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Gesundheit Nach SUV-Unfall in Berlin: Dürfen Menschen mit Epilepsie Auto fahren?
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15:00 11.09.2019
Ein zerstörter SUV wird auf einen Abschleppwagen gehoben. Quelle: Paul Zinken/dpa
Berlin

Nach einem schweren Unfall mit vier Toten in Berlin gibt es Hinweise auf einen möglichen medizinischen Notfall des Fahrers. Der 42-jährige Mann könnte nach ersten Erkenntnissen einen epileptischen Anfall am Steuer erlitten haben. Zwar sind epileptische Anfälle eher selten die Ursache für Verkehrsunfälle, doch besteht das Problem, dass ein epileptischer Anfall unmittelbar erfolgt, wodurch Beifahrern meist keine Zeit zum Eingreifen bleibt.

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Autofahren mit Epilepsie: Diese Richtlininen gelten

Für Epilepsie-Patienten hat die Bundesanstalt für Straßenwesen 2009 feste Richtlinien aufgestellt. Dazu gehören:

  • Fahrschule: Nach Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen fragen viele Straßenverkehrsbehörden im Antragsformular für einen Führerschein nach chronischen Krankheiten. Epileptiker sollten wahrheitsgemäß antworten und am besten ein Attest eines Facharztes beilegen. Die Behörden entscheiden dann, ob ein weiteres Gutachten erforderlich ist.
  • Erster Anfall: Nach einem ersten epileptischen Anfall muss ein Arzt feststellen, ob es ein Gelegenheitsanfall war oder ob es sich um eine beginnende Epilepsie handelt.
  • Anfälle ohne Anzeichen für beginnende Epilepsie: Bei einem ersten Anfall mit einem konkreten Auslöser - wie beispielsweise ausgeprägtem Schlafentzug - wird der Führerschein für mindestens drei Monate entzogen. Wenn es für den Anfall keinen solchen vermeidbaren Auslöser gibt, aber auch keine Anzeichen für Epilepsie vorliegen, wird die Fahrerlaubnis für mindestens sechs Monate entzogen.
  • Epilepsie: In der Regel dürfen Epileptiker nicht am Steuer eines Autos sitzen. Ausnahmen: mindestens ein Jahr ohne Anfall, auch bei Medikamenteneinnahme - und keine Nebenwirkungen von Therapien, die Probleme beim Fahren machen könnten. Wenn die Anfälle nur im Schlaf auftreten oder keine Einschränkungen für das Autofahren mit sich bringen, kann eine Fahrerlaubnis erteilt werden - allerdings erst nach einer längeren Beobachtungszeit.

Autofahren mit Epilepsie - diese genauen Einschränkungen gibt es

Die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie informiert auf ihrer Webseite genau darüber, wie etwa zwischen den einzelnen Epilepsieformen, den Fahrzeugtyp und der Behandlung mit Medikamenten unterschieden wird.

Demnach werden die Fahrzeugtypen in zwei Gruppen unterteilt: Gruppe eins umfasst die Führerscheinklassen A, A1, B, BE, M, L und T, also Krafträder und Pkw bis 3,5 Tonnen. Gruppe zwei setzt sich aus den Führerscheinklassen C, C1, CE, C1E, D, D1, DE und D1E zusammen, also Kraftfahrzeugen ab 3,5 Tonnen und Busse.

Wer privat mit dem Auto fährt und mindestens zwei spontane Anfälle gehabt hat, muss mindestens ein Jahr anfallsfrei sein, bevor er sich wieder hinters Steuer setzen darf. Zwei Jahre Anfallsfreiheit gelten bei "therapieresistenten Epileptikern", bei denen es mehrere Jahre gedauert hat und verschiedene Medikamente nötig waren, bis sie anfallsfrei wurden.

Für die zweite Fahrzeuggruppe herrschen strengere Regeln. Hier gilt prinzipiell ein lebenslanges Fahrverbot für Epileptiker. Das heißt, sie dürfen beispielsweise auch nicht als Taxi-, Bus- oder Krankenwagenfahrer arbeiten. Es gebe allerdings einige Ausnahmen, zum Beispiel wenn jemand fünf Jahre und zwar ohne Medikamente anfallsfrei bleibt, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie.

Was ist Epilepsie?

Epilepsien zählen zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Laut der Deutschen Epilepsievereinigung sind bundesweit rund 500.000 Menschen davon betroffen. Etwa 38.000 Neuerkrankungen kommen jährlich dazu. Epilepsie kann durch genetische Defekte vererbt werden oder Symptom einer akuten Gehirnerkrankung sein. Sie basieren auf Fehlfunktionen des Nervengewebes in bestimmten Hirnregionen: Blitzartig können sich elektrische Impulse entladen. Bei einem epileptischen Anfall kann es neben einer kurzen Bewusstseinsveränderung zu Zuckungen, Verspannungen oder Krampfanfällen des Körpers kommen.

RND/dpa/pf

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