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Der Norden „Damit muss Schluss sein“: Schäuble reagiert auf Morddrohung gegen Starpianist Igor Levit
Nachrichten Der Norden „Damit muss Schluss sein“: Schäuble reagiert auf Morddrohung gegen Starpianist Igor Levit
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19:38 29.12.2019
„Judenhass energisch entgegentreten“: Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU). Quelle: ap
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Hannover

Eine Morddrohung und judenfeindliche Äußerungen gegen den deutsch-russischen Starpianisten Igor Levit haben besorgte Reaktionen in Berlin und Hannover ausgelöst. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) rief Bürgerinnen und Bürger in Deutschland dazu auf, dem Antisemitismus Einhalt zu gebieten. „Wir müssen wachsam sein“, forderte auch Michael Fürst, Vorsitzender des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, im Gespräch mit der HAZ.

NDR Funkhaus: Hier tritt der Pianist Igor Levit im März 2020 wieder auf. Quelle: Katrin Kutter

In Hannover keine Drohungen

Der weltberühmte Pianist Igor Levit stammt aus einer jüdischen Familie. Er hat seine Klavierausbildung an der Musikhochschule Hannover erhalten, an der er seit diesem Semester selbst als Professor tätig ist. Als Botschafter unterstützt Levit außerdem die Bewerbung Hannovers um den Titel der Kulturhauptstadt 2025. „Wut und Bürgerpflicht“ hätten ihn veranlasst, seinen Text zu veröffentlichen, sagte Levit am Sonntag der HAZ. In Hannover allerdings habe er keinerlei Drohungen erlebt. Nach Bekanntwerden der Drohungen forderte Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay zu Solidarität mit Igor Levit auf.

Personenschutz für das Konzert

Levit erhielt nach eigenen Angaben Mitte November eine E-Mail, in der ein Mordanschlag bei einem konkreten Konzert in einer Stadt in Süddeutschland angedroht wurde. Nach Angaben seiner Sprecherin schaltete der Pianist die Polizei ein. Das Konzert spielte er trotzdem, es gab Personenschutz und aufwendige Sicherheitsmaßnahmen.

„Ich habe Angst um dieses Land“

„Habe ich Angst? Ja, aber nicht um mich“, schreibt Levit in dem Zeitungsbeitrag. „Nicht um mich, sondern um dieses Land. Mein Land. Unser Land.“ Menschen würden mit Worten drangsaliert und erschossen. „Erst die Sprache, dann die Tat. Und aus den Echokammern des Netzes brandet Beifall auf. Völkischer Hass nimmt alles ins Visier, was ihm nicht passt.“

Appell der jüdischen Gemeinde

Dass ein so renommierter, weltbekannter Künstler wie Igor Levit bedroht worden sei, sei „alarmierend und erschreckend“, sagte Michael Fürst vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen. „Es hat in letzter Zeit tatsächlich eine Verschiebung der Normen und Werte gegeben und eine Verschärfung des Antisemitismus, aber nicht nur bei uns, sondern weltweit“, sagte Fürst und nannte als jüngstes Beispiel den Messerangriff auf jüdische Gläubige bei einer Chanukka-Feier im US-Bundesstaat New York.

Fürst konstatierte, man stehe zwar in Deutschland noch nicht vor Zeiten wie 1933 und vor dem Beginn der Hitler-Diktatur. Es sei aber gut, dass die Behörden „jetzt endlich aufgewacht sind und noch schärfer die rechtsextreme Szene in Deutschland durchleuchten“. Den Feinden des Liberalismus und der Demokratie müsse man Paroli bieten.

Schäubles Mahnung

Bundestagspräsident Schäuble sagte dem „Tagesspiegel“ anlässlich der Drohungen gegen Levit: „Wir Demokraten sind gefordert: Jeder und jede sollte jedem Anflug von Judenhass zu jeder Zeit energisch entgegentreten.“ Jeder neue Fall von Antisemitismus zeuge von neuer Dringlichkeit. „Damit muss Schluss sein, erst recht 2020, in dem sich die Befreiung von Auschwitz zum 75. mal jährt.“

Levit selbst schrieb, Rassismus, Antisemitismus und rechtsextremer Terror würden in Deutschland immer noch systematisch unterschätzt. Es gehe längst nicht um Einzelfälle. Der 1987 im russischen Nischni Nowgorod geborene Künstler gilt als einer der bedeutendsten Pianisten seiner Generation. Zuletzt hat er alle Beethoven-Sonaten eingespielt. Im Laufe seiner Karriere ist er zu einer prominenten politischen Stimme geworden.

Am Mittwoch, 11. März, tritt Igor Levit in Hannover beim Pro-Musica-Konzert im Großen Sendesaal des NDR auf.

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Von Ronald Meyer-Arlt und Michael B. Berger

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