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Der Norden Misshandlung in Kinderheim: Sechs weitere Festnahmen
Nachrichten Der Norden Misshandlung in Kinderheim: Sechs weitere Festnahmen
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20:00 12.12.2019
Was ist in diesem rumänischen Kinderheim wirklich passiert? Das Projekt Maramures in den Karpaten. Quelle: Nora Bibel
Hannover

Die Situation in dem rumänischen Kinderheim „Maramures“, in dem verhaltensauffällige deutsche Kinder angeblich schwer misshandelt wurden, ist weiter eskaliert. Nach Angaben des zuständigen deutschen Jugendhilfeträgers „Wildfang“ in Bothel im Landkreis Rotenburg hat die rumänische Ermittlungseinheit für organisierte Kriminalität und Terrorismus (DIICOT) am Dienstag sechs weitere rumänische Mitarbeiter festgenommen und zu Vernehmungen nach Bukarest gebracht. Bewaffnete und maskierte Beamte hätten in den frühen Morgenstunden die Unterkünfte gestürmt und drei Frauen und drei Männer mitgenommen, die als Lehrkräfte, Büroleiter und Hilfskräfte in dem Projekt tätig waren, heißt es von Seiten von „Wildfang“: Es bestehe zurzeit kein Kontakt.

Deutscher Leiter immer noch in U-Haft

Bereits Ende August 2019 hatten die rumänischen Behörden in dem Heim eine Razzia durchgeführt. Dabei waren mehrere Mitarbeiter festgenommen und Bargeld in Höhe von knapp 150.000 Euro beschlagnahmt worden. Drei Mitarbeiter, darunter der deutsche Leiter des Kinderheims, sitzen nach Angaben von „Wildfang“ seitdem in Untersuchungshaft. Sie bestreiten alle Vorwürfe. Die Anschuldigungen gegen das Heim reichen von Menschenhandel und illegaler Freiheitsberaubung bis zu Sklaverei. Bemerkenswert ist: Die dort untergebrachten Jugendlichen beschreiben die Zustände extrem unterschiedlich: Manche reden von Prügeln und Sklavenarbeit, andere von einer „Superzeit“.

Hatte eigenen Angaben zufolge eine „Superzeit“ in Maramures: Jonelle Kooi. Quelle: Samantha Franson

Zwölf weitere Hausdurchsuchungen

Einer Pressemitteilung der Strafverfolgungsbehörde DIICOT zufolge wurden am Dienstag überdies zwölf Hausdurchsuchungen in der Gegend von Vișeu de Sus im Landkreis Maramures durchgeführt und Laptops, Mobiltelefone, und Computer beschlagnahmt. Unter den jetzt Festgenommenen sei ein Sozialarbeiter der Kinderschutzbehörde in Baia Mare, heißt es weiter. Ihm wird vorgeworfen, dass er das Kinderheim geduldet habe, obwohl er gewusst haben soll, dass es nicht den gesetzlichen Bestimmungen entspricht. Außerdem habe der Mann nur oberflächliche Kontrollen durchgeführt. Der Jugendhilfeträger Wildfang hatte immer wieder darauf verwiesen, dass das Heim regelmäßig von rumänischen Kinderschutzbehörden überprüft worden sei. Allein deshalb hätten die Missstände den Behörden auffallen müssen. Nach Angaben von DIICOT sollen drei der jetzt festgenommenen Rumänen in Untersuchungshaft genommen, drei weitere unter Hausarrest gestellt werden.

Kinderheim ist mittlerweile geschlossen

„Wir fordern Klarheit im Verfahren und ein Statement der rumänischen Behörden“: Der Betreiber des Kinderheims in Rumänien kritisiert die bisherigen Ermittlungen der rumänischen Behörden. Quelle: Jutta Rinas

Das Kinderheim in den rumänischen Karpaten ist offenbar mittlerweile zumindest vorübergehend geschlossen. Nach Angaben von Marcel Kankarowitsch, deutscher Büroleiter des Kinderheims, hatten die verbliebenen rumänischen Mitarbeiter schon Ende November von der Staatsanwaltschaft erfahren, dass jetzt auch gegen sie ermittelt wird. Der niedersächsische Träger „Wildfang“ habe daraufhin für die verbliebenen sieben Jugendlichen eine alternative Betreuung außerhalb Rumäniens gesucht und ein Objekt in Polen gefunden. Man habe dies bei der örtlichen Polizei, dem Jugendamt und den Anwälten unverzüglich kommuniziert – „auch in der Hoffnung, dass der Verfolgungsdruck sich endlich mindere“, sagt Kankarowitsch. „Wir fordern Klarheit im Verfahren und ein Statement der rumänischen Behörden, wie und ob wir in Zukunft unsere pädagogisch erfolgreichen Projekte für betreuungsintensive Jugendliche in Rumänien fortführen können“ sagt Dirk Precht, Leiter der Wildfang GmbH. Die Mädchen und Jungen aus dem Heim wünschten sich nichts sehnlicher, als in ihre rumänischen Gastfamilien zurückkehren zu dürfen und hielten ständigen Kontakt. Ihnen sei „die Chance auf Ruhe und Entwicklung in ihren schon lang anhaltenden Heimkarrieren“ genommen worden.

In Obhut genommene Jugendliche sind in Deutschland

Die vier Jugendlichen, die die Vorwürfe gegen das Kinderheim erhoben haben und deshalb in Obhut genommen wurden, sind mittlerweile alle zurück in Deutschland. Sie werden nach Informationen der HAZ von Jugendämtern in Remscheid, Kassel, Dormagen und dem Landkreis Leipzig betreut. Das einzige Mädchen unter ihnen soll inzwischen den Wunsch geäußert haben, in das rumänische Kinderheim zurückzukehren. Ein anderer Jugendlicher soll straffällig geworden sein.

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Von Jutta Rinas

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