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Der Norden Nach 70 Jahren heben die Rosinenbomber wieder ab
Nachrichten Der Norden Nach 70 Jahren heben die Rosinenbomber wieder ab
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18:00 20.05.2019
Ein Rosinenbomber während der Luftbrücke auf dem Vorfeld in Faßberg. Quelle: Luftbrückenmuseum Faßberg
Faßberg

Dieses Jahr war für Faßberg in vielerlei Hinsicht einmalig: Vom Sommer 1948 bis September 1949 wurde die Gemeinde im Kreis Celle zu einem wichtigen Teil deutscher Geschichte. Im Minutentakt starteten von hier aus die sogenannten Rosinenbomber in Richtung Berlin, mit Kohle beladene Militärmaschinen, die den Westteil der geteilten Stadt versorgen sollten. Engländer, Amerikaner sowie ehemalige Wehrmachtssoldaten, die noch wenige Jahre zuvor gegeneinander gekämpft hatten, kamen in dem abgelegenen Heideort zusammen und packten gemeinsam mit an.

Für die Bewohner in Faßberg änderte sich das Leben von einem Tag auf den anderen. „Es herrschte Goldgräberstimmung“, erinnert sich Manfred Gerlach, damals zehn Jahre alt. Das Dorf sei aufgeblüht: „Plötzlich gab es genug zu essen, und überall war was los.“ Daran, aber auch an die Opfer der Luftbrücke, erinnern Gemeinde und Bundeswehr nun mit einem großen Jubiläumsprogramm „70 Jahre Luftbrücke“. Am 15. Juni sollen sich als Höhepunkt fast 30 historische Flugzeuge brummend auf den Weg nach Berlin machen, einige davon waren seinerzeit auch an den Versorgungsflügen beteiligt.

Rosinenbomber kommen aus den USA

Die Aktion ist so aufwendig, dass sie wohl einmalig bleiben wird. „Die Maschinen werden in 400 Metern Höhe wie an einer Perlenkette aufgereiht fliegen“, kündigt Thomas Keller an, der Vorsitzende des Jubiläums- Fördervereins. In jahrelanger Vorarbeit ist es ihm und seinen Mitstreitern gelungen, Piloten zu gewinnen, die mit den historischen Flugzeugen vom Typ DC-3 (Skytrain) und C-54 (Skymaster) für die „Rückkehr der Rosinenbomber“ nach Faßberg kommen. Die meisten der alten Maschinen gehören inzwischen Flugvereinen in den USA. „Ein Teil wurde extra wieder flugtauglich gemacht“, erzählt der Organisator.

Aber auch der Weg nach Deutschland ist nicht ohne Hindernisse: Für den 40-stündigen Flug über den Atlantik müssen spezielle Tankstationen etwa auf Grönland gebaut werden, wie Keller sagt, insgesamt seien vier Zwischenstopps nötig. Die Kosten für die Anreise in Millionenhöhe trügen die amerikanischen Besitzer selbst. Für die Unterbringung der Piloten und andere Nebenkosten sucht der Förderverein „70 Jahre Luftbrücke“ noch Sponsoren.

Schüler des Christian-Gymnasiums Hermannsburg befragen Zeitzeugen. Quelle: Gyde Schmidt

Die Botschaft: Feindschaften können überwunden werden

In die Rosinenbombertour beziehen die Organisatoren auch andere Militärstandorte ein, die vor 70 Jahren an der Luftbrücke beteiligt waren, zum Beispiel Wiesbaden-Erbenheim und Jagel bei Schleswig. Dabei gehe es um mehr als schöne Bilder, hebt Keller hervor: „Da steckt eine enorme Botschaft drin.“ Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg seien sich in Faßberg ehemalige Widersacher begegnet, die für die gute Sache nun an einem Strang zogen. Alte Feindschaften seien dauerhaft überwunden worden. „Einige der Piloten hatten im Krieg Berlin bombardiert und halfen jetzt den Berlinern zu überleben“, sagt er. Gleichzeitig wurden deutsche Arbeiter aus Kriegsgefangenenlagern in die Heide gebracht, um mit den Briten Landebahnen zu bauen und Kohlesäcke in die Flugzeuge der Amerikaner zu laden. Lebensmittel kamen in Faßberg, das nah der damaligen Zonengrenze lag, nur ausnahmsweise an Bord. Die Lieferung von Rosinen, Namensgeber der Transportflugzeuge, ist hier nicht belegt.

Zeitzeugen der Luftbrücke erzählen

Die Gemeinde Faßberg und die Bundeswehr am Standort haben sich ihrer Geschichte stets verbunden gefühlt – es gibt unter anderem ein engagiert betriebenes Luftbrückenmuseum, auf dem Außengelände steht ein Rosinenbomber. Auf dem Platz der Luftbrücke wird jedes Jahr ein Kranz niedergelegt, der auch an die Opfer damaliger Flugzeugabstürze erinnert. Dass ausgerechnet zum 70. Jubiläum der Rahmen so groß gewählt wurde, hat mit den Zeitzeugen zu tun. „Viele sind jetzt noch fit und können Spannendes erzählen“, sagt Bürgermeister Frank Bröhl. Ihm sei besonders wichtig gewesen, Schulklassen in die geschichtliche Aufarbeitung einzubeziehen. „Bei den Projekten sind die Schüler von heute und die Kinder von damals ziemlich beste Freunde geworden“, meint er.

Besonders ragt ein Filmprojekt des Christian-Gymnasiums Hermannsburg heraus. Tagelang haben Elftklässler verschiedene Gruppen von Zeitzeugen befragt, darunter Arbeiter, die Kohle schaufelten, und Dorfbewohner, die in der Küche der Amerikaner arbeiteten. Bei den Interviews habe sie viel über die Geschichte der Region dazugelernt, erzählt die 16 Jahre alte Emily Böker aus Bergen: „Ich bin absolut beeindruckt von der einmaligen Rettungsaktion.“ Die Bereitschaft zu helfen sei vorbildlich gewesen.

Schüler erstellen Dokumentarfilm

Aus mehr als 50 Stunden Material erstellten die Gymnasiasten mithilfe des Medienzentrums der Bundeswehr den halbstündigen Dokumentarfilm „Wie die Kohle nach Berlin kam“. Er erntete bei der Premiere in Faßberg großen Applaus. Deutlich wird dank der Zeitzeugen auch, dass der Luftbrücken-Enthusiasmus in der Nachkriegszeit auch damit zu tun hatte, dass es den Beteiligten besser ging. Auch kleine neue Freuden gehörten dazu: „Wir Kinder bekamen von den Amerikanern Schokolade und Kaugummi“, erinnert sich Manfred Gerlach. Und noch schöner sei es gewesen, mit den neuen amerikanischen Freunden auf der Straße Fußball zu spielen.

Faßbergs Programm zur Luftbrücke

Die Luftbrücke von Westdeutschland nach Berlin dauerte von Mai 1948 bis September 1949. Die Versorgung Westberlins auf dem Luftweg war eine Reaktion der West-Alliierten auf die Blockade der Stadt durch die Sowjetunion. Nachdem in den drei westlichen Besatzungszonen die Währungsunion eingeleitet worden war, hatten die Sowjets die Landtransportwege in die Stadt abgeschnitten und den Strom weitgehend abgeschaltet, weil sie um ihren Einfluss fürchteten.

Zum 70. Jubiläum der Luftbrücke sollen in Faßberg noch einmal Rosinenbomber starten. Am 15. Juni um 16 Uhr sollen sich etwa 30 historische Flugzeuge auf den einstündigen Weg nach Berlin machen, eine Gruppe davon wird tief über das Brandenburger Tor fliegen. Auch unterwegs dürften die Flugzeuge, die in einer Perlenschnurformation fliegen sollen, gut zu sehen sein. Auf dem Faßberger Fliegerhorst erwartet Besucher an diesem „Tag der Bundeswehr“ von morgens an ein Programm mit Flugvorführungen. Bereits am 13. Juni gibt es – für angemeldete Flugzeugfans – einen sogenannten Spotterday. Am Morgen des 14. Juni folgt ein öffentlicher Festakt mit Kranzniederlegung am Platz der Luftbrücke in Faßberg.

Von Gabriele Schulte

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