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Der Norden Notfallseelsorger im Interview: „Das ist der Albtraum für uns alle“
Nachrichten Der Norden Notfallseelsorger im Interview: „Das ist der Albtraum für uns alle“
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00:22 25.05.2019
„Kindernotfälle sind Notfälle für uns alle“: Seelsorger Matthias Gottschlich. Quelle: privat

Herr Gottschlich, zwei Kinder werden als vermisst gemeldet, wenig später findet man sie kurz vor dem
Ertrinken in einem Gartenteich
und kann ihnen nicht mehr helfen – wie geht man als Notfallseelsorger mit so einem Fall um?

Kindernotfälle sind Notfälle für uns alle. Für die Polizisten, die Rettungskräfte, die Feuerwehr, die Notfallseelsorger. Das ist zunächst einmal ein Albtraum. Da gibt es auch keine Patentlösung. Nach der Identifizierung ist es unsere Aufgabe, mit der Polizei zu den Eltern zu gehen und die Todesnachricht zu übermitteln. Da kann man zunächst einmal nur das völlig Unfassbare und Erschütternde gemeinsam mit den Eltern ertragen. Mehr geht da gar nicht.

Worauf kommt es in so einer Situation an?

Unser Auftrag ist die Begleitung der Hinterbliebenen. Wir gucken, wie wir der Familie in geeigneter Weise beistehen können. Das hängt immer von der Situation ab. Wie viele Beteiligte gibt es, sind da noch andere Kinder, sind die Großeltern da? Und wir unterstützen sie bei den nächsten Schritten. Wollen Angehörige noch einmal Abschied nehmen, ist das möglich? Was ist als nächstes zu tun? Auch organisatorisch unterstützen wir die Familie.

Wie sollen sich Freunde oder Nachbarn verhalten?

Viele sind so sehr geschockt, dass sie aus Hilflosigkeit den Fehler machen, sich zurückzuziehen. Weil sie einfach nicht wissen, was sie sagen sollen. Das ist immer das Verkehrteste, was man machen kann. Man muss als Nachbarn, als Freundeskreis, als Familie unaufdringlich präsent sein und darf die Betroffenen nicht alleine lassen – wohl wissend, dass es eine lange Zeit braucht, bis man sich von einem solchen Schicksalsschlag erholt hat.

Die Polizei spricht von einem „hochgradig emotionalen Einsatz“. Wann brauchen auch Helfer Hilfe?

Es gibt Einsätze, die für alle Handelnden maximalen Stress bedeuten. Tod und Verletzung von Kollegen, Tod und Verletzung von Kindern, Ereignisse die eine große lebensgeschichtliche Nähe zu mir haben. Einsatzkräften, die ein Kind in dem gleichen Alter haben, wird in so einem Fall klar, wie gefährdet Leben ist. Darum sind Einsätze mit Kindern so hoch emotional belastend. Deshalb ist die Einsatznachsorge auch für uns Notfall- und Feuerwehrseelsorger so ein wichtiges Thema. Der Einsatz ist erst dann beendet, wenn es allen wieder gut geht.

Wie wird man überhaupt Notfallseelsorger? Was muss man dafür mitbringen?

Neben seelsorglichem und psychologischem Wissen sicher auch eine stabile Mitte, um Ohnmacht, Hilflosigkeit, Tod und Trauer auch aushalten zu können.

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