Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Meinersen Wie Hofhund Bintas Rehkitz Leni hilft
Gifhorn Meinersen Wie Hofhund Bintas Rehkitz Leni hilft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
19:00 25.07.2019
Kuh Luna zeigt Muttergefühle: Corinna Michelsen stellt ihren Neuzugang vor – das Rehkitz Leni. Quelle: Foto: Hilke Kottlick
Anzeige
Bokelberge

Eine Glucke zeigt ihren Tags zuvor geschlüpften Küken leckere Haferflocken im Gras. Zwei farbenprächtige Hähne krähen um die Wette. Stockente Bernd, im vorigen Jahr einziges überlebendes Küken eines Unfalls auf der B 188 und bester Freund der Glucke Elsa, liegt mit Genossen im feuchten Gras. Katzen rekeln sich auf den Stuhlkissen. Ziege Ida reibt sich an einer Bretterwand, und Hofhund Bintas hat alles im Blick seines einen blauen und des anderen braunen Auges. Idylle pur. Jetzt kommt Leben in die tierische Gemeinschaft auf dem Hof von Tierheilpraktikerin und Kindercoach Corinna Michelsen. Sie ruft Bintas und geht mit ihm zur Weide von Kuh Luna. Dort am Zaun liegt ein kleines braunes Etwas im Gras. Es ist der Neuzugang des Hofes, Rehkitz Leni.

Bintas trabt auf das Kitz zu, es steht auf. Der große Hund umsorgt das kleine Waldtier. Das Kitz steht ganz ruhig, zeigt keinerlei Angst, im Gegenteil – es genießt offenbar die Pflegeeinheit des besorgten Rüden. „Ein Ehepaar hat das Kitz vor einer Woche zu uns gebracht“, berichtet Michelsen. Der Mann sei auf der Fahrt nach Päse gewesen. Obwohl Musik im Radio lief, habe er die Schreie des kleinen Tieres gehört. Michelsens weiterer Erzählung zufolgte stoppte er, fand das Kitz am Straßenrand und informierte den Jagdpächter. Der berichtete, dass dort zwei Tag zuvor eine Ricke überfahren wurde. Offenbar schrie das Kitz nach der Mutter. Der Jagdpächter empfahl, es zur Pflege nach Bokelberge zu bringen.

Kuh und Kitz, Hund und Huhn –auf dem Tierhof in Bokelberge ist Corinna Michelsen in bunter Gesellschaft.

„Das Kitz ist etwa acht Wochen alt, die typischen Fellflecken sind bereits verschwunden“, nahm sich Michelsen des völlig dehydrierten Tieres an. Kinder, die zufällig gerade auf dem Hof waren, fanden sofort einen Namen für den Neuzugang – das Kitz sollte Leni heißen.

Praktischerweise war laut Michelsen gerade zu dieser Zeit Ziege Ida mal wieder scheinschwanger. „Neben Muttermilch ist Ziegenmilch das Beste für ein kleines Reh“, sagt Michelsen. Also wurde Ida gemolken. Leni allerdings wollte von Milch, Flasche und Schnuller nichts wissen. „Dann habe ich gesehen, dass sie Wasser trinkt“, berichtet Michelsen. Also schüttete sie die Milch in einen Napf – es funktionierte.

Anstregend waren Michelsen zufolge die ersten Nächte. Leni schlief auf Stroh in einer Box, Michelsen auf einer Luftmatratze daneben. „Alle zweieinhalb Stunden hat die Kleine gerufen, sie hatte Hunger.“ Also gab es etwas Milch und nebenbei naschte das Reh an den Rosenblättern, dem Weißdorn und den Himbeer- und Brombeerblättern, die Michelsen ihr reichte. „Jetzt ist sie über den Berg“, hofft der Tiercoach. Michelsen serviert dem Reh nun täglich einen Fünf-Liter-Eimer voller Blätter. „Leni bedient sich selbst daran und morgens und abends gibt es dazu noch Ziegenmilch.“

Mittlerweile hat das Reh die anderen Tiere des Hofes kennen gelernt. Neben dem stets besorgten Bintas kümmert sich auch Kuh Luna um den Neuzugang– „sie hat offenbar Muttergefühle“, meint Michelsen und erzählt, dass sie Anfangs angesichts der riesigen Zunge, mit der die Kuh die winzige Leni abschleckte, ein bisschen um das zarte Tierchen bangte.

Harmonisches Treiben also auf dem Hof. Nur Pauline mischt da nicht so ganz mit. Und obwohl es sich bei Pauline auch um ein Reh handelt, wird das Kitz von der mittlerweile neunjährigen Ricke ignoriert. „Vielleicht liegt es ja daran, dass Rehe Einzelgänger sind“, vermutet die Tierheilpraktikerin. Sie erholt sich beim Zusammenleben mit den unterschiedlichen Tierarten, sagt sie und sie schöpft daraus Kraft – „manchmal auch nur kurz bei einem Becher Kaffee, draußen auf dem Hof.“

Fehlverhalten bringt Kitze in Not

Bei Corinna Michelsen in Bokelberge wurden im Laufe der Jahre immer mal wieder Rehkitze abgegeben. Nicht jeder Fall endete positiv. „So gab es im vorigen Jahr das Reh Sophie“, berichtet Michelsen.

„Ebenso wie bei Leni war die Mutter des Kitzes angeblich verunglückt“, berichtet Michelsen. Die Menschen, die das kleine Reh mitgenommen hatten, waren nach Bokelberge gekommen, um sich bei Michelsen Pflege-Tipps zu holen. „Das ging vier Wochen offenbar auch gut“, sagt sie. Dann hieß es, dass diese Leute zwei Wochen in Urlaub fahren wollen. Laut Michelsen fragten sie: „Was machen wir denn dann mit dem Reh?“.

„Ihr könnt nicht in Urlaub fahren, ihr müsst euch um das Kitz kümmern“, antwortete sie mit Hinweis darauf, dass dieses Jungtier bereits die eigene Mutter verloren hatte und nun sollte es auch schon wieder die Menschen verlieren, auf die es gerade geprägt war. Darauf hätten sich diese Leute aber nicht eingelassen. „Mit dem Hinweis auf die Urlaubsbuchung traten sie die Reise an“ und Michelsen nahm sich notgedrungen des kleinen Tieres an. „Das Kitz hat nichts mehr gefressen, es hat nur getrauert und ist letztlich gestorben“, blickt sie zurück und schüttelt den Kopf angesichts solcher „Gedankenlosigkeit und Unwissenheit“.

Und sie schildert einen weiteren Fall. Danach war eine Ricke über einen Zaun gesprungen und das Kitz blieb zurück. Menschen beobachteten das und nahmen das junge Wildtier einfach mit. „Warum?“, fragt Michelsen angesichts solcher Dummheit.

Sie weiß: „Die Menschen hätten weiter gehen sollen, und die Ricke wäre dann zurück gekommen.“

Von Hilke Kottlick

Meinersen Eltern planen Tag der Sprösslinge Einschulung: Fest mit Freunden und Familie

Früher gab es eine Schultüte mit Süßigkeiten – heute feiern viele Familien die Einschulung ihrer Sprösslinge mit einem großen Fest. Mütter berichten.

23.07.2019

Drei Verletzte forderte am Montagabend ein Unfall auf der B 188. In Höhe Meinersen war eine Polo-Fahrerin ins Schleudern geraten und kollidierte mit einem entgegen kommenden Mazda.

23.07.2019
Meinersen Bürgerbus Meinersen: Neuer Fahrplan „Es macht Spaß einen vollen Bus zu fahren“

Da tut sich was – der Bürgerbus gibt Gas: 839 Fahrgäste wurden bislang in der ersten Hälfte dieses Jahres befördert, 846 waren es im gesamten vergangenen Jahr.

22.07.2019