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Der Norden Deutsche Inseln als „Testlabore für die Zukunft“
Nachrichten Der Norden Deutsche Inseln als „Testlabore für die Zukunft“
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18:35 25.04.2019
„Dem Ausverkauf der Inseln entgegenwirken“: Häuser und Wohnungen auf den deutschen Inseln – hier ein Bild aus Norderney – sind für Einheimische oft unerschwinglich. Quelle: Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Helgoland

Deutschlands Inseln und Halligen sehen sich als Testfeld für die Lösung wichtiger Zukunftsfragen. Sie seien „Testlabore für die Zukunft“, sagte Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) am Donnerstag zum Start der ersten Deutschen Inselkonferenz auf Helgoland. „Wenn es auf den Inseln- und Halligen funktioniert, dann funktioniert es überall.“

„Brennglas der Herausforderungen“

Noch bis Freitag geht es auf der Nordseeinsel um zentrale Probleme wie den steigenden Meeresspiegel und immer knapper werdenden bezahlbaren Wohnraum. Dazu haben sich mehr als 100 Politiker, Tourismusmanager und Experten angemeldet. Sie wollen beraten, wie sich die Zukunftschancen der Inseln verbessern lassen. Vom Bundestag und der EU fordern sie Hilfe, etwa eine Befreiung von der EEG-Umlage für den Stromimport, um Standortnachteile zumindest teilweise auszugleichen.

Auf Sylt oder Pellworm sei Wirtschaften im Einklang mit der Natur, die Schaffung gleicher Lebensverhältnisse oder die medizinische Versorgung schwieriger zu gewährleisten als an Land, sagte Albrecht. Die Inseln und Halligen seien oft ein „Brennglas der Herausforderungen im ländlichen Raum insgesamt“.

Am Freitag wollen die Teilnehmer eine Resolution mit Forderungen an die Politik beschließen. „Insbesondere als Urlaubsort sehen wir uns als Schaufenster und Botschafter für eine nachhaltige Entwicklung“, hieß es im Entwurf. „Der Klimawandel ist das zentrale Thema der Konferenz“, sagte Helgolands Bürgermeister Jörg Singer.

Dem Ausverkauf der Inseln entgegenwirken

Die Menschen auf den Inseln sorgen sich auch um bezahlbaren Wohnraum. Der Kauf von Häusern und Wohnungen wird dort immer teurer, und für Einheimische sind die Preise oft unbezahlbar. „Es geht darum, wie wir dem Ausverkauf der Inseln entgegenwirken können“, sagte Singer. Im Resolutionsentwurf fordern die Verantwortlichen auf den Inseln komplette Planungshoheit „zur Verhinderung der weiteren gesellschaftlichen Erosion“.

Der Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) und ehemalige Innenminister von Schleswig-Holstein, Andreas Breitner, sieht vor allem die Inselgemeinden selbst in der Pflicht: „Gerade auf den Inseln entsteht bezahlbarer Wohnraum nur dann, wenn das Gemein- vor das Einzelwohl gestellt wird.“ Die Inseln könnten selbst Bau und Verwaltung von Wohnungen übernehmen: Die Gründung eigener Inselgenossenschaften wäre ein richtiger Schritt.

Zudem liege der Fokus oft zu sehr auf dem Tourismus, sagte Breitner. „Bislang werden Baugebiete eher für neue Hotels oder Feriensiedlungen ausgewiesen als für bezahlbare Wohnungen. Hier müssen die Inseln ihren Kurs ändern.“

Einzigartige und beliebte Destination

Spiekeroogs Bürgermeister Matthias Piszczan betonte, dass alle Inseln fast nur vom Tourismus lebten. Die besondere Lage im Meer und im Wattenmeer machten diese Destinationen so einzigartig und beliebt. „Was nutzt uns aber diese Einzigartigkeit, wenn es weiter so vorangeht, dass finanzkräftige Investoren von außerhalb alles an sich reißen und sich letztlich überhaupt nicht um die Inseln/Orte kümmern?“, fragte er. Um den Negativtrend zu drehen, fordert Spiekeroogs Bürgermeister weitergehende rechtliche Möglichkeiten für die Inseln über das Zweckentfremdungsverbot hinaus, „um diverse Strömungen zu stoppen“.

Von André Klohn und Hans-Christian Wöste