Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Der Norden Antisemitismus-Vorwürfe gegen Veranstaltung zu Nahostkonflikt in Göttingen
Nachrichten Der Norden Antisemitismus-Vorwürfe gegen Veranstaltung zu Nahostkonflikt in Göttingen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:14 11.11.2019
Steht in der Kritik: Eine Veranstaltung, die am Montag im Gemeindesaal der Göttinger St.-Jacobi-Kirche (Bild) stattfinden soll. Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

Der als Referent eingeladene Historiker Reiner Bernstein sei Unterstützer von „Boycott, Divestment and Sanctions“ (BDS), erklärte das Bündnis „Jachad“ in einem am Montag bekanntgewordenen Offenen Brief. Dabei handele es sich um eine politische Kampagne, die den Staat Israel wirtschaftlich, kulturell und politisch isolieren wolle, um ihre 2005 beschlossenen Ziele durchzusetzen: Israel müsse unter anderem die Besetzung „allen arabischen Landes“ beenden und das Recht der palästinensischen Flüchtlinge auf Rückkehr in ihre Heimat anerkennen.

„Israelfeindliche Ausrichtung“

BDS hat eine grundsätzlich israelfeindliche Ausrichtung“, hieß es weiter. Bernstein sei sich „nicht zu schade, BDS in jeder Hinsicht zu verteidigen und sich ihren Aktionen anzuschließen bzw. diese gutzuheißen.“ Dem Bündnis gehören nach eigenen Angaben unter anderem auch der Fachschaftsrat der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen und die Hochschulgruppe der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Göttingen an.

Steht in der Kritik: Eine Veranstaltung, die am Montag im Gemeindesaal der Göttinger St.-Jacobi-Kirche (Bild) stattfinden soll. Quelle: Christina Hinzmann

Vor nicht einmal einem Monat habe „Jachad“ in Göttingen eine Kundgebung in Gedenken an den Anschlag auf die Synagoge und die Opfer von Halle organisiert, hieß es weiter. Hunderte Göttinger hätten dabei ihre Solidarität mit den jüdischen Gemeinden in Deutschland gezeigt. „Doch nun scheint es schon wieder vorbei zu sein mit der Solidarität, die gerade auch im Alltag gezeigt und gelebt werden muss“, erklärte „Jachad“: „Es wird Zeit, dass eine aktive Zivilgesellschaft Taten folgen lässt und keiner Art von Antisemitismus eine Bühne bietet.“

Pastor weist Vorwürfe zurück

Der Göttinger Ruhestandspastor Ulrich Kusche von der Arbeitsgemeinschaft Friedensdekade wies die Vorwürfe zurück. Im August habe das Landgericht Stuttgart der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in der baden-württembergischen Landeshauptstadt untersagt die Behauptung zu wiederholen, Bernstein sei ein Unterstützer der BDS-Bewegung. Ebenfalls im August hätten mehr als 125 Mitglieder verschiedener wissenschaftlichen und kirchlicher Institutionen in Deutschland ihre Solidarität mit Bernstein erklärt.

Göttingen erlebe einen weiteren Versuch, Menschen wahrheitswidrig unter Antisemitismusverdacht zu stellen, die sich für Frieden und Verständigung engagierten, sagte Kusche. Jeder mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt Vertraute wisse, dass Bernstein sich über Jahrzehnte für den einzigen gemeinsamen Friedensvorschlag von Palästinensern und Israelis nach dem Oslo-Abkommen eingesetzt habe - die Genfer Initiative.

Bernstein war von 1971 bis 1977 Leiter des Bundesgeschäftsstelle der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Bonn. Wegen Differenzen um die Legitimität einer Kritik an der israelischen Politik schied der dort aus und gründete mit anderen den „Deutsch-israelischen Arbeitskreis für Frieden im Nahen Osten“. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher und Aufsätze zum Judentum und zum Nahostkonflikt.

Lesen Sie auch

Von RND/epd

Der Göttinger Stadtrat soll die Blockade einer Lesung des früheren Bundesministers Thomas de Maizière (CDU) verurteilen. Das fordern die meisten der im Stadtrat vertretenen Parteien. Linke Demonstranten hatten die Lesung Ende Oktober gestoppt.

11.11.2019

Ein Haus in Papenburg steht in Flammen, fünf Menschen müssen gerettet werden. Sie sind nur leicht verletzt. Die Ursache des Feuers ist noch unbekannt.

11.11.2019

Im niedersächsischen Nordenham haben Passanten die Leiche eines 50-jährigen Mannes im Wasser eines Grabens gefunden. Angaben zur Todesursache konnten bislang noch nicht gemacht werden.

10.11.2019