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Sassenburg Dauerwohnen am Bernsteinsee: Ortsrat befürchtet Zwei-Klassen-Gesellschaft
Gifhorn Sassenburg Dauerwohnen am Bernsteinsee: Ortsrat befürchtet Zwei-Klassen-Gesellschaft
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19:28 12.11.2019
Glückwunsch: André Bischoff (r.) und Dirk Behrens (l.) gratulierten Stüdes neuem Vizeortsbürgermeister Thomas Klopsch zur Wahl. Quelle: Ron Niebuhr
Stüde

Die Bernsteinseesiedlung lässt Politik und Verwaltung in der Gemeinde Sassenburg keine Ruhe. Nach dem Bauausschuss befasste sich nun auch Stüdes Ortsrat mit der bau- und ordnungsrechtlich heiklen Lage. Und über allem schwebte auch die Frage, wie viele neue Bürger die Infrastruktur des Dorfes und der Gemeinde verkraften kann.

Ein neuer stellvertretender Bürgermeister

Doch zunächst einmal drehte sich das Personalkarussell weiter in Stüdes Ortsrat. Nach dem Ausscheiden von Andreas Röhsner (AZ berichtete) hat jetzt – aus persönlichen Gründen – auch Mario Türke (CDU) sein Mandat niedergelegt. Für ihn rückte Wolfgang Freier nach. Zum neuen Stellvertreter des Ortsbürgermeisters André Bischoff wählte das Gremium einstimmig Thomas Klopsch. Den Posten hatte zuvor Röhsner inne.

Zu viele Einwohner in Stüde

Die vorgesehene Neufassung des Bebauungsplanes Bernsteinsee rief die betroffenen Bewohner auf den Plan. Ihnen wie auch dem Ortsrat erläuterte Ordnungsamtsleiter Dirk Behrens, dass man lediglich den Startschuss fürs Planverfahren geben und eine Veränderungssperre erlassen wolle. Ziel sei, der „absoluten Fehlentwicklung“ in der Bernsteinsee-Siedlung ein Ende zu machen. Gemäß der Vorgaben des Regionalverbandes Braunschweig seien für Stüde pro Jahr 3,5 neue Baugrundstücke zulässig. „Am Bernsteinsee sind jetzt immer noch mehr als 200 verfügbar“, verdeutlichte Behrens die Lage. Seit 2014 sei die Einwohnerzahl von Stüde um 40 Prozent gestiegen: von 900 auf 1260! Da müsse man unbedingt gegensteuern.

Der Ortsrat zweifelt

Stüdes Ortsrat bezweifelte, dass die vorgeschlagene Änderung des B-Planes ein geeignetes Mittel dafür sei. Erlaube man jetzt weniger Bebauung – 90 statt bisher 120 Quadratmeter –, führe das zu einer „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ am See, gab Bischoff zu bedenken. Und wer garantiere überhaupt, dass sich durch die Reduzierung irgend etwas ändert? „Wenn es mit 90 Quadratmetern nicht klappt, was dann? 45 Quadratmeter und irgendwann Hühnerställe?“, sagte Martin Jendrikowski (CDU). Auch Thomas Klopsch (SPD) war die Begründung für die Änderung zu schwammig: „Sie enthält zu viel hätte, wenn und aber“.

Diese Idee verfolgt die Gemeinde

Angestrebt sei ein Kompromiss mit dem Landkreis, erläuterte Behrens. Demnach soll alles geduldet werden, was vorm 2. Juli 2017 genehmigt worden ist. Erst ab diesem Stichtag habe der Landkreis nämlich jeder Baugenehmigung einen schriftlichen Hinweis beigefügt, dass man am Bernsteinsee nicht dauerhaft wohnen darf. Das sei übrigens auch mit der 2013 erfolgten Änderung des B-Planes auf eine maximal zulässige Bebauung von 120 Quadratmetern beabsichtigt gewesen. „Wir wollten die Siedlung nur als Wochenendgebiet weiterentwickeln, nicht als Wohngebiet“, so Behrens.

Bewohner fühlen sich unerwünscht

Die Siedlung würde polarisiert, befürchteten die Bewohner. Die einen würden geduldet, die anderen seien plötzlich unerwünscht. Und Klopsch verdeutlichte, dass dort keineswegs ausufernd gebaut worden sei: Von 581 Häusern betrage nur bei drei Prozent die Fläche 120 Quadratmeter, 70 Prozent seien 90 Quadratmeter groß, der Rest liege irgendwo dazwischen. Nur 33 Häuser seien größer als 200 Quadratmeter. „Wir sehen da keinen Handlungsbedarf“, sagte er. Und Bischoff ergänzte: „Wenn man 2013 auf den Stüder Ortsrat gehört hätte, wäre es dort nie so weit gekommen. Wir waren damals einstimmig gegen die Änderung des B-Planes.“ Auch die jetzt angestrebte zweite Änderung sowie die geplante Veränderungssperre lehnte der Ortsrat geschlossen ab.

Viele der Zuhörer quittierten das mit Beifall. Mancher jedoch sah es kritisch, dass es durch die vielen freien Bauplätze am Bernsteinsee schwierig werden könnte, im Kernort und andernorts in der Gemeinde Bauland auszuweisen.

Dauerwohnen am Stüder Bernsteinsee

Das Dauerwohnen am Stüder Bernsteinsee ist laut Baurecht nicht erlaubt. Die Nutzung der Häuser mit erstem Wohnsitz schon – nur eben nicht dauerhaft. Die Diskussion um dieses Problem dreht sich schon länger. Hier lesen Sie alle bisherigen Berichte:

* 12. Oktober 2019: Das bedeutet die Bebauungsplan-Änderung

* 11. Oktober 2019: Sassenburg: Bürger fordern legales Dauerwohnen am Bernsteinsee

* 1. Oktober 2019: Dauerwohnen am Bernsteinsee: Emotionen kochen hoch bei der Bürgerinfo

* 30. September 2019: So gehen Gemeinde und Landkreis gegen Dauerwohnen am Bernsteinsee vor

* 17. September 2019: Sassenburg geht gegen Dauerwohnen am Bernsteinsee vor

* 21. Mai 2018: Umwandlung in Wohngebiet abgelehnt

* 3. Mai 2018: BIG beantragt Abmahnung irreführender Werbung

* 15. April 2018: Bewohner von Sondergebieten wollen endlich Infos

* 28. Februar 2018: Gemeinde verschiebt Änderung der Wohnsitzregelung

* 26. August 2017: Wohnsitzdebatte geht weiter: Umfrage des Bürgervereins

* 24. August 2017: Zweiter Wohnsitz ist Pflicht für Bewohner

* 8. April 2017: Wohnen am Bernsteinsee: Anwohner wollen Verein gründen

* 24. März 2017: Vermarkter klärt über Erst- und Zweitwohnsitz auf

* 16. März 2017: Bewohner der Ferienhausgebiete müssen zweiten Wohnsitz haben

* 9. Juni 2010: Kaufangebot sorgt für Unruhe am Bernsteinsee

Von Ron Niebuhr

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