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Meinersen Weizen mal mit, mal ohne Chemie
Gifhorn Meinersen Weizen mal mit, mal ohne Chemie
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21:00 11.07.2019
Kartoffelkäfer auf den Blättern der Pflanzen: Ohne Chemie droht laut Hinnerk Bode-Kirchhoff hier der Totalausfall. Quelle: Hilke Kottlick
Höfen

Landwirte machen mobil. Mit Aktionen wollen sie Vorurteile gegenüber konventioneller Landwirtschaft abbauen und um Verständnis für die Nutzung chemischer Hilfsmittel werben. Dabei steht der Dialog im Vordergrund, denn: „Wenn Landwirte persönlich angegangen werden, weil sie mit der Feldspritze unterwegs sind, dann ist es Zeit, miteinander ins Gespräch zu kommen“, meint Klaus-Dieter Böse.

Der Geschäftsführer des Landvolks Niedersachen, Kreisverband Gifhorn ruft deshalb in Sachen chemischem Pflanzenschutz zum Gespräch auf. Laut Böse ist das Anlass für viele Bauern, mit Aktionen zu informieren. Landwirt Hinnerk Bode-Kirchhoff aus Höfen hat noch mehr unternommen. Er hat Versuchsparzellen angelegt – Kartoffeln und Weizen wachsen darauf – ein Teil mit Chemie behandelt, ein Teil ohne.

Gefahr Kartoffelkäfer

Bode-Kirchhoff deutet auf Kartoffelpflanzen. Sie sehen zerrupft aus – der Kartoffelkäfer hat gewütet. „Ohne Chemie wäre das ein Totalausfall“, weiß der Landwirt. Weiter geht es zu den Weizenfeldern. Auf einer Parzelle wächst das Getreide „ohne Düngung und Pflanzenschutzmitteln“, wie er sagt. Der Weizen sieht schlecht aus, viele Wildkräuter stehen zwischen den Ähren.

„Die Gräser entziehen dem Getreide die Nährstoffe“, sagt Bode-Kirchhoff. Dadurch sei mit einem Viertel weniger Ernte zu rechnen. Stichproben an einer anderen Parzelle. Er nimmt eine Ähre in die Hand. „Sind darauf weniger als fünf bis acht Läuse, verzichten wir auf den Einsatz von Chemie“, macht er deutlich, dass die Bauern abwägen müssen, was auf den Feldern eingesetzt wird.

So wenig wie möglich

„Landwirte entscheiden sich für chemischen Pflanzenschutz nach den Vorgaben der ackerbaulichen Praxis und dem Schadschwellenprinzip“, ergänzt Böse. Die Bauern würden die Präparate so wenig wie möglich, aber auch so viel wie nötig einsetzen. Der Geschäftsführer des Landvolks fasst zusammen: „Ganz ohne die Unterstützung des chemischen Pflanzenschutzes können wir in unserem Klima keinen Ackerbau betreiben.“

Sowohl Böse als auch Bode-Kirchhoff informieren zudem, dass Unkräuter, Schadinsekten und Krankheiten an Pflanzen oder auf dem Acker nicht nur den Ertrag schmälern, sondern auch die Qualität mindern. „Pilze als Schaderreger können für den Menschen gefährliche Stoffe enthalten“, warnt Böse, er stellt fest: „Natur ist nicht unbedingt nur gut, Chemie nicht immer nur schlecht.“

Aufklärung vor Ort

Um Aufklärung geht es auch Bode-Kirchhoff mit der Präsentation der Versuchsfelder. An der Straße von Höfen in Richtung des Restaurants Hörnings Hof hat er Parkplätze und Versuchsflächen angelegt. Schulklassen waren dem Landwirt zufolge bereits vor Ort, um sich zu informieren – weitere sind ebenso willkommen wie interessierte Gruppen oder Einzelpersonen. Einer Führung mit einem Experten bedarf es dabei nicht unbedingt. Bode-Kirchhoff informiert den Besucher mit aussagekräftiger Beschilderung. „Das ist selbsterklärend“, lobt Böse das Engagement des Höfener Landwirts. Trotzdem bietet Bode-Kirchhoff ab sofort jeden Mittwoch ab 15 Uhr versierte Begleitung zu den Versuchsfeldern an. Der Treffpunkt ist am Maislabyrinth.

Pestizide: Was machen die Biobauern?

„Es ist super, wenn das Gespräch zwischen Verbraucher und Erzeuger gesucht wird“, sagt Bärbel Rogoschik zu dem Vorstoß der Landwirte, zu informieren und den Dialog zu suchen.

Die Chefin des Nabu-Artenschutzzentrums begrüßt die Feldversuche von Hinnerk Bode-Kirchhoff in Höfen: „Dort erleben bereits Schüler: ,So wird mein täglich Brot erzeugt’.“ Die Biologin kennt aber auch die Kehrseite, ist informiert über die Gefahren für Umwelt und Natur, wenn Pestizide in großen Mengen ausgebracht werden. Auch kennt sie nur zu gut die Folgen des Insektensterbens – müssen die Artenschützer doch während der Setz- und Brutzeit immer häufiger halb verhungerte Jungvögel aufpäppeln (AZ berichtete mehrfach).

Zum Einsatz chemischer Hilfsmittel auf den Feldern fragt Rogoschik dann auch: „Wie machen das denn die Biobauern, die stehen doch vor den gleichen Problemen wie andere Landwirte?“ Ihr Vorschlag dazu ist es, „den Mittelweg zu beschreiten, und nicht so abhängig von der Industrie zu sein“, sagt sie mit Blick „auf die Verknüpfung zwischen Saatgut und Spritzmittel“.

Unter dem Motto „weg vom anonymen Mehl“ ist es Rogoschik zufolge an der Zeit, wieder mit ersten Schritten auf den regionalen Erzeuger zuzugehen und dort das Gespräch zu suchen.

Es sei grundsätzlich zu begrüßen, wenn Verbraucher die „Nähe zum Erzeuger nutzen“, meint Rogoschik.

Und wenn dort das Feld vielleicht ein bisschen „wild aussieht, dann weiß ich auch, da wird nicht gespritzt“, sagt sie.

Von Hilke Kottlick

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