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Was macht eigentlich ein Kriminalhauptkommissar?

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04:55 07.12.2021
Spurensicherung, Tatortarbeit, Informationsauswertung: Das alles kann zum Job-Alltag gehören, wenn man wie Daniel Kretzschmar als Kriminalhauptkommissar beim Landeskriminalamt tätig ist.
Spurensicherung, Tatortarbeit, Informationsauswertung: Das alles kann zum Job-Alltag gehören, wenn man wie Daniel Kretzschmar als Kriminalhauptkommissar beim Landeskriminalamt tätig ist. Quelle: Zacharie Scheurer/dpa-tmn
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Berlin

Die Kriminalpolizei ermittelt: In der Realität läuft das oft anders als in TV-Serien. Szenen, in denen die Ermittler mit einem schnittigen Auto von A nach B rasen, Zeugen in deren Wohnungen vernehmen sowie in kurzer Zeit den Täter oder die Täterin entlarven, haben nur wenig mit dem Alltag zu tun. Das stellt Daniel Kretzschmar im Jobprotokoll klar. Er ist Kriminalhauptkommissar beim Landeskriminalamt in Berlin und Sprecher des Bunds Deutscher Kriminalbeamter.

Der Weg in den Job

In Berlin ist es möglich, direkt bei der Kriminalpolizei eingestellt zu werden, im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern. Ein Umweg über andere Polizeiaufgaben wäre für mich nicht in Frage gekommen, ich wollte Kriminalpolizist werden. Ich habe im Jahr 1999 erfolgreich an einem mehrstufigen Auswahlverfahren teilgenommen.

Es schloss sich ein dreijähriges Studium an der Hochschule für Verwaltung und Recht in Berlin an. Zu meiner Zeit endete das noch mit einem Diplom (FH), heute ist es ein Bachelor-Studiengang. Danach wurde ich zum Kommissar ernannt, später zum Oberkommissar und zum Hauptkommissar befördert.

Die Aufgaben

Aktuell bin ich in einem Rauschgiftkommissariat tätig und habe koordinierende Aufgaben. Jeden Werktag bekommen wir die Akten über die Feststellungen der Kolleginnen und Kollegen auf der Straße übersandt und treffen dann die nötigen strafprozessualen Maßnahmen. Wir veranlassen beispielsweise, dass Rauschgift kriminaltechnisch untersucht wird.

Wir nehmen eine erste Bestimmung der Stoffart vor und ermitteln die Menge. Wir hören Beschuldigte an, vernehmen Zeugen und veranlassen richterliche Beschlüsse, etwa für Wohnungsdurchsuchungen. Alle Arbeitsschritte sind schriftlich zu dokumentieren und in Akten aufzunehmen. Außerdem kümmere ich mich darum, dass Beweismittel regelkonform in die verschiedenen Asservatenkammern kommen, wenn sie untersucht sind oder nicht untersucht werden müssen.

Der Job-Alltag

Den Alltag, der für alle Ermittlerinnen und Ermittler gleich ist, gibt es nicht. Grundsätzlich sind für alle sehr vielfältige Aufgabenbereiche der Kriminalpolizei vorgesehen. Wir ermitteln in sämtlichen Bereichen, dazu gehören etwa Betrug, Sexualdelikte, Raub, Einbruch, Rauschgift, Staatsschutz oder Tötungen. Wir sind mit der Spurensicherung und Tatortarbeit betraut. Wir müssen Informationen operativ und strategisch auswerten sowie analysieren und polizeiliche Kriminalstatistiken erstellen.

Welche Klischees mir immer wieder begegnen

Nur in wenigen Bereichen ist bei der kriminalpolizeilichen Tätigkeit Außendienst gefragt. In aller Regel findet der Großteil der Arbeit am Schreibtisch statt. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass sich Kriminalität zunehmend digitalisiert und damit der Tatort Internet an Relevanz gewinnt. Hinzu kommt in diesem Zusammenhang, dass die Auswertungen von Beweismitteln, wie etwa beschlagnahmte Mobiltelefone und andere Endgeräte, bei den Ermittlungen immer mehr Zeit beanspruchen.

Was den Job so spannend macht

Kaum jemand bei der Kriminalpolizei verbringt das gesamte dienstliche Leben in einem Arbeitsbereich. Es ist fast immer möglich, sich neue Herausforderungen zu suchen. Der Beruf bei der Kriminalpolizei und auch bei der Polizei insgesamt vereint viele verschiedene, tolle Aufgaben. Es wird also nie langweilig, und es gibt immer wieder etwas zu lernen.

Die Herausforderungen und Schattenseiten des Berufs

Die Kriminalpolizei hat oftmals mit den Abgründen dieser Welt zu tun. Drogenmissbrauch zum Beispiel. Und bei Tötungsdelikten ist der Umgang mit Angehörigen, die gleichzeitig Trauernde und Tatverdächtige sein können, nicht immer ganz einfach. Dies kann auch in der öffentlichen Wahrnehmung zuweilen für Irritationen sorgen.

Oder das Beispiel Abbildung von Kindesmissbrauch: Meine Kolleginnen und Kollegen müssen sich diese furchtbaren Bilder zum Teil den ganzen Tag, die ganze Woche, den ganzen Monat, das ganze Jahr lang immer und immer wieder anschauen. Das ist eine Aufgabe, die ich mir persönlich nur sehr schwer vorstellen kann. Jeder sollte dabei aufpassen, dass die Seele intakt bleibt und die Professionalität gegenüber Beschuldigten nicht verloren geht.

Vorteile und Wünsche

Ein großer Vorteil ist die Verbeamtung auf Lebenszeit, die eine gewisse Sicherheit bietet. Das gilt derzeit auch noch für die Pensionen. Der Preis dafür ist die Dienstpflicht, die beispielsweise Streiks ausschließt.

Wenn ich für den Job einen Wunsch frei hätte, dann wären das sanierte Gebäude, moderne Arbeitsformen und -umgebungen und eine immer aktuell gehaltene IT-Ausstattung. Polizeibeschäftigte müssen gern zur Arbeit kommen und sollten beim Betreten einiger Dienstgebäude nicht das Gefühl haben, eine Zeitreise anzutreten.

© dpa-infocom, dpa:211206-99-277696/2

dpa