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Der Norden Nur so haben die Kirchen eine Zukunftschance
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00:18 05.05.2019
Was können die Kirchen tun, um attraktiv zu bleiben? Besucher beim Ostergottesdienst in der hannoverschen Marktkirche. Quelle: Peter Steffen/dpa
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Hannover

Es ist ein epochaler Umbruch: Über Jahrhunderte war es in Deutschland selbstverständlich, Mitglied einer Kirche zu sein. Die Großkirchen waren Sinnstifter und Ankerpunkte von Identität. Jetzt zeichnet sich ab, dass sie bis 2060 etwa die Hälfte ihrer Mitglieder verlieren werden – für kulturpessimistische Christenmenschen ein Traditionsabriss von apokalyptischem Ausmaß.

Dabei sind die Kirchen nicht allein. Die Bindungskräfte aller großen Organisationen schwinden; verglichen mit Volksparteien und Gewerkschaften stehen die Kirchen – allen Missbrauchs- und Finanzskandalen zum Trotz – noch überraschend gut da. Im Jahr 2060 werden vermutlich noch 22 Prozent der in Deutschland geborenen Kinder getauft werden. Welche andere Organisation kann schon darauf hoffen, dann noch ein Viertel der Bevölkerung zu erreichen?

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Allerdings müssen die Kirchen eine neue Rolle finden. Die Mitgliedschaft war lange eine Art Konvention. Künftig wird sie Ergebnis einer bewussten Entscheidung sein. Die großen Volkskirchen wandeln sich zu kleineren Bekenntniskirchen. Ein Rezept gegen den Mitgliederverlust gibt es nicht; nach der Freiburger Studie ist etwa die Hälfte des Schwunds dem demografischen Wandel geschuldet, den die Kirchen nicht beeinflussen können.

Dennoch liegt im Schrumpfen auch eine Chance für die Kirchen. Sie müssen lernen, sich auf dem Markt der spirituellen Möglichkeiten zu behaupten. Sie müssen lernen, sich an dem zu orientieren, was Menschen wirklich anspricht. Sinnsucher wird es immer geben. Bereits jetzt ist die Mitgliedschaft in einer Kirche für sie nur noch eine Option. Wie interessant diese ist, entscheiden die Kirchen selbst.

Von Simon Benne

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