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Meinersen Warum eine Drohne Rehkitze aufspürt
Gifhorn Meinersen Warum eine Drohne Rehkitze aufspürt
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00:22 10.06.2019
Suche aus der Luft: Achim Neumann mit der Drohnen-Wärmebildkamera. Quelle: Hilke Kottlick
Flettmar

Morgens um kurz vor vier – noch ist es stockfinster. Schon von weitem weisen die roten, weißen und blauen Lichter der Drohne am Himmel über den Wiesen von Flettmar den Weg. Wer sie sieht und nicht informiert ist, könnte meinen, dass dort ein UFO schwebt. Nabu-Mann Joachim Neumann hat das bekannte Flugobjekt bereits in den Himmel geschickt. Die Jagdpächter Otmar Hauck und Matthias Hoge vom Revier Flettmar II hatten im Vorfeld bei Neumann angefragt, ob er per Drohne die Wiesen nach Rehkitzen absuchen kann, bevor der Mähdrescher anrückt und die jungen Tiere schwer verletzt oder tötet.

Bilder: So läuft die Rehkitz-Suche

Rehkitz-Suche per Drohne und Wärmebildkamera: Der Nabu hilft Landwirten bei der Absuche vor dem Mähen.

„Wir fliegen früh morgens, wenn es noch nicht so warm ist“

„Wir fliegen bereits früh morgens, wenn es noch nicht so warm ist“, verweist Neumann auf die Wärmebildkamera, die unter der Drohne befestigt ist und die Körperwärme der Kitze erfasst. Entdeckt das Gerät im hohen Wiesengras einen warmen Körper, taucht auf dem Display in Neumans Händen ein weißer Fleck auf. Bewegt sich dieser weiße Schatten, erkennt der Profi auf Anhieb anhand der Größe, ob es sich um ein Kitz oder ein ausgewachsenes Reh handelt. Immerhin bietet er bereits seit anderthalb Jahren Landwirten und Hegeringen diese Absuche aus der Luft an.

„Wir haben bislang traditionell die Wiesen vor dem Mähen mit Hunden nach Kitzen abgesucht und mit Flatterband umspannt, damit die Ricke das Kitz rechtzeitig heraus führen kann“, beschreibt Hauck bisherige Maßnahmen. Bei einer Wiesengröße von drei bis vier Hektar habe das aber nicht viel gebracht und in dem hohen Gras waren die „Hunde ruckzuck platt“. Der Jagdpächter hofft nun, mit Hilfe Neumanns mögliche Kitze aufzuspüren und retten zu können – bevor der Mähdrescher anrückt.

Von innen nach außen mähen

„Da bewegt sich etwas“, sieht Neumann jetzt auf dem Display. Es ist ein Kitz. Aber es ist bereits so groß, dass es davon läuft. Schnellen Schrittes streift Neumann suchend weiter über die Wiese – den Monitor in der Hand, die Drohne samt Wärmebildkamera im Blick. Das Gerät ortet ein weiteres Jungtier, es ist auch schon so groß, dass es weg laufen kann. Jetzt ist immerhin klar, „das System funktioniert“, stellt Hauck fest. Das alles überzeugt ihn – „das ist eine schöne Technik“, stellt er fest. Die Drohne hat jetzt die Wiese abgesucht. „Kommt Landwirt Norbert Meyer mit dem Mähdrescher, sollte er sicherheitshalber von innen nach außen mähen“, rät Neumann. Denn falls die beiden Kitze wieder zurück laufen sollten, können sie so leichter fliehen.

Pferdeäpfel statt Rehkitz aufgespürt

Eine gute Stunde ist vergangen. Ein roter Sonnenaufgang sorgt um 4.58 Uhr für eine glühende Kulisse, ein Kuckuck und eine Nachtigall bieten lautstarke Umrahmung. Es geht weiter zu den nächsten Wiesen, sechs und zwei Hektar groß. Matthias Hoge und Lars Meyer, Sohn des Landwirts, sowie Freundin Nicole Fischer warten dort bereits – sie helfen bei der Kitz-Suche. Nebenan grasen Pferde, im Hintergrund zieht die alte Eisenbahnbrücke von Flettmar die Blicke auf sich – Idylle pur. Neumann schickt die Drohne wieder gen Himmel. Sofort taucht ein weißer Schatten auf dem Bildschirm auf. Schnell steht fest: „Das ist kein Rehkitz, das sind Pferdeäpfel. Die Kamera hat die Restwärme darin angezeigt,“ erklärt der Nabu-Mitarbeiter.

Die Suche geht weiter. Wieder ortet die Kamera auf der Wiese ein Kitz. Die gesamte Gruppe stürmt durch das hohe Gras. Immer dabei – zwei Plastikwannen und Einmalhandschuhe zum Aufnehmen des Jungtieres, das laut Neumann zudem nur mit Gras angefasst werden darf, damit sich kein Geruch überträgt. Hauck und Hoge erreichen das Kitz. Die Kamera läuft und dokumentiert, dass auch dieses junge Reh entkommt. Die Suche ist beendet. Drei Kitze wurden aufgespürt, drei Kitze liefen davon. Die Männer hoffen, dass sie nicht auf die Wiesen zurückgekehrt sind – denn Meyer rückt bereits mit dem Mähdrescher an.

14 Kitze bereits aus Wiesen geholt

Für Joachim Neumann vom Nabu-Artenschutzzentrum war die Absuche der Wiesen nach Rehkitzen in Flettmar per Drohne und Wärmebildkamera nicht der erste Einsatz in diesem Frühling. „Wir sind im Raum Gifhorn und Peine bereits acht Mal unterwegs gewesen“, erklärt er. 14 Kitze wurden dabei aus den Wiesen geholt.

Sein Wunsch ist es jetzt, eine Kamera mit noch besserer Technik anzuschaffen, die auch Gelege von Bodenbrütern wie Rebhuhn und Fasan aufspürt. „Diese Arten sind wirklich bedroht“, bestätigt auch Jagdpächter Otmar Hauck.

Und wenn laut Neumann Rehe dagegen keinesfalls vom Aussterben bedroht sind, so hofft er trotzdem darauf, dass sich weitere Landwirte und Hegeringe im Nabu-Artenschutzzentrum melden, um Wiesen vor dem Mähen absuchen zu lassen oder dafür selbst Drohnen mit Kameras anzuschaffen, denn: „Wenn da nach dem Mähen ein Kitz ohne Beine liegt und schreit, dann ist das einfach furchtbar“, weiß Neumann. Und auch für die Ricken sei der Verlust des Nachwuchses schwer zu ertragen.

Von Hilke Kottlick

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