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Der Norden Leere Wiese statt Menschenmassen: Scheeßel vermisst das Hurricane
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Leere Wiese statt Menschenmassen: Scheeßel vermisst das Hurricane

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09:48 18.06.2021
Das Sandrennbahnstadion Eichenring, auf dessen Fläche jährlich das Hurricane-Festival stattfindet.
Das Sandrennbahnstadion Eichenring, auf dessen Fläche jährlich das Hurricane-Festival stattfindet. Quelle: Sina Schuldt/dpa
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Scheeßel

„Eigentlich hätten wir genau jetzt die Tore geöffnet“, sagt Festivalleiter Jasper Barendregt. Er schaut auf die Uhr. Es ist punkt 11.00 Uhr und eigentlich ist Donnerstag Hauptanreisetag für das Hurricane-Festival in Scheeßel, das sein 25. Jubiläum gefeiert hätte. Stattdessen steht er gemeinsam mit Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele unter einer großen schattigen Eiche vor dem Rathaus in Scheeßel (Kreis Rotenburg). „Wir vermissen das Festival“, sagt die Bürgermeisterin. Schon 2020 musste es coronabedingt abgesagt werden.

Das Gelände am Sandrennbahnstadion Eichenring, in dem auch WM-Läufe starten, ist ruhig und beschaulich. Verwaist würde es besser treffen. Amseln zwitschern, die Äste von Birken und Eichen wiegen sich im heißen Hochsommerwind.

Ein Tor zum Sandrennbahnstadion Eichenring, auf dessen Fläche jährlich das Hurricane-Festival stattfindet. Quelle: Sina Schuldt

Kein Zelt, keine Bühne, kein Riesenrad, keine Fans, keine Lautsprecher und kein Sound-Check. „Hier steht sonst eine Kleinstadt“, sagt Dietmar Hornig vom MSC Eichenring. Der Verein vermietet das Gelände seit Jahren an Hurricane-Veranstalter FKP Scorpio. Rings um das Herz des Festivals campen auf zahlreichen Wiesen die Fans soweit das Auge reicht.

Miete ist größte Einnahmequelle für Verein

„Für den Verein ist das Festival ein Segen“, so Hornig. Die Mieteinnahmen sind mittlerweile größte Einnahmequelle. Insgesamt belegt das mehrtägige Hurricane-Festival eine Fläche von rund 202 Hektar oder etwa 280 Fußballfeldern. Da sind aber neben dem 14 Hektar großen Festivalgelände auch die Park-, Camping-, Wohnmobil- und VIP-Flächen eingerechnet.

Dietmar Hornig vom MSC Eichenring steht im Sandrennbahnstadion. Der Verein vermietet das Gelände seit Jahren an den Hurricane-Veranstalter. Quelle: Sina Schuldt

„Das ist unsagbar bitter“, seufzt auch Festivalleiter Barendregt über die zweite Absage. „Und schauen Sie nur mal auf die Wettervorhersage!“ Für das Wochenende sagen die Meteorologen bestes Sommer-Festivalwetter voraus. Das tut dem Veranstalter doppelt weh. Nun richten sich die Augen auf 2022. Dann soll es endlich was werden mit dem 25-Jahr-Jubiläum. „Die Menschen sind so ausgehungert nach Veranstaltungen. Die werden nächstes Jahr feiern, dass es in die Geschichtsbücher eingeht“, sagt und hofft Barendregt.

Termin für 2022 steht schon

Wer denkt, dass man sich in Scheeßel auch freut, dass endlich mal Ruhe ist, der täuscht sich. „Uns Scheeßelern ist das eine echte Herzensangelegenheit. Wir lieben unser Festival“, sagt Dittmer-Scheele, die seit 20 Jahren Bürgermeisterin in Scheeßel ist. Schon Wochen vorher finden Aufbauarbeiten statt und die Stimmung steigt mit den Fertigstellungen bis zum Höhepunkt des Beginns. „Das Festival ist in Scheeßel groß geworden.“ Der Ort selbst zählt rund 13 000 Einwohner, Hurricane lockt während den Festivaltagen sechsmal so viele Besucher an.

Käthe Dittmer-Scheele, Bürgermeisterin von Scheeßel. Quelle: Sina Schuldt/dpa

Einige Scheeßeler finden es sogar schade, dass die Besucher in den vergangenen Jahren nur noch selten den Weg vom Festivalgelände in den rund drei Kilometer entfernten kleinen Ortskern finden. Die Veranstalter böten ja auf dem Gelände mit Supermarkt eine Komplettversorgung an, sagt der Landwirt Wolfgang Bassen, der einige Wiesen für die Camper zur Verfügung stellt und mit seiner Frau einen kleinen Hofladen betreibt. „So bekommen wir Scheeßler nicht mehr soviel mit wie früher, als die jungen Leute in den Ort gepilgert sind und zum Bäcker frühstücken gingen. Das ist eigentlich schade, das war vorher ein schönes Feeling.“

Wie das Feeling 2022 wird, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall steht der Termin: vom 17. bis 19. Juni. Viele Bands haben schon zugesagt. Und das Wetter soll auch wieder bombig werden. „Das haben wir gerade beschlossen“, sagen der Festivalleiter und die Bürgermeisterin mit einem Augenzwinkern. Und dann wird auch wieder vor dem Hofladen von Bauer Bassen das Schild „Hurricane-Frühstück“ stehen.

Von RND/dpa/Helmut Reuter