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Der Norden Alle Kinder können ab dem 22. Juni wieder in die Kita zurückkehren
Nachrichten Der Norden Alle Kinder können ab dem 22. Juni wieder in die Kita zurückkehren
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17:32 09.06.2020
„Mit dem eingeschränkten Betrieb können wir Familien spürbar entlasten“: Kultusminister Grant Hendrik Tonne. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Niedersachsen öffnet ab dem 22. Juni wieder alle Kitas. Die im Zuge der Corona-Krise eingeführte Notbetreuung endet damit. „Es wird aber kein Regelbetrieb sein wie vor Corona“, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Dienstag. Beschränkungen im Angebot der jeweiligen Einrichtungen seien weiter möglich, wenn es an Personal fehle. Das Durchmischen von Gruppen sei weiterhin nicht möglich. Damit gebe es dann „das Maximum an Kinderbetreuung unter Corona-Bedingungen“, sagte der Minister. „Mit dem eingeschränkten Betrieb können wir Familien spürbar entlasten, aber auch Kindern ein gutes Angebot machen.“ Das sei das Ergebnis der „guten Gespräche“ mit den Kommunen und Trägern.

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Einrichtungen können noch nicht „auf Volllast fahren“

Tonne sprach von einer besonderen Situation. Ob man sein Kind in die Kita geben könne, sei eine Frage, die viele Leute betreffe. Die Einrichtungen könnten nicht „auf Volllast fahren“ wie vor der Krise. Mit dem 22. Juni sei man der Bitte um ausreichenden Vorlauf nachgekommen. Es werde weiter Einschränkungen im zeitlichen Umfang und in der Qualität geben. „Das ist die maximal beste Lösung, die wir herausholen können.“

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Das Entscheidende sei, dass nach der Verordnung die Kitas nicht mehr geschlossen seien. „Wir haben dann einen Kurswechsel“. Es sei die klare Botschaft, dass es wieder ein Angebot für alle Kinder geben solle. Das werde aber nicht am 22. überall umgesetzt werden können.

Kitas könnten nicht sagen, dass ein Kind nicht kommen kann

Den Rahmen gebe die Verordnung vor, sagte Tonne. Was vor Ort umgesetzt werde, sei flexibel. Etwa, wenn es wegen der Risikogruppen an Personal fehle. Vom 22. Juni an soll es für alle Eltern möglich sein, ihre Kinder wieder zur Kita zu bringen, betonte Tonne noch einmal. Es werde aber vielleicht zeitliche Einschränkungen bei den Öffnungszeiten geben. Aber die Kitas könnten nicht sagen, dass ein Kind nicht kommen kann.

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„Es geht nicht durch Schalterumlegen von eins auf zwei“, sagte Tonne. Man werde in den nächsten Tagen erklären müssen, was möglich sei und was nicht. Er bitte um Nachsicht, wenn morgen noch nicht alle Informationen bei den Betroffenen angekommen sein, sagte Tonne.

Leichter Anstieg bei Neuinfektionen

Unterdessen zeigt sich „ein ganz leichter Anstieg von Neuinfektionen“, sagte die stellvertretende Leiterin des Corona-Krisenstabes, Claudia Schröder, am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Danach haben sich bisher insgesamt 12.581 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, 32 mehr als am Vortag. sagte Schröder. Kein großes Ausmaß, aber man müsse hinschauen. 610 Menschen seien verstorben. 10825 sind wieder genesen, das sind 86 Prozent. 330 Patienten müssen derzeit in Kliniken behandelt werden, 70 auf der Intensivstation, 38 müssen beatmet werden. Die Zahlen seien interessant vor dem Hintergrund der Lockerungen und die damit einhergehenden neuen Regelungen. Kinder seien nicht im Krankenhaus – das sei am Wochenende anders gewesen. Aber die Verweildauer von Kindern in Kliniken ist nach wie vor gering.

Keine weiteren Maßnahmen in Göttingen

In Göttingen seien im Iduna-Hochhaus nach Familienfeiern insgesamt 161 Menschen positiv getestet worden, darunter 65 Jugendliche, sagte Schröder. 20 Kinder aus dem Bereich der Kitas, 15 aus den Grundschulen und 30 aus weiterführenden Schulen seien betroffen. Der Landkreis habe deswegen Schulen geschlossen. Das bleibe auch noch so. Anlass zu weiteren Maßnahmen bestünde derzeit nicht.

118 bestätigte Fälle bei UPS

Bei der Firma UPS in Langenhagen gebe es mittlerweile 118 bestätigte Fälle. Das habe sich nach einer zweiten Testrunde von rund 300 Mitarbeitern ergeben. 145 Ergebnisse stünden noch aus. Ein Schulkind und ein Kita-Kind seien betroffen. „Es kann hier morgen noch mal neue Zahlen geben“, sagte Schröder. In den Schlachthöfen seien inzwischen rund 14.000 Tests durchgeführt worden, sagte Schröder. Es gebe insgesamt 155 positive Fälle: 152 im Kreis Oldenburg, zwei im Kreis Vechta, einen im Kreis Oldenburg. In Vechta seien zudem vier Personen im Umfeld betroffen.

Land fährt neue Teststrategie

Schröder erläuterte zudem noch einmal die neue Teststrategie des Landes, die vor allem für Pflegeeinrichtungen und Kitas gelten soll. Bei einem Ausbruch werde „ringförmig“ um die Einrichtung herum nach weiteren Fällen gesucht. Die Finanzierung sei durch eine neue Bundesverordnung seit heute gesichert. Überall da wo aufgrund von privaten Veranstaltungen oder beruflichen Zusammenhängen Infektionen auftreten, zeige sich eine schnelle Ausbreitung. 

Klare Regeln bei Demos

Schröder sagte, es sei für die Bevölkerung wichtig, klare Regeln zu bekommen und zu erhalten. Nur auf Empfehlungen zu setzen, wie es Thüringen jetzt vorhat, hält sie für falsch. Die Demonstration am Wochenende wie in Hannover mit mehreren Tausend Teilnehmern, bei denen die geltenden Abstandsregeln nicht eingehalten wurden, ist laut Schröder „kein Fehler“ gewesen. Jede Person sei für ihr eigenes Handeln selbst verantwortlich. „Aus eigenem Interesse sollte sich jeder an die Abstandsregeln halten“, sagte Schröder.

„Wir haben das Versammlungsrecht nicht als Grundrecht unterbunden“, sagte Schröder. Es könnten aber Auflagen gemacht und von den Ordnungskräften reagiert werden. Es sei auch bei 8000 Menschen möglich, Mund- und Nasenschutz zu tragen und Abstände einzuhalten. Es sei im Interesse aller, sich keine Infektionsgefahr auszusetzen und auch andere nicht zu gefährden. Schröder warnte davor, die Corona-Regeln nicht mehr ernst zu nehmen.

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Von Marco Seng und Frank Winternheimer

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