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Der Norden Mitgliederschwund: Hannovers Landesbischof will Gründung von ökumenischen Gemeinden
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20:57 03.01.2020
„Ein ferner Wunsch“: Landesbischof Ralf Meister will mehr Ökumene wagen. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Not macht erfinderisch: Angesichts des rasanten Mitgliederschwundes der Kirchen will Hannovers evangelischer Landesbischof Ralf Meister die Ökumene vertiefen – und dabei ganz neue Wege gehen. „Wir müssen uns überlegen, was wir gemeinsam tun können, bis hin zur Gründung von rein ökumenischen Gemeinden“, sagt der Theologe.

„Gemeinsame Wege finden“

In absehbarer Zeit würden Protestanten und Katholiken nicht mehr die Mehrheit der Bevölkerung stellen. „Viele Menschen fragen schon heute nicht mehr danach, ob jemand evangelisch oder katholisch ist, sondern nur, ob er Christ ist“, sagt Meister. Seit Jahrzehnten gebe es – etwa im Ökumenischen Kirchenzentrum Mühlenberg in Hannover – schon eine intensive Zusammenarbeit einzelner Gemeinden, die Gebäude teils gemeinsam nutzten. „Warum sollen wir so etwas nicht weiterführen?“

Meisters katholischer Kollege, der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer, begrüßte den Vorstoß: Es sei wichtig, in der Seelsorge gemeinsame Wege zu finden.

„Noch viele Fragen offen“

Meister räumt ein, dass noch unklar sei, wie rein ökumenische Gemeinden aussehen könnten. Beispielsweise gebe es noch kein gemeinsames Abendmahl. „Kirchenrechtlich und dogmatisch sind noch viele Fragen offen“, sagt er. „Doch wenn man zuerst auf die Formalitäten schaut, kann man solche Projekte sofort beerdigen. Es braucht dafür Menschen, die begeisterungswillig sind.“ Derzeit sei die Gründung ökumenischer Gemeinden ein ferner Wunsch, sagt Meister. „Aber man kann ihn ja ruhig mal äußern.“

Kommentar: Mehr Ökumene wagen!

Es passiert nicht oft, dass führende Kirchenvertreter sich mit einem so mutigen Vorstoß aus der Deckung wagen. Hannovers Landesbischof Ralf Meister hat angesichts des dramatischen Bedeutungsverlustes beider Großkirchen eine verstärkte Zusammenarbeit angemahnt, „bis hin zur Gründung von reinen ökumenischen Gemeinden“.

Es ist leicht, diesen Vorstoß als visionäre Spinnerei abzutun. Wie soll denn bitte schön eine solche Gemeinde aussehen, wenn die Kirchen sich noch nicht einmal auf ein gemeinsames Abendmahl verständigen können? Werden die Jugendlichen in einer solchen Gemeinde konfirmiert oder gehen sie zur Erstkommunion? An welche Einrichtung zahlen ihre Mitglieder ihre Kirchensteuer? Und droht nicht am Ende theologischer Einheitsbrei?

Trotz aller Unwägbarkeiten sollte man sich hüten, das Projekt von vornherein totzusagen. Schon bald werden Katholiken und Protestanten auch gemeinsam nicht mehr die Bevölkerungsmehrheit in Deutschland stellen. Die Gesellschaft wird in religiöser Hinsicht bunter, und ihr Blick auf die Kirchen verändert sich. Wie diese sich in Zukunft behaupten, hängt nicht davon ab, wie randscharf ihr konfessionelles Profil ist, sondern davon, ob sie ihre Kernbotschaft gemeinsam glaubwürdig verkünden.

Schon jetzt können Katholiken und Protestanten viel stärker als bisher kooperieren – bei der Nutzung von Gebäuden, der Organisation von Jugendfreizeiten oder im sozialen Bereich. Sie müssen mehr Ökumene wagen. Die Gründung gemeinsamer Gemeinden kann ihnen dabei als Leitstern dienen. Er weist den Weg in die richtige Richtung.

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