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Bauen & Wohnen Unkraut mit heilender Wirkung
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11:32 23.09.2019
Wildkräuter tragen den Namen Unkraut zu Unrecht. Quelle: Pixabay (Symbolbild)

Wer hätte es gedacht? Manches ungeliete Grünzeug im Garten entpuppt sich sogar als anerkannte Arzneipflanze. Tobias Niedenthal von der Forschergruppe Klostermedizin der Universität Würzburg erklärt, was in vermeintlichem Unkraut alles steckt. Einige Beispiele ...

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Spitzwegerich

Der Spitzwegerich findet sich häufig am Wegesrand, woher er auch seinen Namen hat. Diese Pflanze hat nicht nur eine entzündungshemmende Wirkung, sie ist essbar und erinnert geschmacklich an Pilze.

Ob am Wegrand oder auf Wiesen: Die unscheinbare Pflanze mit den schmalen, spitzen Blättern und den weißen Blüten wächst fast überall. Sie ist sowohl in der Hausapotheke als auch in der Küche einsetzbar. So werden die Blätter bei Insektenstichen und zur Wundversorgung verwendet. Dazu kaut man die Blätter kurz und legt sie auf die Haut. "Die Inhaltsstoffe Aucubin und Catalpol haben eine antibakterielle Wirkung, die bei äußerlicher Anwendung der frischen Blätter genutzt werden kann", sagt Tobias Niedenthal. Zudem enthält die Arzneipflanze des Jahres 2014 unter anderem reichlich Schleimstoffe, die – als Tee oder Saft – Schleimhautreizungen in Mund und Rachen sowie Reizhusten lindern. Alle Teile der Pflanze sind essbar. Junge Blätter eignen sich als Salatzutat.

Vogelmiere

Statt Vogelmiere (Stellaria media) als "Unkraut" zu betrachten, aus dem Beet zu hacken und wegzuwerfen, sollte man es ernten und verspeisen. Man kann die Pflanze in Salaten, Suppen und Kräuterquark verwenden. Quelle: Catrin Steinbach/dpa

Gartenbesitzer kennen das Pflänzchen mit den kleinen weißen Blütensternen meist nur als Unkraut. Dabei ist das Gewächs vor allem als Vitamin-C- und Mineralstoff-Lieferant wertvoll: Vogelmiere ist eine wohlschmeckende Zutat in Salaten, Suppen oder Quark. Zu viel sollte man aber wegen der enthaltenen Saponine nicht verzehren, warnt Niedenthal. In großen Dosen können diese sekundären Pflanzenstoffe zu Übelkeit führen. Früher wurde das Kraut auch als Heilpflanze verwendet, insbesondere äußerlich bei schlecht heilenden Wunden oder Ausschlägen. "In der modernen Medizin wird sie aber nicht eingesetzt", sagt der Kräuterexperte.

Gänsefingerkraut

Gänsefingerkraut kann man an den gefiederten Blättern und der leuchtend gelben Blüte mit den fünf Blütenblättern gut erkennen. Quelle: Pixabay (Symbolbild)

Die verbreitete Pflanze kann man an den gefiederten Blättern und der leuchtend gelben Blüte mit den fünf Blütenblättern gut erkennen. Gänsefingerkraut ist eine traditionelle Arzneipflanze, deren Wirksamkeit bei leichtem Durchfall und Menstruationsbeschwerden durch neuere Untersuchungen bestätigt wurde. "Wie viele Rosengewächse enthält Gänsefingerkraut als wirksamkeitsmitbestimmende Inhaltsstoffe vor allem Gerbstoffe, die zusammenziehend wirken", sagt Niedenthal. Aus Blättern und Blüten kann man einen Bauchweh-Tee kochen. Er lässt sich auch gurgeln: Das hilft bei leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhäute. Außerdem kann man die Pflanze essen – zum Beispiel als Salat- und Suppenbeigabe.

Löwenzahn

Löwenzahn ist eine wertvolle, gesunde Pflanze, die jeden Salat aufwertet.

"Manchmal sind es ganz gewöhnliche Pflanzen, die besonders interessante Inhaltsstoffe haben", sagt Niedenthal und meint dabei den allgegenwärtigen Löwenzahn. Er ist eine vielseitige und zudem schmackhafte Arzneipflanze. In Kraut und Wurzel stecken neben diversen Vitaminen, Mineralstoffen und Aminosäuren viele Bitterstoffe, die den Stoffwechsel ankurbeln und Verdauungsbeschwerden lindern. Außerdem wirkt Löwenzahn harntreibend und ist daher unter anderem ein Hausmittel gegen Blasenentzündungen. So erklärt sich sein Beiname "Bettnässer". Ansonsten lassen sich alle Teile der Pflanze in der Küche verwenden: Zum Beispiel kann man aus jungen Blättern einen vitaminreichen Salat oder aus den Wurzeln Kaffeeersatz machen.

Giersch

Giersch ist unter den Hobbygärtner verhasst, da er sich schnell ausbreitet. Quelle: dpa

Kaum ein Gewächs ist unter Gärtnern so verhasst wie der Giersch, weil er hartnäckig wuchert. Statt in der Biotonne sollte er aber besser im Kochtopf landen: "Aufgrund seines hohen Gehalts an Vitamin C und verschiedener Mineralien kann der Giersch die Küche in Form von Salaten und Gemüse bereichern", sagt Niedenthal. Beim Sammeln in freier Natur sollte man sich aber gut auskennen: "Giersch kann man leicht mit anderen Doldenblütlern wie dem giftigen Gefleckten Schierling verwechseln“, warnt der Experte. Ein gutes Erkennungsmerkmal des Gierschs sei sein dreikantiger Blattstiel. Früher wurde die Pflanze bei Gicht und rheumatischen Beschwerden angewandt. "Diese Einsatzgebiete sind wissenschaftlich aber nicht belegt", erklärt Niedenthal.

Hirtentäschel

Die Blüten, Blätter und Früchte des Hirtentäschels enthalten unter anderem sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide und Phenolkarbonsäuren. Quelle: dpa

Schön ist sie nicht gerade, aber nützlich: Die bis zu 50 Zentimeter hohe Pflanze mit den unauffälligen weißen Blüten erkennt man leicht an ihren herzförmigen Früchten, die einst an die Umhängetaschen von Hirten erinnerten – daher der Name. Blüten, Blätter und Früchte enthalten unter anderem sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide und Phenolkarbonsäuren, die auch einen antioxidativen Effekt haben. Hirtentäschel-Tee oder -Tinktur wirkt vor allem blutstillend. "Das Kraut kann bei starken Menstruationsblutungen eingesetzt werden, wenn ein normaler Zyklus vorliegt und ärztlicherseits eine ernsthafte Erkrankung ausgeschlossen wurde", sagt Niedenthal. Ansonsten macht sich das Kraut als würzige Beigabe gut in Salaten und Gemüsegerichten.

Wiesenschaumkraut

Die jungen Blätter des Wiesenschaumkrauts eignen sich mit ihrem kresseartigen Geschmack gut als Salatzutat. Quelle: Stiftung Naturschutz Hamburg

Die Blümchen mit den zart violetten Blüten, die massenhaft auf Wiesen wachsen, haben mehr verdient, als achtlos umgemäht zu werden: Zumindest eignen sich die jungen Blätter mit ihrem kresseartigen Geschmack gut als Salatzutat, die reichlich Vitamin C liefert. Außerdem enthält die Pflanze Senfölglykoside, die keimhemmend wirken, sowie Bitterstoffe, die Stoffwechsel und Verdauung ankurbeln. Früher wurde das Kraut vor allem als Hausmittel gegen Rheuma ausgelobt. "In der modernen Medizin wird es aber nicht verwendet", sagt Niedenthal. Für die Natur ist die Pflanze inzwischen wichtiger denn je: Sie ist unter anderem Futterpflanze des Aurorafalters.

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Von Angela Stoll/RND

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