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Meinersen Das hält Purple Schulz von Musik, Kunst und Demenz
Gifhorn Meinersen Das hält Purple Schulz von Musik, Kunst und Demenz
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12:00 23.04.2019
Unser Aller Festival: Purple Schulz tritt am 6. Juni in Meinersen auf.
Gifhorn

Purple Schulz: Geboren 1956, seit 1972 im Musikgeschäft, mit Goldenen Schallplatten für „Verliebte Jungs“ und „Die Singles 1983-1992“ ausgezeichnet. Seit dem 8. März ist sein neues Album „Nach wie vor“ auf dem Markt. Am Samstag, 8. Juni, kommt der gebürtige Kölner zu Unser Aller Festival, in Meinersen im Kulturzentrum ist er zu hören. AZ-Redaktionsleiterin Christina Rudert sprach vorab mit Purple Schulz über zeitlos aussagekräftige Songs, über die Kunst als Impulsgeber und über das Thema Demenz. Und weil Purple Schulz sofort beim Du ist, bleiben wir während des Interviews dabei.

Woher kommt eigentlich Dein Spitzname?

Den habe ich, seit ich 13 Jahre alt bin. Ich konnte mir keine Orgel leisten und bin immer in ein Kölner Orgelgeschäft getigert, habe mich an die große Hammond gesetzt und „Child in Time“ von Deep Purple gespielt. Damit bin ich den Verkäufern tierisch auf die Nerven gegangen. Seither habe ich den Spitznamen. Sogar meine Mutter hat mich Purple genannt.

Den Song „Verliebte Jungs“ aus den 1980er Jahren können viele immer noch mitsingen. Mit Deiner neuen CD willst Du an diese Zeit anknüpfen, ohne die Musik nach 80er Jahren klingen zu lassen. Wie geht das denn?

Nach zwei sehr, sehr schönen Alben, deren Texte ich zusammen mit meiner Frau geschrieben habe, war jetzt die Idee, meine Stücke aus den 1980ern noch mal rauszuholen, weil die Songs zeitlos schön und zum Teil immer noch wahnsinnig aktuell sind. Ich wollte sie ins Heute transportieren und sie mit dem Fokus auf die Geschichten, um die es geht, ganz neu einspielen. Was geblieben ist, sind der Text, die Melodie und die Harmonien, aber die Stilistik hat sich teilweise komplett verändert.

Das heißt aber, mitsingen kann man schon noch…

Mitsingen kann man noch. Wir haben ja auch zwei alte Hits wieder auf dem Album drauf – aber ganz bewusst nur zwei, wir wollten ja kein „Best of“ machen. Ich habe mit dem Album meine ganz persönliche, ganz private Lieblingsliedersammlung eröffnet. Natürlich muss „Kleine Seen“ dabei sein, weil dieser Song nun mal wahnsinnig populär gewesen ist. Man würde mich steinigen, wenn er nicht dabei wäre. Und natürlich ist auch „Sehnsucht“ dabei. Das ist so ein Song, der mir nach wie vor total wichtig ist und der sich in all den Jahren nie abgenutzt hat. Den habe ich jetzt nach 35 Jahren zum allerersten Mal mit Klavier aufgenommen. Das hat ganz, ganz großen Spaß gemacht, da noch mal ganz neu dran zu gehen.

Erkläre doch bitte mal, was für Dich den Unterschied zwischen Album und Konzert ausmacht.

Das Konzert spiele ich in einer ganz anderen Besetzung. Ich trete ja nur noch im Duo auf, weil der Fokus eben wirklich komplett auf den Texten und den Geschichten liegt. Dadurch kommt das Publikum den Songs sehr nahe. Es ist sehr emotional, was ich da auf der Bühne mache, es geht in die Tiefe, aber es wird auch viel gelacht.


Auf Deiner Homepage bezeichnest Du Dich als Musiker, Kabarettist, Poet, Protestler. Wo liegt denn für Dich der Schwerpunkt?

Ich möchte Songs machen, die auf irgendeine Art und Weise irgendjemandem im Leben nützen. So wie Erich Kästner seine lyrische Notfallapotheke geschrieben hat, so sind viele Songs, die ich in den letzten Jahren geschrieben habe, so was wie eine musikalische Notfallapotheke. Ich bekomme von sehr vielen Leuten mitgeteilt, welcher Song ihnen in welcher Lebenssituation geholfen hat. Wie bei „Herz voller Gold“, wo es um eine ungewollte Schwangerschaft geht. Ich weiß nicht, wie viele Mütter mir geschrieben haben, dass sie vor der gleichen Entscheidung gestanden haben, sich dann in einer eigentlich ausweglosen Situation doch für ihr Kind entschieden haben und im Nachhinein sagen: Das war die beste Entscheidung meines Lebens. Dabei geht es in dem Song ja weniger darum, wie man sich entscheidet, sondern dass man sich entscheidet. Und in der Geschichte entscheidet sich ein sehr junges Mädchen dann doch für das Kind. Der Song sagt nicht: Das war die richtige Entscheidung, sondern sagt: Das ist die Geschichte.

Die Entscheidung wird von Dir nicht ge- oder bewertet.

Nein, nein, überhaupt nicht, um Gottes willen, das würde ich mir nicht anmaßen.

Für das Video zu dem Song „Fragezeichen“ bist Du in die Rolle Deines an Demenz erkrankten Vaters geschlüpft. Das ist ja ein sehr persönliches Statement.

Ich finde es eigentlich nur sehr persönlich in der Hinsicht, dass sowohl ich als auch meine Brüder fast erschrocken waren, wie sehr ich in dem Video meinem Vater ähnele. Das war für mich ganz überraschend. Ich hatte mit meinem Vater die gleichen Auseinandersetzungen wie alle Männer meiner Generation mit ihren Vätern. Kriegseltern, Nachkriegskinder, das Verhältnis war schon schwierig. Der Krieg und der Nationalsozialismus, das war ein Tabu. Und im Endeffekt haben wir unseren Vätern noch Vorwürfe gemacht und uns niemals gefragt, was wir denn als 22-, 23-Jähriger gemacht, wie wir reagiert hätten. Aber das Thema Demenz ist für mich kein persönliches Thema, das ist ein gesellschaftliches Thema. Zu dem Zeitpunkt, als wir das gemacht haben, war das Thema noch nicht so wirklich in der Diskussion.

Ist es ja immer noch nicht.

Aber viele, viele haben schon dazu beigetragen, dass wir mit dem Thema Pflege und Demenz ganz anders umgehen. Es ist jetzt endlich ein politisches Thema. Ich glaube, dass der Song ein bisschen dazu beigetragen hat. Er hat was in Gang gebracht. Er ist ein guter Einstieg in ein Gespräch, wenn man ihn zum Einstieg bei einem Demenzkongress oder mit betroffenen Angehörigen zusammen ansieht. Er wird auch Pflegeschülerinnen und Pflegeschülern gezeigt.

Was hast Du auf diesen Film, diesen Song für Feedback bekommen?

Ganz ganz tolles Feedback. Das Schönste war eigentlich, dass mir jemand, der in der Pflege gearbeitet hat, geschrieben hat: Ich war kurz davor, meinen Beruf an den Nagel zu hängen. Und dann haben dieser Song und dieses Video ihn dazu gebracht, diesen Schritt zu überdenken und doch weiter zu arbeiten. Das ist natürlich ganz toll. Also, ich glaube schon, dass man mit Musik Dinge in Gang setzen kann.

Das klingt so, als wäre es Dir ein Anliegen, mit dem, was Du machst, die Welt ein bisschen besser zu machen.

Das ist so. In meinen Konzerten kann gelacht werden, aber ich singe auch über Dinge wie Psychosen, ich singe über den Tod. Ich singe über Demenz. Ich möchte gern Kunst schaffen, die weit über das Tagesgeschäft hinaus Bestand hat, die Impulse gibt. Das ist eigentlich das, was Kunst machen sollte, sie sollte uns immer wieder Impulse geben, um unsere Blickwinkel zu verändern. Und das finde ich sehr sinnvoll. Wenn ich diesen Beruf, den ich so gerne ausübe, noch lange machen will, dann muss das für mich einen Sinn ergeben.

War das für Dich von Anfang an als Künstler die Motivation?

Ja, denn Unterhaltung muss eine Haltung ja nicht ausschließen. Ich mache das ja schon sehr, sehr lange, ich habe vor 47 Jahren mein erstes Konzert gegeben. Seitdem hat sich dieses ganze Business und alles, was damit zu tun hat, komplett verändert. Ich habe die goldenen 80er erlebt, als Schallplatten verkauft wurden und CDs und es enorme Umsätze gab. Ich habe das Medium Kassette kommen und gehen gesehen, ich habe das Medium Schallplatte erlebt, und die CD, die wird es in ein paar Jahren auch nicht mehr geben. Da ist die Frage: Wie gehen wir als Künstler damit um? Tonträger verkaufen – davon haben wir früher gelebt. Mittlerweile leben wir davon, dass wir auf Tournee gehen, was natürlich wesentlich anstrengender ist. Du bist wirklich das ganze Jahr unterwegs und sitzt, sitzt im Auto, sitzt auf der Bühne, wenn du Keyboarder bist wie ich, sitzt im Studio. Ich habe mir jetzt fürs Studio ein höhenverstellbares Pult besorgt, damit ich wieder mal stehe.

Wie viele Tage im Jahr bist Du auf der Bühne?

Wir hatten bis zu 80 Shows im Jahr, aber wir schrauben das jetzt runter. Meine Frau macht das Management seit ein paar Jahren, und das ist toll, wir sind jetzt immer an sehr besonderen Locations, also zum Beispiel in einem Bergwerk 500 Meter unter der Erde, in einer Kathedrale, die ist so groß wie der Kölner Dom. Und ich liebe diese Kirchenkonzerte mit der Lasershow. Jetzt waren wir in Berlin im Studio 7, das ist ein ganz kleines Studio – das macht einen unfassbaren Spaß, da zu spielen. Man ist ganz nah dran an den Leuten. Die beeindruckendste Geschichte war ein Konzert auf einem Friedhof mit 1800 Zuschauern zwischen den Gräbern. Das war ein Fest des Lebens, sehr berührend.

Und welcher Tatsache haben wir es zu verdanken, dass Du nach Meinersen zu Unser Aller Festival kommst?

Dem Paul natürlich! (Paul Kunze von der Agentur Undercover, die Unser Aller Festival organisiert, ist Sohn des Musikers Heinz-Rudolf Kunze; Anmerkung der Redaktion) Mit seinem Vater war ich ja vier Jahre unterwegs, das war ein wunderschönes Programm – das Aufeinandertreffen von niedersächsischer Tristesse und rheinischem Frohsinn. Das hat uns großen Spaß gemacht.

Von Christina Rudert

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