Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Der Norden So schön ist der sanierte alte Elbtunnel
Nachrichten Der Norden So schön ist der sanierte alte Elbtunnel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:41 27.04.2019
Passanten gehen durch die renovierte Oströhre des Alten Elbtunnels. Sie ist nach mehrjähriger Sanierung am Freitag wiedereröffnet worden. Quelle: Christian Charisius/dpa
Hamburg

426 Meter, verkleidet mit 360 .000 Fliesen – und 80 Reliefs mit Darstellungen von Fischen, Krebsen und anderen Wassertieren: Fußgängern und Hamburg-Touristen steht seit Freitag ein besonders schöner Weg auf die südliche Elbseite offen. Nach rund neunjähriger Sanierung hat die Hafenbehörde HPA die Oströhre des Alten Elbtunnels wieder freigegeben. Die ersten Passanten machten sich gleich gestern auf den Weg durch den Tunnel, noch bis zum 2.  Juni soll die renovierte Röhre allein den Fußgängern vorbehalten sein. Am Tag darauf beginnt die Sanierung der Weströhre. Viele Radfahrer und auch Autos werden dann ebenfalls die Oströhre nutzen.

Der Ostteil des Alten Elbtunnels in Hamburg ist saniert – und für Fußgänger ein Erlebnis. Impressionen aus der Röhre.

Der erste Tunnel dieser Art in Europa

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) bezeichnete das Bauwerk aus dem Jahr 1911 als herausragende ingenieurtechnische Leistung. Es sei damals der erste Tunnel dieser Art in Europa gewesen. Vor mehr als 100 Jahren habe man ein Verkehrsproblem durch Innovation gelöst – und so werde Hamburg auch in Zukunft vorgehen. Als Beispiel nannte der Bürgermeister die Lärmschutzdeckel über der Autobahn A7.

„Der St.-Pauli-Elbtunnel ist heute ein Denkmal, aber zugleich ein Verkehrsweg mit neuer Funktion für Fußgänger und Radfahrer“, sagte Tschentscher. Als Teil einer Veloroute wird der Tunnel von vielen Radfahrern auf dem Weg in die Stadtteile südlich der Norderelbe genutzt. Autos dürfen nur wochentags gegen Gebühr hindurchfahren.

In der Vergangenheit diente der Tunnel vor allem Werft- und Hafenarbeitern, die auf diesem Weg zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Pferdefuhrwerk zu ihren Arbeitsplätzen kamen. Alte Fotos, die am südlichen Ausgang zu sehen sind, zeigen Dutzende Radfahrer, die Anfang des vergangenen Jahrhunderts in einer langen Schlange vor den Aufzügen an den Landungsbrücken warten.

Der ursprüngliche Bau des Tunnels dauerte nur vier Jahre

„Nach einem deutlichen Rückgang der Nutzerzahlen in den Siebziger- und Achtzigerjahren steigt die Zahl der Fußgänger und Radfahrer im Tunnel heute wieder“, sagte Jens Meier, Chef der Hafenbehörde HPA. So wurden im vergangenen Jahr in der Weströhre 1,1 Millionen Fußgänger, 300 000 Radfahrer und 38 000 Autos gezählt.

Die Wiedereröffnung der Weströhre nach der nun anstehenden Sanierung ist für das Jahr 2025 geplant. Auf der Südseite nahe der Werft Blohm+Voss müssten allerdings noch Kriegsschäden untersucht werden, sagte Meier. Auf jeden Fall wird sich die Sanierungszeit auf mindestens 30 Jahre summieren – die Arbeiten hatten 1994 begonnen. Der ursprüngliche Bau des Tunnels hatte nur vier Jahre gedauert, von 1907 bis 1911.

Die Oströhre sei zum ersten Mal seit ihrer Eröffnung grundlegend saniert worden, teilte die HPA mit. Dabei sei nicht nur auf den Denkmalschutz geachtet worden. Die Röhre verfüge jetzt auch über Rauchmelder, Lautsprecher und ein automatisches Zählsystem. Die Gesamtkosten werden sich voraussichtlich auf rund 60 Millionen Euro pro Röhre belaufen.

Fund auf dem Dachboden

Für ihren Weg durch den Tunnel zum Aussichtspunkt Steinwerder müssen historisch interessierte Besucher in den nächsten Wochen mehr Zeit einplanen: In der sanierten Röhre ist vom 30. April bis zum 29. Mai eine Ausstellung mit Bildern und Texten zur Geschichte des Bauwerks zu sehen. Die historischen Fotos wurden bei der wissenschaftlichen Aufbereitung von Akten auf dem Dachboden des Betriebsgebäudes entdeckt.

Vor der Schließung der Weströhre gibt es unter der Elbe auch für Musikfreunde ein besonderes Erlebnis: Die Hochschule für Musik und Theater will am letzten Mai-Wochenende eine „Symphonie im St. Pauli Elbtunnel“ aufführen.

Zukunft der Köhlbrandbrücke in der Schwebe – kommt ein Tunnel?

Auch bei der Köhlbrandbrücke in Hamburg sind Bauarbeiten in absehbarer Zukunft unvermeidlich. Das Wahrzeichen im Hamburger Hafen ist seit 1974 in Betrieb und mittlerweile ein Hindernis für große Containerschiffe, die nicht mehr das hochmoderne Containerterminal Altenwerder anlaufen können. Eine neue Brücke müsste 20 Meter höher sein – mit steileren oder längeren Rampen.

Die andere Variante– ein Tunnel – wäre vermutlich deutlich teurer im Bau, aber günstiger im Unterhalt und würde den Planern mehr Möglichkeiten eröffnen. Technische und Finanzierungsfragen sind noch ungeklärt.

Die Brücke istnicht nur ein Verkehrshindernis für große Schiffe, sondern mittlerweile auch überlastet und den Verkehrsströmen nicht mehr gewachsen. Bis zu 38  000 Fahrzeuge passieren täglich die Köhlbrandbrücke, die zu den wichtigsten Straßenverbindungen im Hafen gehört. Bereits seit 2012 hat die Hafenbehörde ein Überholverbot verhängt. Lkw dürfen seitdem nur noch die rechte Spur benutzen.

Die CDU-Bürgerschaftsfraktion hatte den Senat zuletzt zu einer schnelleren Entscheidung über den Ersatz für die Köhlbrandbrücke gedrängt. Angesichts des baulichen Zustands der Brücke könnte die restliche Lebensdauer nicht mehr bis 2030 reichen, hieß es. Die Bauzeit für Brücke oder Tunnel wird mit rund sieben Jahren veranschlagt.

Von Bernhard Sprengel