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Papenteich So hilft ein ganzes Dorf einer Familie nach dem Hausbrand
Gifhorn Papenteich So hilft ein ganzes Dorf einer Familie nach dem Hausbrand
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20:04 11.12.2019
Ein halbes Jahr nach dem Brand des Eigenheims: Familie Peters aus Rötgesbüttel steht kurz vor dem Wiedereinzug. Sie erlebten seit dem Unglück eine große Hilfsbereitschaft aus dem Dorf. Quelle: Dirk Reitmeister
Rötgesbüttel

Vor einem halben Jahr standen Mike Peters, seine Frau Jasmin und die Kinder Pascal und Lara vor den rauchenden Trümmern ihres Heimes.

Noch vor Weihnachten wieder in die abgebrannte Doppelhaushälfte in Rötgesbüttel einzuziehen zu können, klang damals mehr als ambitioniert, scheint aber nun wahr zu werden. Wie ein Wunder mutet Peters auch an, welche Welle der Hilfsbereitschaft sie über die schweren Monate hinweg trug.

Im Juni brannte ihre Doppelhaushälfte fast vollständig ab, jetzt steht Familie Peters vor dem Wiedereinzug. Die Betroffenen erlebten eine Hilfsbereitschaft sondergleichen.

Wer an dem Doppelhaus am Heckenrosenweg vorbei fährt, sieht erst einmal ein paar Bauzäune zusammen gerückt neben der Hofeinfahrt stehen. Auf den ersten Blick ist von dem Drama Mitte Juni nichts mehr zu erkennen.

Die Terrasse hinten ist noch eine Baustelle. Aber es sind nur noch Restarbeiten zu erledigen. Mike Peters schwärmt von den Handwerkern. „Der Dachdecker kam sofort. Die Handwerker haben auch samstags gearbeitet.“

Was am Haus jetzt alles neu ist

Drei Viertel seiner Doppelhaushälfte seien zerstört gewesen, sagt Peters. Vom Obergeschoss sei nur der Rohbau übrig geblieben. Die Klinkerfassaden an Ost- und Südseite sind komplett neu. Peters zeigt auf den Übergang zur alten Fassade. „Man sieht kaum einen Unterschied.“ Im Doppelhaus nebenan, das vom Brand ebenfalls stark betroffen war, ersetzen noch Spanplatten die Fenster. Doch auch dort gehe es voran, sagt Peters.

84 Umzugskartons gepackt

Zwischen den Umzugskartons, die sich im Wohnzimmer türmen, schraubt der elfjährige Pascal einen Stuhl zusammen. Die Familie hat gezählt, was sie geschleppt hat: 84 systematisch gepackte Umzugskartons. Jasmin Peters: „Die standen bis unters Dach gestapelt.“ Wer hätte das gedacht, als am 17. Juni nur übrig geblieben war, was sie am Leibe trugen. Und jetzt bringt Peters jenes soziale Netz ins Gespräch: „Was mich ernsthaft ergriffen hat, ist diese Hilfsbereitschaft.“

Kinder spenden Kuscheltiere

Die fing schon während der Löscharbeiten an, als Kinder aus der Siedlung Kuscheltiere sammelten. Abgesehen von den Hochzeitsfotos, der goldenen VW-Uhr des Opas, der Nähmaschine der Oma und einem in Leder gebundenen historischen Buch – „Da hängen Erinnerungen dran“ – haben Peters’ kaum Werte verloren, die eine Versicherung nicht ersetzen könnte. Doch für Pascal (11) und Lara (8) war der Verlust durch den Brand eine ganz andere Hausnummer.

Die Feuerwehr hatte geistesgegenwärtig den PC aus dem brennenden Haus gerettet. Peters weiß: „Nicht das Gerät ist wichtig, sondern das was drauf ist.“ Etwa die Versicherungsdaten. „Ich kann nur jedem empfehlen, das online abzulegen.“ Auch ansonsten spielt die Feuerwehr eine tragende Rolle – über die Löscharbeiten hinaus.

„Wildfremde Menschen, die sich den Hintern aufreißen“

„Wir sind in ein komplett möbliertes Haus eingezogen“, sagt Peters über das Übergangsdomizil. Das ist eine Doppelhaushälfte, die ein Ehepaar vermietet, das in der Feuerwehr ist. Feuerwehr-Kameraden hätten die Wohnung frei geräumt, die Ehefrauen geputzt, und wenige Tage später räumten sie ein. Eine Spendenaktion über soziale Medien brachte Kleidung, Möbel und mehr. Unter anderem auch vom Philipp-Melanchthon-Gymnasium, der Schule von Pascal. „Ich war erschlagen“, sagt der Vater. „Da sind wildfremde Leute, die sich für einen den Hintern aufreißen.“

Auch die Verwandten packen an

Nicht nur wildfremde. Aus dem Obergeschoss ist ein Akkuschrauber zu hören. Heute ist Peters’ Schwiegervater Bernd Keyndorf bei der Arbeit. Auch ansonsten packt die gesamte Verwandtschaft mit an. Das ist für Peters mindestens genauso viel wert wie die Versicherung, die anstandslos für den Schaden in Höhe von 400 000 Euro aufgekommen sei. „Wir sind von vielen Händen aufgefangen worden.“ Von „der Lauferei“ sei man dadurch nicht befreit gewesen, aber selbst bei den Behörden habe er große Unterstützung erlebt.

Akkuschrauber statt Spielekonsole

Pascal ist plötzlich aus dem Häuschen. „Wir haben hier schon Internet?“ Doch die Spielkonsole bleibt noch in seinem „Lieblings-Umzugskarton“. Erst muss der Stuhl eins werden. Schwester Lara fasst mit an. Beide verstanden sich vorher schon gut, sagt der Vater. Das Unglück habe sie noch weiter zusammen geschweißt.

Als Dankeschön gibt es eine Sause

Jasmin Peters kommt ins Wohnzimmer. „Wir brauchen noch Schrauben.“ Dann huscht sie wieder eine Treppe höher. Bald darauf ist Aufbruchstimmung. Sie wollen nach Braunschweig zu einem großen schwedischen Möbelhaus. Jasmin Peters verspricht Rötgesbüttel noch eins: „Wir werden eine große Sause machen.“ Das wird nicht mehr allzu lange dauern, denn das Ziel ist nahe. Mike Peters blickt noch einmal kurz zurück: „Eine spannende Zeit – ich will sie aber nicht noch einmal erleben.“

Von Dirk Reitmeister

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