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Der Norden Einbrecher haben es in Niedersachsen schwer
Nachrichten Der Norden Einbrecher haben es in Niedersachsen schwer
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16:48 18.11.2019
Ein Polizist steht bei einer länderübergreifenden Aktion zur Bekämpfung von Diebstahlsdelikten an der Fahrbahn in Hohnstorf (Elbe). Quelle: Philipp Schulze/dpa
Lüneburg/Osnabrück

Die niedersächsische Polizei setzt im Kampf gegen reisende Einbrecherbanden auf überregionale Zusammenarbeit. So werden beispielsweise aufeinander abgestimmt in Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein Fahrzeuge kontrolliert. Im Landkreis Harburg nahmen die Beamten dabei erst am Donnerstag vergangener Woche drei Männer fest, in deren Wagen Schmuck, ein Laptop sowie mutmaßliches Einbruchswerkzeug entdeckt wurden. Die Polizeidirektion Lüneburg und die Polizei Hamburg unterzeichneten im September eine Kooperationsvereinbarung, um ihre Zusammenarbeit bei Ermittlungen zu vertiefen. Einen Schwerpunkt bilden Wohnungseinbrüche.

Zahl der Einbrüche geht zurück

In der dunklen Jahreszeit drohen vermehrt Einbruchsversuche, die Polizei verstärkt deshalb ihre Präventionsarbeit und mahnt, Haustüren abzuschließen sowie Fenster nicht auf Kipp stehen zu lassen. Die Bemühungen scheinen Erfolg zu bringen: 2018 wurden in Niedersachsen 11.202 Einbrüche in Wohnungen registriert, bei 41 Prozent der Fälle blieb es beim Versuch. 1993 lag die Zahl noch bei 32.000. Für 2019 geht das Innenministerium von weiter sinkenden Fallzahlen aus.

Im Gebiet der Polizeidirektion Osnabrück konnte die Zahl der Wohnungseinbrüche sogar innerhalb von drei Jahren auf die Hälfte reduziert werden. 2016 war dort eine Zentrale Ermittlungsgruppe Wohnungseinbruchsdiebstahl (ZEG WED) eingerichtet worden. Deren Arbeit im Dreiländereck Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Niederlande laufe auch nach dem Ende der Förderung mit EU-Geld weiter, sagte ein Polizeisprecher.

Jeder vierte Einbruch in Niedersachsen wird aufgeklärt

Aufgeklärt wurde zwischen Harz und Nordsee im vergangenen Jahr jeder vierte Einbruchsdiebstahl, bundesweit war es nicht einmal jeder fünfte. „Da steht Niedersachsen gut da“, sagte die Kriminologin Gina Wollinger. Die Kölner Professorin hat mehrere Studien zu Wohnungseinbrüchen verfasst. „Die Frage bleibt, wo gehen die Täter jetzt hin?“ Zu untersuchen sei etwa, ob es mehr Ladendiebstähle gebe.

Betrugsfälle mit „falschen Polizisten“ wächst

Die Gruppe sei in ZEG Phänomene umbenannt worden und beschäftige sich nun auch mit Straftaten zum Nachteil von Senioren. So geben sich immer mehr Täter als Polizisten aus und erbeuten mit dieser Betrugsmasche große Summen. 2013 gab es landesweit lediglich 49 Fälle falscher Polizisten mit 35.000 Euro Schaden – 2018 waren es bereits 4235 Fälle mit einem Schaden von 4,7 Millionen Euro.

Kriminologin Wollinger glaubt nicht, dass Einbrecherbanden auf die neue Betrugsmasche umgesattelt haben. Die Mehrzahl der Einbrecher meide die Opfer, während Betrugsdelikte eine gewisse Redegewandtheit erforderten. Eine Ursache für den Rückgang der Einbruchsdelikte sei die bessere Sicherung von Wohnungen und Häusern.

Nach Angaben des niedersächsischen Innenministeriums ist zum einen die Bevölkerung aufmerksamer, zum anderen gebe es mehr polizeiliche Kontrollen und mehr Streifenfahrten in Wohngebieten. Eine Software zur Vorhersage von Einbrüchen sei ein weiterer Baustein im Kampf gegen Einbrecher, allerdings gestalte sich die konkrete Vorhersage schwierig. An der Weiterentwicklung des sogenannten Predictive Policing werde aber gearbeitet.

Von Christina Sticht