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Der Norden Ein Waldcafé im Harz? Für diese Architektin blieb es kein Traum
Nachrichten Der Norden Ein Waldcafé im Harz? Für diese Architektin blieb es kein Traum
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00:22 28.06.2019
Das Polsterberger Hubhaus im Harz Quelle: Monika Herbst
Clausthal-Zellerfeld

Der erste Sommer war ein Kraftakt, Beate Engel war auf sich allein gestellt. Sie, die Architektin aus Isernhagen, musste kochen, servieren, kassieren und spülen, und das quasi gleichzeitig. An sonnigen Tagen, die Terrasse voller Besucher, war das nicht zu schaffen. Manchmal halfen Gäste kurzerhand in der Küche aus. Vielleicht hatte Beate Engel sich übernommen.

Heute, 17 Jahre später, steht Beate Engel, 57, in der Küche und richtet Salat an. Sie hat einen Koch eingestellt und weiteres Personal. Aber wie kommt jemand ohne jede Erfahrung in der Gastronomie überhaupt darauf, spontan eine Waldgaststätte zu übernehmen, ohne jede Erfahrung?

Sie wollte etwas Neues

Beate Engel wollte etwas Neues, den Alltag in Isernhagen hinter sich lassen, so viel stand fest. Die Idee, das Polsterberger Hubhaus im Wald bei Clausthal-Zellerfeld zu übernehmen, kam dann eher zufällig. Im Februar 2002 musste sie sechs Gäste im Hotel einer Bekannten bei Laune halten. Beate Engel, den Nordic-Walking-Ausbilderschein frisch in der Tasche, scheuchte die Gruppe durch den winterlichen Wald. Sie war nicht wirklich ortskundig, es dauerte, bis sie das Polsterberger Hubhaus fand. Der Wegweiser zur Waldgaststätte sollte ihr den Weg ein neues Leben weisen.

Beate Engel bereitet in der Küche alle Mahlzeiten aus frischen Zutaten zu. Quelle: Monika Herbst

Nur wenige Monate nach dem Ausflug zog Engel gemeinsam mit ihrem Sohn und ihrem Lebensgefährten in das Haus im Wald. Sie restauriert das es und eröffnet das Lokal bereits im Juni 2002 wieder.

Während Engel beim Anrichten des Salats von den harten Anfangsjahren erzählt, schaut sie immer wieder durch die dreigeteilten Fenster auf die Lichtung vor dem Haus. Manchmal guckt ein Reh zurück. Die Fenster hat sie selbst gebaut. Beate Engel ist Tischlerin, das Architekturstudium hat sie obendrauf gepackt. Sie hat im Hubhaus einige verdeckte Kostbarkeiten zum Vorschein gebracht, wie die alten Holzdielen am Boden und die Fichtenholzpaneele unter der abgehängten Decke. Die Räume sind jetzt hell und einladend.

Bei Gourmets weit über den Harz hinaus bekannt

Inzwischen ist das Polsterberger Hubhaus bei Gourmets weit über den Harz hinaus bekannt. Auszeichnungen am Eingang zeugen davon: Engels Lokal wird sowohl vom Slow-Food-Genussführer empfohlen als auch vom Gourmetmagazin Feinschmecker. Und auch Ministerpräsident Stephan Weil kaum 2018 auf Sommerreise schon vorbei. Trotzdem bleibt die Finanzierung eine „Kniebeuge mit Gewichten“, wie sie sagt.

Das liegt auch an der Speisekarte, die Zutaten kommen zum großen Teil aus dem Harz und der Umgebung: Es gibt Ragout oder Frikadellen vom Harzer Roten Höhenvieh in Bioland-Qualität, Currywurst vom Harzer Wildschwein oder Ziegenfrischkäsetaler vom Demeter-Hof, im Nussmantel gebacken, auf Blattsalat mit Bratkartoffeln oder Vollkornbrot serviert, dazu gibt es Bio-Säfte. Und zum Kaffee ein Stück Blechkuchen mit Apfel oder Rhabarber. Die Zutaten sind hochwertig, die Preise trotzdem moderat. Auch Familien sollen es sich leisten können, bei Beate Engel zu essen.

Das Polsterberger Hubhaus ist im Inneren schlicht eingerichtet. Quelle: Monika Herbst

Zu ihren regionalen Lieferanten gehört zum Beispiel der Landwirt Daniel Wehmeyer aus Osterode am Harzrand. Er hält Harzer Rotes Höhenvieh, eine alte milch- und fleischarme Rasse, die heute fast ausgestorben ist. Die besondere Qualität des mageren und weichen Fleisches bringt ihm sogar Kunden aus Hannover und Hamburg. Im Sommer grasen die Tiere auf Bergwiesen im Freien, im Winter zermalmen sie kräuterreiches Heu im luftigen Außenstall. Die Tiere werden artgerecht gehalten. Das ist Beate Engel wichtig.

Das Polsterberger Hubhaus im Harz Quelle: Monika Herbst

Der Koch, den sie nach dem ersten, kräftezehrenden Sommer einstellte, empfahl, Erbsen und Möhren aus der Dose zu nehmen und zeigte ihr die Speisekarte seines ehemaligen Restaurants mit 123 Gerichten. Beate Engel hielt dagegen: „Ich möchte nur zehn Gerichte. Und wir machen alles frisch.“ Sie setzte sich durch.

Ein kleines Stück Wildnis

Es ist ein kleines Stück Wildnis, mit dem sie hier oben konfrontiert ist: Die Stromleitung zum Haus wird mindestens einmal im Jahr vom Sturm gekappt. Und wenn in trockenen Sommern das Wasser aus der Zisterne nicht reicht, organisiert sie einen Tank mit 12 000 Litern.

Doch die Natur gibt ihr viel zurück: die üppig blühenden Bergwiesen, die Farbenvielfalt von Butterblumen am Wegesrand, von Waldweidenröschen und Ebereschen. „Der Harz ist mir treu geblieben“, sagt Engel. „Wenn ich mal wanke, sagt er zu mir: ,Wieso, wir sind uns doch einig‘.“

Von Monika Herbst

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