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Wesendorf Nach Dioxin-Fund im Bio-Fleisch: Hof kämpft um seine Existenz
Gifhorn Wesendorf Nach Dioxin-Fund im Bio-Fleisch: Hof kämpft um seine Existenz
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18:25 03.12.2019
Dioxin im Schweinefleisch: Ein Bio-Betrieb aus dem Gifhorner Nordkreis kann nach umfangreichen Kontrollen und Futterumstellung wieder erste Tiere vermarkten. Quelle: dpa Archiv
Steimke

Die Nachricht traf Rüdiger Korte und seine Frau Nicole Knemeyer aus Steimke im Sommer wie ein Tiefschlag: Mit einem Mal durften sie ihre Schweine nicht mehr verkaufen – weder lebend, noch als Fleisch und Wurst. Bei einer Routine-Kontrolle in Celle hatte ihr Schweinefleisch zu hohe Dioxin-Werte aufgewiesen. Nach umfangreichen Untersuchungen und Besuchen durch das Gifhorner Veterinäramt hoffen sie, langsam zum Alltag zurück zu kehren. Es gibt wohl erste positive Anzeichen.

„Unser Schweinebestand ist mit einem Mal wertlos geworden“, sagt Korte. „Wir durften nichts von den eigenen Schweinen vermarkten. Wir durften auch keine lebenden Tiere vermarkten, auch keine Ferkel.“ Es blieb ihnen noch das Geschäft mit Schafen und Rindern, bei denen es keine auffälligen Dioxin-Werte gab.

So reagierten die Kunden

„Mit den Kunden ist es super gelaufen“, sagt Korte über das Feedback. „Einzelne Kunden blieben weg, weil sie bei uns nicht mehr das volle Sortiment bekamen.“ Doch sie werden künftig wohl wieder Schweinefleisch vom Hof Rotdorn beziehen können.

Darum sind jetzt zwei Schweine „sauber“

Denn zwei Tiere einer Gruppe aus sechs Schweinen seien im Oktober und November geschlachtet worden – und die Dioxin-Proben hätten Werte unter der Grenze ergeben. Das kommt nicht von ungefähr. Nachdem das Veterinäramt laut Korte zahlreiche Proben von Schweinen und Schafen genommen, umfangreiche Boden- und Futtermitteluntersuchungen vorgenommen hat, stellte sich heraus, dass in der oberen Erdschicht „eine allgemeine Umweltbelastung“ bestand. Und Korte und Knemeyer stellten die Ernährung der Schweine um.

„Wir haben sie anders gemästet“, erläutert Korte. Das Biobauern-Paar hat die Getreide- und Eiweißrationen erhöht. Allerdings Zähne knirschend, denn ihre angestammte Fütterung über Silage und Gras halten sie für artgerechter.

Widerspruch bei artgerechter Tierhaltung

„Wir haben für artgerechte Tierhaltung viel getan und werden von anderer Seite gekniffen.“ Denn der Freilauf bringe es mit sich, dass die Schweine zum Beispiel mehr Umweltgifte wie Dioxine aufnehmen könnten. Außerdem versteht Korte die Grenzwert-Regelung nicht. Wären die Werte, die seine Schweine aufwiesen, bei den Rindern festgestellt worden, „hätte ich das selbst gar nicht erfahren“ – weil die Grenzwerte für Rinder ihm zufolge höher liegen. Und Wildschweine weisen laut Korte weitaus höhere Werte als seine Hausschweine auf. Für den Biobauern steht fest: Diese Grenzwert-Regelung bei Hausschweinen widerspreche artgerechter Außenhaltung.

Paten für unverkäufliche Schweine gesucht

Voraussichtlich 19 alte Schweine werde er nur noch als Zootiere halten können. „Wir suchen Paten für sie. Auf Dauer können wir das nicht stemmen.“ Jene Ferkel, für die ein Verkaufsverbot besteht, werde er im kommenden Jahr schlachten lassen. Seine Hoffnung: Sollten die Proben ebenfalls Dioxin-Werte unter der Grenze aufweisen, könne er sie wieder als Fleisch und Wurst vermarkten. Er sei da optimistisch.

Landkreis wartet noch auf letzte Ergebnisse

Der Landkreis Gifhorn wollte sich auf AZ-Anfrage noch nicht zum neusten Sachstand äußern. „In der Zwischenzeit hat sich herausgestellt, dass die letzten Ergebnisse in diesem Fall Mitte Dezember vorliegen sollten“, hieß es von der Verwaltung.

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Von Dirk Reitmeister

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