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Meinersen Hingucker: Neue Anlage für Schildkröten
Gifhorn Meinersen Hingucker: Neue Anlage für Schildkröten
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06:00 21.06.2019
Hingucker: Die Anlage für die Landschildkröten auf dem Gelände des Nabu Artenschutzzentrums in Leiferde ist fast fertig gestellt. Quelle: Hilke Kottlick
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Leiferde

Die Dachfenster des Gewächshauses sind weit geöffnet. Das Thermometer im Inneren zeigt trotzdem 40 Grad an. Kein Problem für die neuen Bewohner. „Die fühlen sich jetzt richtig wohl“, sagt Bärbel Rogoschik. Die Chefin des Nabu Artenschutzzentrum Leiferde präsentiert nicht ohne Stolz eine neue Anlage auf dem Zentrumsgelände: das Gewächshaus für die Landschildkröten.

Die Dachfenster dieses Gewächshauses öffnen sich Rogoschik zufolge automatisch. 15.000 Euro haben die Naturschützer dafür bezahlt – ein Großteil des Geldes stammt laut Zentrums-Chefin aus dem Erlös des Storchenfestes. Das ganz Drumherum haben „wir selbst gemacht“, sagt sie. Diese Arbeit kann sich sehen lassen.

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Freilauf an jeder Unterkunft

So werden in dem gläsernen Haus rund 70 Tiere in abgetrennten Parzellen untergebracht. Grünpflanzen sorgen dort nicht nur für ansprechende Optik, sondern vor allem für ein gesundes Klima. Einige Schildkröten sind bereits vor Ort, andere warten noch im Zentrumsgebäude auf den Umzug, berichtet Rogoschik. Einzeln oder in Gruppen – „die Männchen vertragen sich nicht immer“ – leben die gepanzerten Tiere fortan in abgetrennten Behausungen. Der Betonboden darin ist so hoch mit Holzspänen ausgelegt, dass sich die Schildkröten darin einbuddeln können, Tonschalen sind mit Grünfutter und Wasser gefüllt. Falls nötig, sorgen Wärmelampen für Bestrahlung. Besonderer Luxus dabei: Jede Unterkunft ist mit einer Klapptür nach Draußen versehen. In abgetrennten Freilauf-Gehegen haben die Kröten somit Gelegenheit, auch im Sonnenlicht und Regenschauer zu baden.

Animal Hoarding

Rund 70 Schildkröten muss die Nabu-Besatzung derzeit versorgen. Laut Rogoschik handelt es sich dabei um viele Fundtiere. Genauso sind Beschlagnahmungen dabei. So erinnert sich die Zentrums-Chefin an „einen Fall von Animal Hoarding“ – eine Tiersammel-Sucht – im Landkreis Peine. „Wir mussten damals – im Dezember vor zwei Jahren – 72 Landschildkröten bei Eisregen ausbuddeln“, empört sich die Biologin heute noch. Auch wenn es offenbar fest steht, dass es sich bei Animal Hoarding um ein Krankheitsbild handelt, ist bei Rogoschiks Erzählung heraus zu hören, was die Biologin auch heute noch von diesem Fall hält. Immerhin handelt es sich dabei um Tierquälerei – Menschen halten viele Tiere, die sie aber nicht angemessen versorgen und denen es an Futter, Wasser, Pflege, Hygiene und tierärztlicher Betreuung fehlt.

Den ehemals beschlagnahmten Schildkröten fehlt es jetzt nicht mehr an guter Versorgung. Sie leben den Sommer über in artgerechten Behausungen im Gewächshaus. Naht der Winter, ist Schlafenszeit angesagt. „Dann kommen sie zurück ins Gebäude“, sagt die Zentrumschefin. Sie versucht, die Tiere in zoologischen Gärten unterzubringen – meist ohne Erfolg, die meisten Zoos nehmen keine mehr auf. Allerdings: „Wir dürfen jetzt griechische Landschildkröten auch an Privatleute vermitteln“, sagt sie. Versichert dabei aber zugleich, dass Halter und Haltungsbedingungen von den Tierschützern genau überprüft werden.

Nachzuchten zum Auswildern

Neben dem neu gestalteten Areal für die Landschildkröten sind in einem zweiten Haus weitere Reptilien untergebracht. Dabei handelt es sich laut Zentrums-Chefin Bärbel Rogoschik um Europäische Sumpfschildkröten. Seit gut 40 Jahren in Niedersachsen ausgestorben, züchten die Artenschützer diese Tiere im Nabu Zentrum (AZ berichtete). Sind sie groß genug, werden sie im Rahmen der Landesaktion „Arche Niedersachsen“ ausgewildert – am Steinhuder Meer. Ziel der Arche Niedersachsen ist dabei „der Erhalt der biologischen Vielfalt“, dabei steht die Europäische Sumpfschildkröte im Fokus.

„Die Tiere galten ehemals als Fastenspeise und wurden früher Lastwagen-Weise abtransportiert“, hatte Rogoschik bereis im Vorfeld berichtet. Genauso erzählte sie, dass die Trockenlegung von Feuchtgebieten, Umweltverschmutzung und der Mangel an geeigneten Brutablageplätzen auch ursächlich gewesen seien für das Aussterben der Schildkröten, die langsam fließende Gewässer und Teiche mit Sandstrand an Südhängen für die Eiablage bevorzugen. Am Steinhuder Meer herrschen entsprechende Voraussetzungen. 2014 wurden erste Schildkröten dort mit Sendern versehen und ausgewildert.

Geplant ist nun, über 20 Jahre lang jährlich zehn bis 50 dieser Reptilien dort auszuwildern.

Von Hilke Kottlick

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