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Meinersen Vier fürs Klima: „Wir haben das Auto abgeschafft und fahren Bahn anstatt zu fliegen“
Gifhorn Meinersen Vier fürs Klima: „Wir haben das Auto abgeschafft und fahren Bahn anstatt zu fliegen“
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00:21 12.05.2019
Heitere Lesung, die nachdenklich stimmte: Günther Wessel las im Kulturzentrum Meinersen aus seinem Buch „Vier fürs Klima". Quelle: Hilke Kottlick
Meinersen

Das Sibylla-Merian-Gymnasium in Meinersen kämpft im Rahmen seiner Erasmus-AG gegen Plastikmüll. Bei dem Kampf gesellt sich nun die Samtgemeinde Meinersen an die Seite des Gymnasiums. Unter dem Slogan „Kompetenz trifft Kompetenz“ hatten beide Partner zur Lesung ins Kulturzentrum eingeladen.

Der Autor Günter Wessel gab Passagen aus seinem Buch „Vier fürs Klima“ zum Besten. Es handelt von seiner Familie, die sich dem Alltagstest gestellt und versucht hat, ein umweltbewusstes Leben in Zeiten des Klimawandels zu führen. Die Lesung stieß auf ein starkes Echo vieler Zuhörer.

Das Sibylla-Merian-Gymnasium Meinersen engagiert sich im Kampf gegen den Plastikmüll und den Klimawandel. Jetzt war Autor Günther Wessel zu Gast und las aus seinem Buch „Vier fürs Klima“ – und drumherum gab es auch noch einiges zu sehen und zu lernen.

Immer wieder das gleiche Spiel: Er stellt die Frage und beantwortet sie selbst. „Hat mein Sohn als Vegetarier eine bessere Klimabilanz?“, fragt der Autor und antwortet „Fleischesser haben schlechte Karten“. „Wir sind die Guten“, habe die Familie anfangs gedacht. Dann jedoch habe sie den ökologischen Fußabdruck ermittelt und festgestellt: „Auch wir sind am Klimawandel schuld.“ Um den Temperaturanstieg zu senken, „müssen wir den CO2-Verbrauch reduzieren“, so Wessel, der fragt: „Wie aber geht das? Ist der eingelagerte Bioapfel klimafreundlicher als der aus Chile?“. Und „gefährden rülpsende Kühe das Weltklima?“. Und er stellt fest, dass seine Frau über den Inhalt ihres Kleiderschrankes eine „desaströse Klimabilanz“ ermittelt hat.

„Es gibt keine Einzellösungen“

„Jetzt sind Sie dran“, ermuntert der Autor die Gäste. Sie reagieren: „Die Politik sollte neue Rahmenbedingungen setzen“, so ein Zuhörer. „Es gibt keine Einzel-Lösungen, nur viele verschiedene“, stellt ein anderer fest. „Die Aktion Fridays for future beweist, dass Schüler etwas bewegen können“, heißt es weiter, und ein Gast fragt mit Verweis auf teure Bioprodukte, ob der Autor jetzt mehr Geld ausgibt. „Unser Leben ist nicht teurer geworden, wir kaufen bewusster ein“, antwortet Wessel.

Teure Gurke statt T-Shirt

„Wir haben das Auto abgeschafft, fliegen nicht mehr in den Urlaub, sondern fahren mit der Bahn, wir verzichten auf manches Shirt und erlauben uns dafür eine teure Gurke“, schildert er einen persönlichen Umwelt-Deal und sagt: „Wir versuchen mit dem Buch Handreichungen zu geben, um etwas zu tun.“ Als Zuhörer stellt Rainer Rinke vom Bürgerbusverein fest: „Ich verstehe dies hier als Impulsveranstaltung und werde mir Gedanken machen, ob wir auf Dauer in einem so großen Haus weiter leben.“

Schüler raten: „Machen Sie sich plastikschlau“

Zum Start der Lesung „Vier fürs Klima“ begrüßten Schüler die Gäste. Dabei verteilten sie Infos, die vorab von der AG „Sibylla kämpft gegen Plastikmüll“ erstellt wurden. „Plastik schadet der Umwelt und bedroht die Artenvielfalt“, heißt es da, und: „Meeresbewohner verwechseln Kunststoff mit Nahrung und verenden an gefressenem Plastik“. Genauso: „Kunststoffverpackungen können Schadstoffe an Lebensmittel abgeben. Dadurch kann es zu Fruchtbarkeitsstörungen, Fehlgeburten oder Allergien beim Menschen kommen.

„Machen Sie sich plastikschlau“, raten die Schüler: Brot im Stoffbeutel beim Bäcker, Obst und Gemüse auf dem Markt oder im Hofladen, Käse und Wurst an der Theke im eigenen Behälter kaufen.

Außerdem: Körbe statt Tüte nehmen, Glas oder Papier statt Plastik wählen und Leitungswasser statt Wasser in Plastikflaschen trinken. Wegwerfplastik wie To-Go-Becher und Einweggeschirr vermeiden. Mülltrennung ernst nehmen – Plastik hat im Restmüll nichts zu suchen. Bei Neuanschaffung Kunststoffe ersetzen: Füller und Kulis aus Holz oder Metall, Lineale aus Holz, Blöcke aus Recyclingpapier.

„Das Buch enthält Alltagstipps“, hatte Martin Vollrath, stellvertretender Schulleiter des Gymnasiums, zu Beginn gesagt. „Ich habe es verschlungen“, gestand er und wiederholte das Fazit seiner Tochter, das lautete: „Du warst geflasht.“ Vollrath lebt jetzt auch fürs Klima: „Wir haben uns darauf eingelassen, es hat funktioniert.“ Der Konrektor bedankte sich bei „meinen Premium-FÖJ-lerinnen“ für die Arbeit bei der AG „Sibylla kämpft gegen den Plastikmüll“ und den Aufbau der passenden Wanderausstellung im Foyer des Kulturzentrums.

„Ein paar tausend Euro sinnvoll investieren“

US-Präsident Obama hat 2014 gesagt: Als Präsident und Vater weigere ich mich, meinen Kindern einen Planeten zu hinterlassen, der nicht mehr repariert werden kann“, sagte Eckhard Montzka. Der Samtgemeindebürgermeister gestand, dass er infiziert sei vom Gedanken, umweltbewusster zu handeln. Die Lesung habe er aus „persönlichen Verfügungsmitteln“ finanziert und er signalisierte, künftig das Umweltprojekt zu unterstützen: „Ein paar tausend Euro sollten wir dafür sinnvoll investieren.“

Von Hilke Kottlick

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