Ettenbüttel: Artgerechte Haltung Licht, Luft, Sonne und Hightech im Kuhstall
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Meinersen Artgerechte Haltung: Licht, Luft, Sonne und Hightech im Kuhstall
Gifhorn Meinersen Artgerechte Haltung: Licht, Luft, Sonne und Hightech im Kuhstall
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19:06 09.01.2020
Familienbetrieb für zwei Generationen: Reinhard Müller (Mitte) mit seinen Söhnen Claudius (l.) und Simon. Quelle: Hilke Kottlick
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Ettenbüttel

Beendet ist das Großprojekt noch nicht. „Wir bauen immer noch“, sagt Reinhard Müller aus Ettenbüttel. Das Herzstück aber steht bereits an der Verbindungsstraße zwischen Ettenbüttel und Meinersen – Stallungen für insgesamt 280 Milchkühe. 240 Schwarzweiß-Gefleckte tummeln sich dort bereits. Das Datum ihres Einzugs nennen Müllers Söhne Simon (22) und Claudius (27) wie aus der Pistole geschossen – „es war der 12. August 2019“.

Offener Laufstall

Hielt die Ettenbütteler Familie ihre Milchkühe schon früher auf dem heimischen Hof in einem offenen Laufstall – so sieht man der Herde auch heute an – dass es ihr gut geht.

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Die Tiere genießen Komfort, können auch im Außenbereich frei herum laufen oder entspannt liegen und wiederkauen. Tierwohl ist angesagt, darauf legt die Familie großen Wert, denn: „Geht es den Kühen gut, geht es uns gut“, weiß der Landwirt, dass gesunde und zufriedene Tiere deutlich mehr Milch geben.

Biogasanlage für die Gülle

Das Projekt, das die Familie Müller da vor den Toren Meinersens im großen Rahmen aufgezogen hat, beweist Mut. Rund drei Millionen wurden bereits investiert, Förderung gab es dabei auch – laut Müller „für die artgerechte Haltung“. Was jetzt noch fehlt, ist die geplante Biogasanlage – ausschließlich für die Gülle. „So fließt kein kontaminiertes Sickerwasser in den Boden und die Gülle wird zugleich energetisch genutzt.“ Der Milchbauer setzt auf nachhaltigen Umweltschutz.

240 Milchkühe in Anlage zwischen Ettenbüttel und Meinersen

Computer statt Milchschemel

Einen alten Milchschemel sucht der Betrachter in diesem Kuhstall vergeblich. Dort hielt Hightech Einzug. Wurden die Kühe früher mit der Hand gemolken, verwendet Familie Müller automatische Melkroboter. Dabei können die Kühe selbst wählen, wann sie gemolken werden wollen“, sagt Simon Müller. Er erklärt, wie es funktioniert: „Die Tiere werden von dem Futter im Roboter angelockt. Am Hals trägt jede Kuh einen Transponder mit ihren Daten.“ Dieser Transponder wiederum teilt dem Roboter mit, ob die jeweilige Kuh „ein Melkrecht“ hat. Betritt eines der Tiere den Roboter, schließt sich dahinter ein Tor. Die Kuh erhält das für sie errechnete Futter. Der Roboter reinigt das Euter und melkt dann die Kuh. Claudius Müller zufolge kann jeweils einer der insgesamt vier Roboter 60 Kühe täglich melken.

Kindergarten für Kühe

Auch in den alten Stallungen und im Wohnhaus in Ettenbüttel ist die Familie noch aktiv. Dort vermarktete sie nach wie vor das Bauernhofeis. Außerdem tummelt sich dort der Kindergarten der Milchkühe – laut Vater Müller sind das zurzeit etwa 70 Jungtiere. Bevor sie dort einziehen, werden die Kleinen möglichst schnell nach der Geburt von der Mutter getrennt. Den Grund nennt Simon Müller: „Damit erst gar keine Bindung zwischen Kuh und Kalb entsteht.“ Seinem Vater zufolge nimmt die Kuh die Trennung dann gelassener und die Kälber werden zu zweit in Doppel-Iglus untergebracht. Dort lernen sie aus Nuckel-Eimern zu trinken. „Bis sie das können, vergehen manchmal anderthalb Tage“, sagt der Familienvater.

115 000 Liter Milch

Reinhard Müller freut sich darüber, dass seine Söhne mit in den Milchvieh-Betrieb eingestiegen sind. Dabei teilt sich das Trio die Aufgaben. „Claudius kümmert sich um das Management, ich bin das Mädchen für alles, sorgte für das Drumherum und den Ackerbau und Simon befasst sich mit der Herde“, sagt der Vater. Und das macht der 22-Jährige offenbar mit großem Engagement. So versäumt er es auch nicht, jeder Kuh einen Namen zu geben. Dabei beweist er, dass er die Tiere wirklich erkennt: „Dort hinten steht Melin“, deutet er in die Herde und zeigt auf „die älteste Kuh im Stall, die innerhalb ihrer 13 Jahre zehn Kälber geboren und für rund 115 000 Liter Milch gesorgt hat“.

Von Hilke Kottlick