Kommentar zur Debatte um Fleischindustrie: CDU muss sich bewegen
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Der Norden Kommentar: CDU muss sich bewegen
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19:56 12.06.2020
Schweine laufen nach der Tötung durch die Stationen im Zerlegebereich eines Schlachthofes. Quelle: Ingo Wagner /dpa
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Hannover

Wie bei so vielen Dingen in diesen Tagen hat die Corona-Krise auch in der Fleischindustrie die Missstände für alle deutlich sichtbar gemacht. Nicht, dass mangelnde Hygiene in Schlachthöfen und Zerlegebetrieben nicht schon vorher ein Thema gewesen wäre. Auch über die teils miserablen Wohnbedingungen der zumeist osteuropäischen Beschäftigten in der Branche wird seit Jahren diskutiert. Doch Corona macht noch einmal auf dramatische Art und Weise deutlich: hier muss sich dringend etwas ändern.

Ausbeutung und Tierquälerei beenden

Dabei geht es nicht nur um die Frage einer gerechten Entlohnung oder eines menschenwürdigen Schlafplatzes. All das nehmen die Betroffenen notgedrungen mehr oder weniger klaglos hin, weil diese Bedingungen meist immerhin noch besser sind als in ihrer Heimat. Es geht auch darum, ein Parallelsystem zu beenden, in dem eine ganze Industrie – teilweise völlig abgeschottet von der Umwelt – Menschen ausbeuten und Tiere quälen kann.

Dass sich das Problem mit dem Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit lösen lässt, dass künftig nur noch fest angestellte und ordentlich bezahlte Mitarbeiter in Deutschland Schweine und Kühe zerlegen, könnte aber eine sozialdemokratische Wunschvorstellung bleiben. Werkverträge nur in einer Branche zu verbieten dürfte rechtlich kaum machbar sein. Der Vorstoß des Bundes war trotzdem wichtig. Es ist jetzt an der CDU, vor allem im Agrarland Nummer eins Niedersachsen, sich endlich zu bewegen und Reformen zu ermöglichen.

Abwanderung ist nicht wahrscheinlich

Und keine Bange: Die Fleischindustrie wird deswegen nicht ins Ausland abwandern. Was will sie da auch – ohne die Schlachttiere, die optimalen Vertriebswege und die zahlungskräftigen deutschen Verbraucher?

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Von Marco Seng