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Der Norden Megahub: Neuartiger Containerbahnhof bei Lehrte geht in Betrieb
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15:30 22.12.2019
Bauarbeiter stehen am neuen Güterbahnhof in Lehrte. Die rund 20 Meter hohen sogenannten Portalkräne sind das Herzstück der riesigen Anlage für den Containerumschlag. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Lehrte

Die Verkehrswende ist eines der am heißesten diskutierten Themen in Deutschland. Jetzt ist vor den Toren Hannovers, auf dem Gelände eines früheren Gleisfelds bei Lehrte, eine hypermoderne Bahnanlage in Betrieb gegangen, die die Verkehrswende voranbringen soll – die gut 170 Millionen Euro teure Güterumschlaganlage Megahub. Sie dienst dazu, Container von Zügen auf andere Züge sowie auf Lastwagen zu verteilen. Ihre Errichtung ist nach anderthalb Jahren Bauzeit praktisch abgeschlossen. Der Testbetrieb habe pünktlich begonnen, teilte die Deutsche Bahn jetzt mit. Ab April soll der reguläre Umschlag von Gütern im normalen Verkehr beginnen. Beim Megahub handelt sich um den ersten Containerbahnhof dieser Art in Deutschland.

Der Megahub ist ein Projekt, dass nicht nur die Verantwortlichen bei der Stadt Lehrte, sondern auch jene bei der Bahn über Jahrzehnte beschäftigt hat. Erste Konzepte für das Megaprojekt hatte das Bundesverkehrsministerium bereits Mitte der Neunzigerjahre in Auftrag gegeben, schon 1988 hatte es erste Gespräche zu dem Thema gegeben. Konkret wurde die Sache aber erst im Jahr 2005 mit den sogenannten Planfeststellungen.

Doch dann schlossen sich immer wieder Verzögerungen wegen der ungeklärten Finanzierungslage sowie wegen hochkomplizierter Detailplanungen an. Die Stadt Lehrte mahnte mehrfach Nachbesserungen an, die Bahn musste ihre Konzepte überplanen. Und auch Proteste gegen das Containerterminal gab es in Lehrte. Insbesondere im Ortsteil Ahlten befürchten Bürger nach wie vor, dass der Megahub zusätzlichen Lastverkehr, Lärm und andere Belastungen mit sich bringt. Die Bürgerinitiative Megaleise kämpft daher weiter um Nachbesserungen beim Lärmschutz und strebt entsprechende Klagen an.

Umladen der Container mit Hubbrücken

Das geflügelte Wort, das in Lehrte seit Jahrzehnten seine Runde macht, wonach man an die Inbetriebnahme des Megahub erst dann glaube, wenn es wirklich soweit ist, gehört nun in die Geschichtsbücher. Die Anlage läuft – wenn auch zunächst nur zur Probe. Mitunter war daran gezweifelt worden, dass der ehrgeizige Terminplan der Bahn eingehalten werden konnte. Selbst Projektverantwortliche hatten ihn beim offiziellen Baustart im Mai 2018 „sehr sportlich“ genannt. Vor rund einem Jahr gab es Verzögerungen wegen des ungünstigen Wetters, dann kam der zunächst nicht geplante Einbau von 660 sogenannten Gleiswannen dazu – jede davon 25 Tonnen schwer. Diese Arbeiten machten das Projekt um satte 25 Millionen Euro teurer.

Trotzdem ist die Bahn nun ihrem Ziel ein gutes Stück näher gekommen: Sie möchte, dass mit dem Megahub Güter im Rund-um-die Uhr-Betrieb so schnell, leise und ökonomisch umgeschlagen werden wie noch nie und man die Vorteile des kombinierten Transports auf Straße und Schiene optimal nutzt. Dabei werden Container über kurze Strecken am Start- und Zielpunkt per Lkw befördert und legen die Langstrecke per Bahn zurück.

Der neuartige Umschlag ermöglicht das Umladen der Container mit rund 20 Meter hohen Hubbrücken auf andere Züge. Dadurch wird der Bahntransport von Containern auch auf Verbindungen interessant, auf denen sich der Einsatz kompletter Züge nicht lohnt. Für die Bahn zeitaufwendiges, teures und für Anwohner lärmendes Rangieren mit Zügen entfällt auf diese Weise.

Ein Güterzug passiert den Güterbahnhof Megahub Lehrte in der Region Hannover. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Neuer Bahnhof für den gesamten nordwestdeutschen Raum

Der Megahub ist auf dem Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofs zwischen Lehrte und Ahlten entstanden. Er soll dem gesamten nordwestdeutschen Raum dienen. Der Standort im Lehrter Stadtgebiet, wo sich die Hauptstrecken der Bahn in Nord-Süd- wie auch in Ost-West-Richtung treffen, sei dafür ideal, heißt es schon bei der Feier zum Baustart. „Die Menschen steigen auf dem Hauptbahnhof in Hannover um, die Container künftig im Megahub in Lehrte“, hatte Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, gesagt. Bei der Feier zur Installation des ersten Portalkrans sagte DB-Projektleiter Andreas Witzel, der Megahub mache Lehrte zum „Teil der neuen Seidenstraße“ und sei ein Tor zur Welt.

171 Millionen Euro flossen in Planung und Bau des Terminals, in dem bis zu 75 Menschen arbeiten sollen. Der Umschlagbahnhof übernimmt auch die Aufgaben des Containerbahnhofs Hannover-Linden, der im kommenden Jahr geschlossen werden kann.

Während der Megahub bei Lehrte dem Umschlag von Containern dienen wird, sind die beiden anderen großen norddeutschen Rangierbahnhöfe in Maschen bei Hamburg und Seelze für den klassischen Einzelwagenverkehr bestimmt. Güterzüge mit Waggons zu unterschiedlichen Zielen werden dort auseinander rangiert und zu neuen Zügen zusammengestellt.

Fünf Kilometer neue Gleise: Der Megahub in Zahlen

Die Eckdaten des Containerterminals Megahub bei Lehrte sind beeindruckend. Eine Übersicht:

Rund 20 Meter sind die drei computergesteuerten Portalkräne hoch, unter denen die Züge einfahren und die die Container umheben werden. Sie wiegen jeweils 400 Tonnen.

34 Tonnen wiegen die sogenannten Automated Guide Vehicles, die als fahrerlose, vollautomatische Transportsysteme die Container in der Anlage von Ort zu Ort bringen.

Voll ausgelastet und mit den im Endausbau geplanten sechs Portalkränen versehen, könnte der Megahub jährlich 269.000 Container bewegen. Das entspricht der Ladung von 20 großen Containerschiffen. Zunächst sind nur drei Kräne errichtet worden. Die Bahn will erst einmal die tatsächliche Auslastung der Anlage beobachten.

120.000 Quadratmeter ist das Gelände des früheren Verschiebebahnhofs bei Lehrte groß, auf dem der Megahub entstanden ist.

150.000 Tonen Schotter und Erde wurden bei der Räumung des alten Verschiebebahnhofs bewegt, verwertet und entsorgt. Das entspricht rund 6000 Lastwagenladungen.

840 Meter lang sind die Gleisstränge des Megahub, fünf Kilometer Schienen wurden verlegt, 50 Weichen eingebaut.

Bauarbeiter am Güterbahnhof in Lehrte. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

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