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Wesendorf Dagmar Gentner zieht ins Kloster Isenhagen
Gifhorn Wesendorf Dagmar Gentner zieht ins Kloster Isenhagen
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15:27 25.04.2018
Besonderer Ruhestand: Dagmar Gentner in der Klosterkirche des evangelischen Frauenklosters Isenhagen.
Besonderer Ruhestand: Dagmar Gentner in der Klosterkirche des evangelischen Frauenklosters Isenhagen. Quelle: epd
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Hankensbüttel

Die Holzdielen knarren, als Dagmar Gentner den Flur im ersten Stock des evangelischen Frauenklosters Isenhagen entlang geht. In Nischen und an den Wänden stehen Schränke und Truhen, die Bewohnerinnen in vergangenen Jahrhunderten zurückgelassen haben. „Ich war schon bei meinem ersten Besuch hier wie verzaubert“, sagt sie. „Es ist wie in einer anderen Welt, jedes Detail, jeder Stein erzählt Geschichten.“ Seit Januar lebt die 66-Jährige in dem Kloster. Für ihren Ruhestand hat sie ein besonderes Lebensmodell gewählt. Nach einer Probezeit will sie der Gemeinschaft von derzeit fünf Klosterdamen beitreten.

Nirgendwo in Deutschland ist die Tradition der evangelischen Klöster lebendiger als in Niedersachsen. 15 von ehemals mehr als 200 Frauenklöstern im Land betreut heute die Klosterkammer Hannover. „Das Besondere daran ist, dass sie alle noch belebt sind und es über die Jahrhunderte hinweg auch immer waren“, sagt Kammerpräsident Hans-Christian Biallas.

1265 wurde Isenhagen zum Nonnenkloster und 1540 zu einem evangelischen Damenstift. Bei Führungen zeigen Äbtissin Susanne Jäger und die Klosterdamen den Besuchern auch, wie dort früher die Frauen lebten. „Vor der Reformation war es noch enger, danach wurden zwei Räume zu einem gemacht“, sagt sie. Komfortabel seien die nur durch Holzwände getrennten Stuben trotzdem nicht gewesen, erläutert Jäger lachend. „Wenn hinten eine Frau geschnarcht hat, hat es die ganz vorne auch gehört.“

Heute leben im Kloster Frauen in jeweils eigenen Zwei-Zimmer-Wohnungen. Wie Dagmar Gentner suchen sie oft nach dem Berufs- und Familienleben eine neue Aufgabe. Lange Zeit hat die studierte Möbeldesignerin und Innenarchitektin in Braunschweig einen eigenen Laden für Lichtplanung geführt. Etwas Sinnvolles zu tun, sei ihr wichtig, sagt sie. Im Kloster haben die Frauen auch Pflichten wie Besucherführungen, die Pflege des Gartens oder die Betreuung des Archivs. „Wir können dazu beitragen, alles hier auch in seiner Bestimmung zu erhalten.“

Mit dem mittelalterlichen Bild, das manche im Kopf haben, hat das Klosterleben heute nicht mehr viel zu tun. „Manchmal fragen Schülergruppen, ob wir denn Telefon haben“, sagt Äbtissin Jäger. „Und ich antworte: Ja – und auch einen Laptop und Internet-Anschluss.“

Und doch verbindet sie etwas mit den Nonnen und Stiftsdamen aus alter Zeit. Dagmar Gentner hat vor dem Mittagessen erstmals die tägliche gemeinsame Andacht geleitet. In einer kleinen Kapelle sprechen die Klosterdamen Gebete, lesen Bibelverse und singen. Ganz ähnlich machten es Frauen im Kloster seit vielen Jahrhunderten, sagt Gentner. „Wir sind Mosaiksteinchen in einem großen Ganzen.“

Von epd