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Sassenburg Stüder reisen in die Todeszone von Tschernobyl
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13:25 20.11.2019
Gespenstischer Ort: Familie Weidemann besuchte jetzt Tschernobyl - den Ort der Reaktorkatastrophe von 1986. Quelle: Weidemann
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Stüde/Tschernobyl

Die ganze Weilt hielt den Atem an, als bekannt wurde, dass am 26. April 1986 der Reaktor 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl explodiert ist – es ist der bisher schwerste Unfall in der Geschichte der Kernenergie. Das radioaktive Jod, das durch die Explosion frei gesetzt wurde, verteilte sich durch Luftströmungen über ganz Europa. Diesen Ort des Schreckens kann man nach nunmehr 33 Jahren besuchen. Sieben Stüder, darunter Friedhelm, Erika und Nick Weidemann, nutzten während ihres Aufenthaltes in der Ukraine diese Gelegenheit zu einem Ausflug in die Todeszone.

Kontrolle durch den Staat

Die Planung für diesen ungewöhnlichen Besuch begann bereits Wochen vorher. Verschiedene Unternehmen in Kiew bieten diese Touren an. Die Ausweisdaten müssen schon vorher aus Deutschland übermittelt werden. „Der Staat will wissen, wer so bekloppt ist, in die Todeszone zu reisen. Aber es ist ein geschichtsträchtiger Ort und den gilt es zu besuchen, so unsere einhellige Meinung“, sagt Friedhelm Weidemann. Die zehnstündige Tour beginnt in Kiew, wo der deutschsprachiger Führer Andrej die Reisegruppe abholt. Es geht 110 Kilometer nach Norden entlang des Dnepar in die Nähe der weißrussischen Grenze.

Besucher haben Testgerät am Hals

Für den normalen Menschen endet hier am Checkpoint Dytiaki die Reise, denn hier beginnt die Sperrzone um das Kraftwerk. „Auto und Insassen werden kontrolliert und jeder bekommt ein Testgerät um den Hals, was auch immer das anzeigt“, so Weidemann. In diesem Sperrgebiet liegen 97 Ortschaften, die Städte Tschernobyl (einst 15 000 Einwohner) und Prypjat (einst 50 000 Einwohner). Nach dem Unglück wurden insgesamt 300.000 Menschen evakuiert und kehrten niemals wieder zurück. Alle persönlichen Sachen der Evakuierten wurden später im See versenkt.

Besuch in der Geisterstadt Prypjat

Eine weitere Kontrolle erfolgt in der sogenannten Zehn-Kilometer-Todeszone, in der sich auch die Geisterstadt Prypjat befindet. Seit 1986 ist hier alles unverändert und man sieht an vielen Stellen, dass die Stadt Hals über Kopf verlassen wurde, die Stadt ist ein eingefrorenes Zeitzeugenobjekt, die Bilder sprechen für sich – und eine deutliche Sprache. „Andrej zeigt uns alle interessanten Ecken dieser Stadt.

Bilder aus Tschernobyl

Früher war die Gegend um das Kernkraftwerk Tschernobyl eine aufstrebende Region – bis zur nuklearen Katastrophe 1986. Danach verwandelte sich dieser Teil der Ukraine in eine Todeszone, die inzwischen viele Touristen anlockt. Auch Familie Weidemann aus Stüde hat Tschernobyl einen Besuch abgestattet.

Der Spaziergang geht vorbei an den großen Wohnblocks, Schulen, Kindergärten, dem beeindruckenden Kulturpalast, Kino und Café. Das Sport Stadion ist mit seinen Tribünen noch deutlich zu erkennen, aber der davor befindliche Fußballplatz ist heute ein dichter 20 Meter hoher Wald. Wir laufen durch das Hallenbad, gefährlich sind diese bröckelnden Gebäude mit ihren verfallenen Holzböden, jeder Schritt muss bedacht sein. Berühmt ist auch das große Riesenrad im Vergnügungspark, was sich nie gedreht hat, es sollte im Mai 1986 in Betrieb genommen werden, dazu kam es leider nicht. Es sind verstörende Bilder, die einem einen kalten Schauer über den Rücken laufen lassen. Es ist erstaunlich, wie die Natur mehr und mehr zurückerobert.“

Noch 300 Arbeiter vor Ort

Mittagessen gab es für vier Euro in der Kantine der Wartungsmannschaften, die heute mit 300 Mann in der Sperrzone arbeiten. Nach der Katastrophe wurde der Reaktor zunächst mit einem Beton-Sarkophag überzogen, der aber nach Jahren brüchig wurde. 2017 wurde dann eine neue Stahlhülle, mit 2,5 Milliarden Euro durch die EU finanziert, fertiggestellt und über die Unglücksstelle geschoben. Dieser neue Sarkophag soll nun 100 Jahre halten. Für den Erhalt sind diese 300 Arbeiter, sogenannte Liquidatoren, zuständig.

Geringe Strahlendosis

„Wir können bis auf 250 Meter an diese riesige Halle gehen und Fotos machen, die Geigerzähler schlagen nicht Alarm. Die Strahlendosis während eines Tages in dieser Sperrzone entspricht der Dosis eines Drei-Stunden-Fluges in 10 000 Metern Höhe und liegt deutlich unter den Werten einer Röntgenaufnahme. Am Ende unserer Besichtigungstour werden dennoch Fahrzeuge und Insassen auf mögliche Kontamination geprüft“, so Friedhelm Weidemann.

Tschernobyl: Die Reaktorkatastrophe von 1986

Am 26. April 1986 verwandelte sich die Region rund um die ukrainische Stadt Prypjat zur Todeszone. Dabei sollten die Vorfälle, die zur Katastrophe führten, eigentlich genau diese verhindern. Die Katastrophe war die erste, die auf der siebenstufigen internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse in der höchsten Kategorie eingeordnet wurde.

Einen Tag vor dem Unglück gab es im Kernkraftwerk Tschernobyl eine Simulation für einen vollständigen Stromausfall – um die Sicherheit der Anlage nachzuweisen. Das Gegenteil war der Fall. Sicherheitsvorschriften wurden nicht beachtet, die Leistungen der Reaktoren stiegen an und schließlich kam es in Reaktor 4 zur Explosion und enorme Mengen radioaktiven Materials verseuchten die Gegend.

In der Folge wurde in mehreren Wellen die Region evakuiert, bis das Sperrgebiet schließlich einen Radius von 30 Kilometern umfasste, mehrere Hunderttausend Menschen waren betroffen. Radioaktives Material wurde durch Wind und Wasser in zahlreiche Länder getragen, auch in Deutschland wurde noch viele Jahre nach der Explosion beispielsweise vor dem Verzehr von Waldpilzen gewarnt.

Nach offiziellen Angaben starben rund 50 Menschen an akuter Strahlenkrankheit, bis heute leiden viele Menschen aus der Region unter den gesundheitlichen Folgen wie Krebserkrankungen. Der Reaktor wurde nach 1986 mit einer Hülle aus Stahlbeton abgeschirmt.

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