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Der Norden Skilehrer Till Gellersen hat das ganze Jahr über Schnee – in Bispingen
Nachrichten Der Norden Skilehrer Till Gellersen hat das ganze Jahr über Schnee – in Bispingen
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17:41 12.08.2019
„Ich arbeite im Kühlschrank“: Till-Jannick Gellersen (23) ist ausgebildeter Sport- und Fitnesskaufmann und gibt seit eineinhalb Jahren Kurse im Abenteuer-Resort, dem früheren Snow Dome Bispingen. Quelle: Carolin George
Bispingen

Okay: An einem ganz normalen Sommertag mit 26 Grad und ein paar Wolken am Himmel ist der Unterschied zwischen den zwei Welten zwar nicht ganz so krass wie an einem Hitzetag mit 36 Grad und schwüler Luft. Extrem ist es aber trotzdem, was an der Autobahnausfahrt Bispingen nach dem Aussteigen aus dem Auto passiert: raus aus den Shorts, rein in die Thermohose, raus aus den Sandalen, rein in die Stiefel, dicke Jacke anziehen, Helm aufsetzen – und Handschuhe nicht vergessen! Denn ein paar Minuten vom Parkplatz entfernt ist es 30 Grad kälter. In Bispingen ist das ganze Jahr Saison. Skisaison.

Der Snow Dome gehört jetzt zum Berg & Tal Abenteuer-Resort

„Willkommen im Winter“, sagt ein junger Mann und lacht. Er trägt einen blauen Overall mit der Aufschrift „Snow Academy“. Till-Jannick Gellersen, 23, ist Ski- und Snowboardlehrer in der Lüneburger Heide. Seine Skipiste samt zwei Liften liegt in einer riesigen, von der Außenwelt abgeschotteten Halle, früher bekannt als Snow Dome. Seit Kurzem gehört die Halle zum Abenteuer-Resort Bispingen. „Ich arbeite im Kühlschrank“, sagt Gellersen lachend.

170 Kilometer Kühlschläuche sorgen für Eisdecke

170 Kilometer Kühlschläuche liegen unter der Piste, in einem Abstand von maximal 2,5 Zentimetern. Sie sorgen für eine durchgehende Eisdecke im Boden, über der rund 30 bis 35 Zentimeter Schnee liegen.

Der wird – genau wie in Skigebieten in den Bergen – täglich von Pistenbullis planiert. Oder wie man in Bispingen sagt: geshaped. Das ist nötig, weil auch norddeutscher Heideschnee über einen Skitag sulzig wird. Zugleich darf er nicht zu eisig werden, damit die Ski- und Snowboardbretter mit genug Grip haben und nicht wegrutschen. Die Luft misst konstant minus drei bis minus sechs Grad Celsius. 2013 ist das gesamte Kühlsystem erneuert worden. „Wir sind die modernste Skihalle Europas“, sagt Skilehrer Gellersen.

Ein gutes Team: Lasse (16, links) mit seinem Snowboardlehrer Till-Jannick Gellersen (23). Quelle: Carolin George

Temperatur in der Skihalle liegt bei minus drei Grad

Ganz oben, am Einstieg in die 320 Meter lange Piste und fast 40 Meter über dem Startpunkt der Liftanlagen, versucht ein riesiges Panoramafoto für ein wenig Bergatmosphäre zu sorgen. An der Decke hängen kräftige Leuchtstrahler, die Wand neben dem Schlepplift ist eine ganz normale Betonwand geblieben. Doch Gellersen stört das nicht. „Wenn ich auf dem Schnee bin, fokussiere ich mich auf meine Schülerinnen und Schüler“, sagt der junge Mann. „Ich schalte völlig um. Dass ich mich in einem geschlossenen Gebäude befinde, darüber denke ich gar nicht nach. Hätten wir zum Beispiel ein Glasdach, würde mich das eher ablenken.“

Skilehrer hat das Skifahren im Snow-Dome gelernt

Der 23-Jährige ist in Bispingen geboren und aufgewachsen, hat eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann absolviert und arbeitet seit anderthalb Jahren im Snow Dome, wie er die Anlage selbst manchmal noch aus Versehen nennt – die Gewohnheit eben. Mit etwa neun Jahren hat er hier Skifahren gelernt. „Als der Snow Dome öffnete, war das für Bispingen ein Riesenspektakel“, erinnert sich Gellersen. „Natürlich sind wir alle hingegangen.“

Im österreichischen Sölden war der Heidjer zwar mittlerweile auch ein paar Mal Ski fahren, aber das lässt sich an einer Hand abzählen. „In Bispingen bin ich in meinem Leben x-mal so viel Ski und Snowboard gefahren wie in den Bergen.“

Kein Schnee, kein Wind: „Zum Üben finde ich es in der Halle besser“

Genau wie sein Schüler Lasse: Der 16-Jährige kommt aus Steinbeck, einem Nachbardorf. Lasse war drei Jahre alt, als er das erste Mal auf Skiern stand – seine Mutter arbeitet im Snow Dome, damals als Lehrerin, heute im Büro der Skischule. Vor einem halben Jahr hat er das erste Mal ein Snowboard ausprobiert. „Zum Üben finde ich es in der Halle besser“, sagt der Blondschopf. „Es schneit nicht, das ist angenehm. In den Bergen weht immer Wind, und die Augen tränen. Hier muss ich noch nicht einmal eine Skibrille tragen.“ Wohl aber einen Helm – das ist Pflicht.

Funpark mit Hindernis-Strecken ist neue Attraktion

Sah es 2013 im Frühjahr vor der grundlegenden Sanierung noch danach aus, als würde der Snow Dome schließen, geht es nach einem Betreiberwechsel nun voran. Besonders der Funpark mit drei verschiedenen Hindernisstrecken für geübte und sprungfreudige Freestyler zieht neue Gäste.

1800 Besucher kommen in der Hochsaison pro Tag

In der Hochsaison – das ist auch in der Heide tatsächlich der Winter – kommen bis zu 1800 Gäste pro Tag, vom Kleinkind bis zum Senior. Die meisten Sommerbesucher seien Urlauber aus der Lüneburger Heide, erzählt Gellersen. „Aber natürlich kommen auch Familien aus der Umgebung, die hier einen Ferientag verbringen. Manch einer kommt nur zum Gucken und rodelt dann doch eine Runde. Die Faszination des Schnees ist einfach groß.“ Die zwei Lifte könnten auch noch mehr Menschen den künstlichen, knapp 40 Meter hohen Berg hinaufbringen, sagt Gellersen „Unser Ziel ist, die 2000er-Marke zu knacken.“

Das ist das Abenteuer-Resort in Bispingen

Eröffnet im Jahr 2006 als „Snow Dome Bispingen“, im Jahr 2013 für sieben Monate geschlossen und umfangreich saniert, nennt sich die Anlage seit diesem Sommer „Abenteuer Resort Lüneburger Heide“.

Etwa 80 Frauen und Männer arbeiten hier, hinzu kommen 40 Lehrerinnen und Lehrer der hauseigenen Ski- und Snowboardschule. Es gibt ein italienisches Restaurant sowie eine Gastwirtschaft der Kette Hofbräu München. Geöffnet ist die Halle an 365 Tagen im Jahr, sie zählt um die 330.000 Besucher jährlich.

Ein Tag Skifahren kostet 37 Euro, für eine Familie 75 Euro. Eine komplette Ausrüstung ist für 22 Euro zu leihen. Eine private Skilehrerstunde kostet 52 Euro, eine Stunde Rodeln gibt es für 19,50 Euro inklusive Bob. Die Preise für eine Übernachtung in einer Blockhütte beginnen bei 99 Euro pro Nacht für vier Personen.

Und weil es ja auch noch eine Welt außerhalb des Riesenkühlschranks gibt, ist die Erweiterung der Spielplätze im Außengelände geplant. „Viele Familien machen eine lange Mittagspause und gehen im Sommer dann auch raus“, erzählt Gellersen.

Abenteuer-Resort bekommt ein neues Hotel mit 155 Betten

Unter der Skihalle wird zurzeit die größte Miniatureisenbahn der Welt aufgebaut, mit 20 Kilometern Schienen und mehr als 500 Zügen. Die Eröffnung ist für den Winter geplant. Und da die zwölf bestehenden Blockhütten der Anlage selbst im Sommer gut gebucht seien, ist ein neues Hotel auf dem Gelände geplant, mit 155 Betten. Die Eröffnung ist für nächstes Jahr geplant.

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