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Aktuelles Was tun gegen den Frauenmangel am Dirigentenpult?
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11:55 02.01.2020
Nicolas Pasquet, Professor für Orchesterdirigieren an der Hochschule für Musik «Franz Liszt» in Weimar, lehnt eine Frauenquote bei der Besetzung von Dirigentenstellen ab. Quelle: Guido Werner/Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar/dpa
Weimar

Frauen sind längst nicht nur in technischen Berufen oft in der Minderheit, auch Orchesterleitung ist meist Männersache. Andere Länder seien da deutlich weiter, sagte der Weimarer Professor für Orchesterdirigieren, Nicolás Pasquet, im Interview.

Er sieht vor allem Schulen und Musikschulen in der Verantwortung, bei Mädchen stärker auf Begabungen fürs Dirigieren zu achten und diese zu fördern.

Das Theater Altenburg-Gera sucht gerade einen neuen Generalmusikdirektor. Unter den mehr als 100 Bewerbern waren nur drei Frauen. Warum gibt es so wenig Frauen am Dirigentenpult?

Nicolás Pasquet: Den Beruf der Dirigentin gibt es noch nicht sehr lange. Diese Aufgabe war traditionell eine Männerdomäne. Das ändert sich gerade und es gibt inzwischen hoch angesehene Dirigentinnen, denken Sie an Simone Young und Joana Mallwitz. Deutschland hat aber den Anschluss verpasst und hängt anderen Länder wie Finnland weit hinterher. Das liegt wahrscheinlich am Konservatismus hierzulande. Ich bin aber optimistisch, dass sich in diesem Bereich einiges zugunsten der Frauen ändert.

An den Zahlen Ihrer Hochschule lässt sich das noch nicht ablesen. 27 Studenten sind im Fach Orchesterdirigieren eingeschrieben, davon nur eine Frau.

Pasquet: Wir streben an, viele Dirigentinnen in Weimar zu haben. Aber die Aufnahmeprüfungen laufen so, dass nur die Besten einen Studienplatz bekommen. Beim letzten Mal war keine Frau gut genug für die Aufnahme. Mir blutet da das Herz, aber bei der Prüfung sind wir gleich streng zu Frauen und Männern. Das sind wir den jungen Menschen schuldig, immerhin vertrauen sie uns die besten Jahre ihres Lebens an. Und wir wollen sie so fördern, dass sie in ihrem Beruf erfolgreich sind. Dass uns das gelingt, zeigt sich auch an erfolgreichen Absolventinnen wie Marie Jacquot, die seit Kurzem Kapellmeisterin an der Deutschen Oper am Rhein ist.

Das heißt, schon lange vor dem Gang an die Hochschulen müssen Frauen stärker für das Dirigieren begeistert werden?

Pasquet: Es ist zweifellos so, dass sich mehr Männer als Frauen für diesen Beruf interessieren: Nur etwa zehn Prozent der Bewerber für einen solchen Studienplatz bei uns sind weiblich. Dabei haben wir im Musikalischen sonst einen hohen Frauenanteil. Im Hochschulorchester haben wir zum Beispiel bei den Geigen etwa 80 Prozent Frauen. Fürs Dirigieren braucht es Mut und ausgeprägten Führungswillen, sich vor ein Orchester zu stellen und sich bei 100 erstklassig ausgebildeten Musikern durchzusetzen. Es ist schon einmal gut, dass es heute für junge Mädchen weibliche Vorbilder am Dirigentenpult gibt, die mit Kraft ihr Können beweisen. Das kann ein Ansporn sein, diese Berufung für sich zu entdecken. Letztlich gehört aber auch Begabung dazu.

Wie können solche Begabungen bei Mädchen besser gefördert werden? Braucht es Quoten an den Hochschulen, um die Männerdomäne zu brechen?

Pasquet: Eine Quote fände ich diskriminierend. Letztlich müssen die Begabungen lange vor der Aufnahmeprüfung an der Hochschule entdeckt und gefördert werden. Hier haben die Schulen und Musikschulen eine große Verantwortung. Die Lehrer dort müssen mehr sensibilisiert werden, auch bei Mädchen stärker Begabungen fürs Dirigieren in den Blick zu nehmen. Schnupperkurse fände ich auch eine gute Idee, um solche Begabungen zu entdecken. Leider gibt es ansonsten bisher kaum konkrete Programme.

- Zur Person: Nicolás Pasquet ist seit 1994 Professor für Orchesterdirigieren an der Hochschule für Musik "Franz Liszt" in Weimar und Chefdirigent des Hochschulorchesters. Er wurde 1958 in Montevideo in Uruguay geboren und studierte dort Violine und Orchesterleitung; später setzte er seine Studien in Stuttgart und Nürnberg fort. Neben seiner Lehrtätigkeit arbeitet er als freischaffender Konzertdirigent.

dpa

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