus. Notwendig seien aber bessere Kontrollen. Die Grüne forderten dagegen nach einer Expertenanhörung im Landtag einen Ausstieg aus den Tierversuchen. Dafür plädiert auch die AfD.

Hohe Hürden in deutschem und europäischem Recht

„Ein grundsätzliches Verbot von medizinischen Tierversuchen lehnen wir ab, weil sie für die Entwicklung neuer Medikamente und Behandlungsmethoden von großer Bedeutung sind“, sagte der CDU-Abgeordnete Christoph Eilers. Nach europäischem und deutschem Recht gebe es bereits hohe Hürden. Ein generelles Verbot sei nach jetzigem Stand nicht umsetzbar, erklärte die SPD-Agrarpolitikerin Karin Logemann. Die SPD bekenne sich aber „zur Reduktion von Tierversuchen auf ein Minimalmaß“. Auch die FDP betonte, dass Tierversuche in einigen Bereichen unvermeidbar seien. Die Grünen wollen dagegen einen „perspektivischen Ausstieg“. Es würden noch immer „viel zu viele längst überflüssige Tierversuche genehmigt“, kritisierte Fraktionsvize Miriam Staudte.

2,8 Millionen Tiere in einem Jahr „verbraucht“

Im Oktober hatten heimlich aufgenommene Bilder aus einem Tierversuchslabor südlich von Hamburg viele Menschen erschüttert. Zu sehen waren darauf unter anderem blutende Hunde und gefesselte Affen. Die Staatsanwaltschaft Stade ermittelt wegen Verstößen gegen den Tierschutz. Nach Angaben der Bundesregierung wurden 2018 insgesamt mehr als 2,8 Millionen Tiere in Versuchen „verbraucht“.

Forscher verteidigen Versuche

In der Anhörung hatten Vertreter von Forschungseinrichtungen Tierversuche zu medizinischen Zwecken verteidigt. „Es werden weiterhin Tierversuche notwendig sein“, sagte André Bleich von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Andernfalls werde Deutschland in der Forschung nicht mehr wettbewerbsfähig sein. Bleich verwies auf Fortschritte bei der Bekämpfung von Krebs oder der Entwicklung von mitwachsenden Herzklappen, die ohne Versuche an Mäusen und Ratten nicht möglich gewesen wären. „Es wird in Deutschland kein Tierversuch genehmigt, zu dem es Alternativen gibt“, sagte Stefan Treue von der wissenschaftlichen Initiative „Tierversuche verstehen“. Es gebe einen „gesellschaftlichen Konsens“ darüber, dass Tierversuche in Ausnahmen ethisch vertretbar seien.

Gegner fordern Ausstiegsplan

Der Verein „Ärzte gegen Tierversuche“ hält dagegen eine tierfreie Forschung für verlässlicher und kostengünstiger. Nur 0,3 Prozent der Versuche für die medizinische Grundlagenforschung ließen sich tatsächlich auf den Menschen übertragen, sagte die Biologin Julia Radzwill. „Das ist desaströs wenig.“ Von hundert an Tieren getesteten Medikamenten gelangten später nur fünf auf den Markt. Der Verein fordert in Deutschland einen Ausstiegsplan nach dem Vorbild der Niederlande. Das Quälen und unnötige Töten von Tieren wie in Mienenbüttel sei kein Einzelfall, sagte Katy Taylor von Cruelty Free International. Der britische Verein hatte die Tierschutzverstöße gemeinsam mit der deutschen Soko Tierschutz aufgedeckt. Ziel müsse das weltweite Ende von Tierversuchen sein.

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Von Marco Seng

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