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Der Norden Schule in Hannover verbietet Jogginghosen
Nachrichten Der Norden Schule in Hannover verbietet Jogginghosen
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20:24 15.12.2019
Jogginghosen sind tabu: „Ich kann später auch nicht im Bademantel zur Arbeit kommen.“
Jogginghosen sind tabu: „Ich kann später auch nicht im Bademantel zur Arbeit kommen.“ Quelle: Jan-Philipp Strobel/dpa
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Hannover

Jogginghosen und Leggins sind künftig unerwünscht am bilingualen Oskar-Kämmer-Gymnasium in Mittelfeld. Weil es sich um „keine angemessene Kleidung“ handele, müssten Schüler bei Verstößen künftig „den Schulhof saubermachen, Tische in der Mensa wischen oder Ähnliches“, hat Schulleiterin Alvira Ramazanova den Eltern per E-Mail mitgeteilt. An anderen Schulen in Hannover stoßen solche Vorgaben eher auf Skepsis.

Hot-Pants, Jogginghosen – welche Kleidung ist an der Schule erlaubt?

Bundesweit kocht an zahlreichen Schulen regelmäßig die Diskussion hoch, was angemessene Kleidung ist – meist aber im Sommer, der Hochzeit von Ultrakurzhosen (Hot-Pants) und bauchfreier Oberbekleidung. Am Hamburger Gymnasium Eppendorf sind seit 2017 „übertiefe Dekolletés, bauchfreie Shirts, pofreie Shorts und zu kurze Röcke“ verboten, weil sie „eindeutig eher für den Strand geeignet“ seien, wie Schulleiterin Maike Languth sagt. An einer Realschule im Kreis Tübingen (Baden-Württemberg) dagegen sind seit Februar dieses Jahres auch die Jungen von der Kleiderordnung betroffen: Jogginghosen und Kaugummis sind Tabu, Kopfbedeckung darf nur noch aus religiösen Gründen getragen werden.

„Kann später auch nicht im Bademantel zur Arbeit kommen“

Bei der Kämmer-School in Mittelfeld hätten sich Schüler selbst über die teils ungemessene Kleidung ihrer Mitschüler beklagt, sagt Schulleiterin Ramazanova. Albern sähen die Jogginghosen aus, sagt sie: „Ich kann doch später auch nicht im Bademantel zur Arbeit kommen.“ Das Verbot habe sie mit Lehrerschaft und Geschäftsführung abgestimmt, von den Eltern habe sie bisher nur positive Resonanz gehört.

Kämmer-Schule schreibt bisher nur Oberbekleidung vor

Das private Gymnasium mit 118 Schülern ist seit gut zehn Jahren in Hannover aktiv, dort wird mindestens zur Hälfte englisch gesprochen. Für die Oberbekleidung gibt es Vorgaben, eine Art zeitgemäße Schuluniform, auf die sich die Eltern von Anbeginn an vertraglich verpflichten. Schulleiterin Ramazanova sagt, die Schule wolle damit einerseits eine höhere Identifikation von Schülerschaft und Schule schaffen, wie man sie in Nordamerika und England kenne, aber auch ausschließen, dass sich Schüler diskriminiert fühlten, deren Eltern sich keine teure Markenkleidung leisten können. „Wir haben eine sehr durchmischte Klientel, weil das Schulgeld vom Einkommen der Eltern abhängig ist“, sagt sie.

Graue Jogginghose: Schüler haben sich über die Kleidung von Mitschülern beschwert. Quelle: iStockphoto

„An Regeln ohne Konsequenzen hält sich keiner“

In den vergangenen Wochen sei vermehrt aufgefallen, dass unter der Oberbekleidung Jogginghosen und Leggins getragen würden, weshalb man sich zu dem Verbot entschlossen habe. Die angedrohten Putzstrafen müssten sein: „Wenn man Regeln ohne Konsequenzen erlässt, dann hält sich keiner daran“, sagt die Schulleiterin resolut.

„Solidarität und Toleranz ist wichtiger“

An Hannovers Sophienschule verweist Schulleiter Peter Kindermann auf das Schulgesetz. Das schreibe nur vor, dass Schüler „durch ihr Verhalten oder ihre Kleidung die Kommunikation mit den Beteiligten des Schullebens nicht in besonderer Weise erschweren“ dürften. Die Schule müsse die Würde der Kinder davor beschützen, dass diese „die Auswirkungen ihres Handelns eventuell noch nicht voll überblicken“ könnten. Ob eine Schule das auf Jogginghosen oder Leggins beziehen möchte, müsse sie selbst entscheiden – er sehe „das Gebot zur Solidarität und Toleranz als deutlich wichtiger an als eine Diskussion über Geschmack“.

Oliver Wolfskehl vom Oberstufenzweig der IGS Linden findet, dass ein Kleidungsverbot ein „Eingriff in die freiheitliche Selbstbestimmung der Schüler“ darstelle. „Bei angedrohten Strafen wie Mensaputzen würde unsere Schülervertretung auf die Barrikaden gehen“, sagt er. Er halte sie für „pädagogisch falsche, autoritäre Signale“.

„Schlafkleidung gehört nicht in den Unterricht“

An der Kämmer-Schule hat sich Schulelternsprecherin Kerstin Peschel unter den Elternvertretern umgehört und sagt, dass es zwar „gemischte Meinungen“ gebe. „Der größte Teil“ der befragten Eltern aber stimme der Anordnung zu, „weil Jogginghosen oder Schlafkleidung nicht in den Unterricht gehören“.

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Von Conrad von Meding