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Papenteich Warum Heinkelfreunde immer gute Laune haben
Gifhorn Papenteich Warum Heinkelfreunde immer gute Laune haben
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17:19 10.10.2019
Abhenkeln in Wedelheine: Die Heinkelfreunde Braunschweig mit ihren urigen Rollern und Kabinenrollern. Quelle: Heinkelfreunde Braunschweig
Wedelheine

Fröhliches Gelächter schallt aus dem Dorfgemeinschaftshaus Wedelheine. Kein Wunder, ist gute Laune doch die einzige Zugangsvoraussetzung, um Mitglied der Heinkelfreunde Braunschweig zu werden, wie Club-Gründer und Vorsitzender Hansgert Eberle betont. Zum Abheinkeln, wie sie den Ausklang der Saison nennen, haben sich die Club-Mitglieder in Wedelheine versammelt. Ihre zwei- bis vierrädrigen Liebhaberstücke stehen ausgehfein aufpoliert in Reih und Glied vor der Tür, darunter ein Kabinenroller, der in gerade mal zwei Wochen zwischen Kauf und Abheinkeln auf Vordermann gebracht wurde – bis zum TÜV-Stempel.

Die Geschichte der Kabinenroller ist eine Geschichte der Nachkriegszeit: Geld für ein Auto war noch nicht vorhanden, aber ein Dach über dem Kopf wollten die Deutschen schon gerne. So haben in den 1950-er Jahren verschiedene Hersteller die dreirädrigen Kabinenroller entwickelt – die Isetta von BMW, der Messerschmitt-Kabinenroller und der Goggo-Roller gehören ebenso dazu wie der Heinkel-Kabinenroller. Der hat ein Faltdach und die typische Tür, die sich nach vorne öffnet. Gemeinsame Besonderheit aller Kabinenroller: Man benötigte keinen Autoführerschein.

Mit neun bis zehn PS sind sie nach Wedelheine gekommen, die Heinkel-Freunde Braunschweig. Hier beenden sie ihre Saison mit dem Abheinkeln. Und zeigen stolz ihre Roller und Kabinenroller.

Dem Heinkel-Kabinenroller war allerdings in Deutschland kein langes Leben beschieden: Gerade mal zwei Jahre lang wurde er produziert, von 1956 bis 1958 rollten um die 12 000 Exemplare in Stuttgart-Zuffenhausen vom Band. „Danach wurde die Produktion erst nach Irland und von da nach England verkauft“, weiß Eberle. Dort war erst 1965 Schluss. Heute schätzt Eberle die Zahl der in Deutschland zugelassenen Kabinen-Roller von Heinkel auf ungefähr 70. Ebenfalls 1965 endete die Produktion des Heinkel-Rollers mit dem schönen Namen Tourist. Er wurde von 1953 bis 1965 gebaut, Eberle nennt die Zahl von etwa 160 000 Exemplaren.

Überall fröhliche Gesichter

Beide haben nahezu identische Viertakt-Motoren mit einem Zylinder, der Roller ist mit neun Pferdestärken, der Kabinen-Roller mit zehn unterwegs. „Höchstgeschwindigkeit sind 90 Stundenkilometer – damit kann man auf der Landstraße im Verkehr gut mitschwimmen“, sagt Eberle. Als Verkehrshindernis werden die Heinkel-Fahrer nie wahrgenommen, im Gegenteil. „Wir sehen überall nur fröhliche Gesichter, die Leute winken uns zu.“ Nicht nur in Deutschland, „auch in Südfrankreich, wo meine Frau und ich regelmäßig sind“.

Teil der Familiengeschichte

Die meisten Club-Mitglieder sind mindestens so alt wie ihre Fahrzeuge, oft kennen sie die Roller oder Kabinen-Roller noch vom Vater oder Opa – der motorisierte Untersatz der Marke Heinkel gehört zu ihrer Familiengeschichte. „Es gibt Kabinen-Roller, die sind seit 1956 immer noch in erster Hand. So kommen die Leute auch zum Club“, schildert Eberle den üblichen Zugang in die Runde, die er 2011 ins Leben rief. „Wir sind seither kontinuierlich gewachsen auf mittlerweile um die 40 Mitglieder, jedes Jahr kommen so fünf, sechs dazu.“ Einzugsbereich ist Braunschweig mit angrenzenden Landkreisen, „aber auch der Harz“. Mit der zwei Wochen vor dem Treffen neu erworbenen Kabine – deren Besitzer in dieser Zeit die komplette Bremsanlage auf Vordermann und optische Mängel in den Griff bekam – veerfügen die Heinkelfreunde Braunschweig über drei Vier-Rad-Kabinen, „sicher eine Seltenheit bei den Regionalclubs“, wie Eberle in seinem Bericht auf der Homepage stolz schreibt.

Lust zum Schrauben

Während Oldtimer sonst schnell richtig ins Geld gehen, sei der finanzielle Aufwand für Besitz und Pflege eines Heinkel-Rollers überschaubar: „Den Roller bekommt man schon für etwa 3000 Euro, die Kabine allerdings erst ab 15 000 Euro“, sagt der Club-Gründer. Wer einen dieser Oldtimer sein Eigen nennt, sollte ein bisschen Lust und Geschicklichkeit zum Schrauben haben, denn „die Technik ist alt und solide, die kann man gut selber pflegen und reparieren“. Zumal Heinkel-International zu günstigen Preisen Ersatzteile beschaffe. „Und was nicht auf dem Markt ist, wird nachgebaut.“ Aber auch wer nicht so viel Spaß am Schrauben hat, ist willkommen: „Wir sind nicht nur Club-Mitglieder, wir sind Freunde. Da helfen wir uns gegenseitig“, betont Eberle.

Das sind die Heinkelfreunde Braunschweig

Der Stammtisch der Heinkelfreunde Braunschweig wurde am 13. Januar 2011 als regionaler Zusammenschluss von aktiven und passiven Heinkelfahrern innerhalb des Heinkelclub Deutschland gegründet, der wiederum – 1983 gegründet – mit mehr als 5100 Mitgliedern aus aller Welt zu den größten markengebundenen Oldtimerclubs in Europa gehört.

Ziel des Heinkelclub Deutschland ist der Erhalt und die Pflege der Heinkel-Fahrzeuge, die von 1953 bis in die Mitte der 1960er Jahre produziert wurden. Der Club garantiert eine umfassende Versorgung mit mehr als 300 000 Ersatzteilen sowie technische Hilfen.

Die Heinkelfreunde Braunschweig als Zusammenschluss von über 40 Heinklern aus der Region zwischen Harz und Heide treffen sich monatlich zum Erfahrungsaustausch, zur Besprechung technischer Fragen oder einfach nur zur Pflege ihrer Freundschaft und Geselligkeit. Technische Sachverhalte werden immer wieder erörtert, da die Mitglieder über ein stattliches Sortiment an Heinkel-Fahrzeugen verfügen: Gut 40 Roller, drei Kabinenroller und drei Perlen, das Moped von Heinkel. Highlights des Jahres sind das Anheinkeln im Frühjahr, das Abheinkeln Anfang Oktober in idyllischer Umgebung, beides mit Essen und Trinken, zwei bis drei gemeinsame Ausfahrten sowie das Grünkohlwandern im Winter.

Weitere Infos und Kontaktdaten gibt es auf der Homepage der Heinkelfreunde www.heinkelfreunde-braunschweig.de.

Von Christina Rudert

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