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Der Norden Prozess um einbetonierte Leiche: 48-Jähriger wegen Totschlags zu 13 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt
Nachrichten Der Norden Prozess um einbetonierte Leiche: 48-Jähriger wegen Totschlags zu 13 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt
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17:21 28.06.2019
Der Angeklagte kommt zur Urteilsverkündung. Quelle: Foto: dpa
Göttingen

Weil er seine 74 Jahre alte Mutter mit einem Schürhaken erschlagen hat, muss ein 48-jähriger Mann aus Herzberg für 13 Jahre ins Gefängnis. Das hat am Freitag das Landgericht Göttingen entschieden. Die Richter befanden den Angeklagten nach siebenmonatiger Prozessdauer des Totschlags für schuldig. Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes gefordert. Die Kammer habe es jedoch trotz diverser Indizien nicht als gesichert angesehen, dass Habgier das „leitende Tatmotiv“ gewesen sei, sagte der Vorsitzende Richter Tobias Jakubetz.

Urteil aufgrund von Indizien

„Die Tat war nicht von langer Hand geplant“, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Sie sei „aus der Situation heraus passiert“. Die Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes aus Habgier gefordert. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. Der Angeklagte hatte die Vorwürfe bestritten und erklärt, sein dementer Vater habe die Tat begangen. Zeugen für das Verbrechen gebe es nicht, sagte der Richter. Die Kammer sei allein aufgrund von Indizien zu der Überzeugung gelangt, dass der Angeklagte seine Mutter getötet habe.

Der Deutsche, der als einziges Kind seiner Eltern nach dem Abitur fünf Jahre lang Rechtswissenschaft studiert, aber keinen Abschluss erlangt hatte, habe sich zeitlebens mit diversen Tätigkeiten durchgeschlagen, sagte der Richter. Immer wieder sei der 48-Jährige straffällig geworden. 

Der mehrfach wegen Betrugsdelikten vorbestrafte 48-Jährige war vor einigen Jahren schon einmal auf Medieninteresse gestoßen. Damals hatte er in der Justizvollzugsanstalt Rosdorf mit dem Lauftraining begonnen, später an Marathonveranstaltungen teilgenommen und war zum „Läufer des Jahres“ gekürt worden. Dies sei eine große Leistung gewesen, sagte der Vorsitzende Richter. Der Angeklagte habe als „Prototyp für eine gelungene Resozialisierung“ gegolten.

Wenn er in Freiheit war, habe der Angeklagte ein bewegtes Leben geführt und viele Beziehungen zu Frauen gehabt. Während des 26 Verhandlungstage dauernden Prozesses war deutlich geworden, dass der 48-Jährige dabei zumeist auf Kosten der Frauen gelebt hatte.

„Die Tat war nicht von langer Hand geplant“, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Sie sei „aus der Situation heraus passiert“. Quelle: dpa

Seit Ende 2016 habe er keine eigenen Einkünfte mehr gehabt und von dem Geld der Eltern gelebt, sagte der Richter, zudem habe er erhebliche Schulden gehabt. Im Sommer 2017, als der Sohn überhaupt keine eigenen Einkünfte mehr hatte und wiederholt Geld vom Konto der Eltern für sich abbuchte, habe die 74-Jährige nicht mehr zahlen wollen. Sie habe Widersprüche gegen die von ihm veranlassten Abbuchungen eingelegt und einen Rechtsanwalt beauftragt, weitere Transaktionen ihres Sohnes von ihren Konten zu verhindern.

Streit wegen Geld und Vater

Man gehe davon aus, dass der Angeklagte mit seiner Mutter in einen Streit geraten war, weil er am Tattag im September 2017 überhastet und gegen ihren Willen seinen demenzkranken Vater in ein Pflegeheim gebracht hatte. Er sei dann so wütend geworden, dass er ihr mit einem auf dem Kamin abgelegten Schürhaken mehrfach von hinten auf den Kopf schlug. Später habe er die Leiche in eine Folie gewickelt und in einer Blumenbank im Wohnzimmer einbetoniert.

Die Tat war sieben Monate lang unentdeckt geblieben. Erst im April 2018 hatten Ermittler nach einem Hinweis die einbetonierte Leiche entdeckt. Der misstrauisch gewordene Vater der damaligen Verlobten des Angeklagten hatte die Polizei darauf aufmerksam gemacht, dass dessen Mutter verschwunden war und sich auch nicht bei ihrem Sohn befand, der inzwischen nach Schweden ausgewandert war. Nachdem ein Polizeihund die Leiche der damals als vermisst geltenden 74-Jährigen im Frühjahr 2018 in der Blumenbank aufgespürt hatte, wurde der verdächtige Sohn in Schweden festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert.

Von RND / Heidi Niemann

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