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Der Norden An 180 Grundschulen fehlen die Rektoren
Nachrichten Der Norden An 180 Grundschulen fehlen die Rektoren
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00:20 24.03.2019
Die Grundschule Amelgatzen suchte sieben Jahre lang einen Schulleiter. Der neue Rektor kommt von der Nordseeinsel Juist. Quelle: Peter Steffen, dpa
Hannover

Die Stelle des Schulleiters der Katholischen Grundschule Schüttorf (Grafschaft Bentheim) ist 27-mal ausgeschrieben worden – haben wollte sie keiner. Auch die gut 30 Kilometer entfernte Grundschule Bookholt fand keine Interessenten, ebenso erging es der Parkschule in Delmenhorst und der Schule Harkebrügge (Kreis Cloppenburg). Schulleiter sind Mangelware – vor allem auf dem Land.

An 180 Grundschulen in Niedersachsen gibt es derzeit keine Schulleiter, 200 Schulen haben dauerhaft keinen Konrektor. In mehr als 130 Fällen hat die Besetzung des Leitungsposten länger als ein halbes Jahr gedauert. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der FDP hervor. An 57 Schulen gab es auf die Ausschreibung keinen einzigen Bewerber.

Rektorjob schreckt ab: Zu wenig Geld, zuviel Unterricht

„Das Problem fehlender Grundschulleiter gibt es seit mehr als zehn Jahren“, sagt Andrea Kunkel, stellvertretende Vorsitzende des Schulleitungsverbandes und selbst Rektorin der Grundschule Langenhagen-Godshorn (Region Hannover). Auch die Gründe dafür seien seitdem dieselben: „Die Bezahlung ist zu gering, und die Grundschulleiter müssen zuviel unterrichten.“

Deshalb fordert der Schulleitungsverband, dass kein Rektor unter A14 (monatlich zwischen 4100 und 5600 Euro brutto) verdienen dürfe. Zwar bezahlt das Land den Leitern kleiner Grundschulen nicht mehr A12Z (3500 bis 4500 Euro brutto plus etwa 150 Euro Zulage), sondern jetzt A13 (3900 bis 5100 Euro brutto), teils gibt es noch 150 Euro Zulage dazu. Aber auch das sei nicht genug.

Die Grundschule Amelgatzen in der Samtgemeinde Emmerthal (Kreis Hameln-Pyrmont) hatte sieben Jahre gebraucht, um einen Schulleiter zu finden. Übergangsweise leitete der Rektor einer Nachbargrundschule den Standort mit, dann kam ein Schulleiter, der zuvor auf Juist unterrichtet hatte.

A 13 für alle – Online-Petition hat schon 17.000 Unterstützer

Zurzeit läuft eine Online-Petition für eine bessere Bezahlung von Pädagogen an Grund-, Haupt und Realschulen. Kurz nach der Veröffentlichung hatten sich bereits mehr als 17.000 Unterstützer der Forderung angeschlossen. Laura Pooth von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sagt, dies sei ein überdeutliches Zeichen an die Landespolitik. Nötig wären nur 5000 Unterschriften gewesen, damit sich der Petitionsausschuss des Landtages damit befasst.

Die GEW macht sich seit Langem für eine stufenweise Anhebung der Gehälter stark. Der Job des Grundschullehrers müsse endlich aufgewertet werden. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) nennt die Forderung nach mehr Gehalt legitim und nachvollziehbar. Richtig sei aber auch, dass die Anhebung das Land 200 Millionen Euro im Jahr kosten werde.

Försterling: Tonne sitzt das Problem aus

Die Aufgaben für Schulleiter seien immer mehr geworden – insbesondere durch Inklusion und Ganztagsbetrieb, kritisiert Kunkel. Viele Schulleiter hätten eine zu hohe Unterrichtsverpflichtung, müssten bis zu 17 Stunden pro Woche im Klassenzimmer stehen, für Leitungsaufgaben bliebe zu wenig Zeit. „Mehr als zehn Stunden Unterricht pro Woche sollten nicht sein“, sagt Kunkel.

Die FDP unterstützt die Forderungen des Verbandes. Bildungsexperte Björn Försterling plädiert dafür, das Amt auch für Teilzeitstellen zu öffnen. „Diese Regelung würde die Attraktivität, eine Schulleitung zu übernehmen, deutlich steigern. Es könnten sich zwei Personen die Verantwortung teilen“, erklärt Försterling. So würden sich vielleicht auch Bewerber für vermeintlich unattraktive Stellen auf dem Land finden.

Massive Kritik übt Försterling an Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). „Der sitzt das Problem aus genauso wie seine Vorgängerin. Der einzige Unterschied ist, dass der neue Minister seine Ankündigungspolitik sympathischer verkauft. Die Zahlen aber zeigen, dass sich nichts verbessert hat.“

Schulleiterin Kunkel mahnt an, dass es nach wie vor kein eigenes Berufsbild Schulleiter gibt. Um Bewerber für vakante Stellen zu finden, müsse man auch nach kreativen Lösungsansätzen suchen.

Von Saskia Döhner

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