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Meinersen Behindertenbeirat stellt aus: „Ich sehe was, das du nicht siehst“
Gifhorn Meinersen Behindertenbeirat stellt aus: „Ich sehe was, das du nicht siehst“
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15:00 07.05.2019
Ich sehe was, das du nicht siehst: Die Ausstellung im Rathaus Meinersen wird ergänzt mit Fotos von Elke Paetzold und Infos zum Thema „Nonverbale Kommunikation“ und Barrierefreiheit.
Meinersen

„In der Wanderausstellung wollen wir Menschen vorstellen, die auf „Achtsamkeit und Verstehen“ angewiesen sind, um sich vollständig – auch in ihren Emotionen und dem Selbstverständnis unserer Umwelt – verständlich zu machen“, teilen Hans-Joachim Hoffman und Elke Paetzold, Aktive im Behindertenbeirat im Landkreis Gifhorn, mit.

Sie meinen Menschen wie Mareike Mohr. 1980 in Wolfsburg geboren, wuchs sie bei ihren Eltern mit ihrer Zwillingsschwester und einer älteren Schwester in einem Dorf auf. Sie erinnert sich an die ersten Jahre ihrer Kindheit – „sie waren einfach, schön und vor allem unkompliziert“, beschreibt sie begleitend zur Ausstellung. Im Alter von vier Jahren wurde bei ihr eine Meningitis, eine Gehirnhautentzündung, diagnostiziert. „Ich verbrachte 20 Tage im Krankenhaus“, erzählt sie. Während dieser Zeit veränderte sich ihr Leben. „Ich war ertaubt.“ Sie hörte keinen Ton mehr und beschreibt: „Alles war so still, es kam mir vor, als ob die Welt stehen geblieben war.“ Es gab keine vertraute Kommunikation mehr. Sie zog sich von allen zurück, „ich isolierte mich selbst“.

Mit Gleichgesinnten die Freizeit verbringen – das ist Leben

Mareike Mohr besuchte eine Schule für Hörgeschädigte in Braunschweig, lernte Lippenlesen und Sprechen, eine Freundin brachte ihr die Gebärdensprache bei. „Ich war begeistert“. Sie besuchte nach der Realschule eine weiterführende Schule für Hörgeschädigte. „Mit Gleichgesinnten nach der Schule die Freizeit zu verbringen, war für mich ein richtiges Leben.“ Sie wollte eine normale Berufsschule besuchen, benötigte dafür die Unterstützung einer Gebärdendolmetscherin. Aber kein Amt fühlte sich zuständig, die Kosten dafür zu übernehmen. Sie möchte Zugang zu allen Informationen bekommen, Kurse belegen können ohne überlegen zu müssen, „wie ich die Barrierefreiheit finanzieren soll“, sagt sie und versichert, dass sie sich weiter für ihre Ziele einsetzen und die Gehörlosenkultur unterstützen wird.

Aus dem Alltag eines Autisten

Rainer Kruse wurde 1964 als Autist geboren. Er kann nicht sprechen und schreibt nur mit Hilfe einer Person, die ihn stützt. Er schreibt nur kleine Buchstaben und ohne Satzzeichen. „Ich möchte mein Leben in zwei Abschnitte teilen, den ersten bis zum 30. Lebensjahr und dann den zweiten Lebensabschnitt. Mit 30 Jahren lernte ich das gestützte Schreiben kennen.“ Sein Leben in der Kindheit „war ein reines Chaos“, beschreibt er. „Ich schrie und weinte ganz viel.“ Es gab keine andere Ausdrucksmöglichkeit für ihn – „ich fühlte mich traurig und allein mit meinen Problemen“. Er berichtet weiterhin, dass er Gehörtes wahrnahm – auch aus großer Entfernung, es aber nicht zuordnen konnte. „Ich war Gefangener meiner schlechten Wahrnehmung“, erinnert er sich.

Fasziniert hat ihn Neonlicht in der Küche – „ich schaltete es ein und aus, ich schaute der laufenden Waschmaschine zu und blätterte stundenlang in Katalogen“. Er kannte kein Hungergefühl und mochte nichts Scharfkantiges in den Mund nehmen. Seine Mutter fütterte ihn mit Breikost bis zum 22. Lebensjahr. Abhilfe brachte eine Esstherapie. Lange vor dem Schulbesuch konnte er lesen. Mit 30 Jahren erlernte er die „Methode der gestützten Kommunikation“. „Mir eröffnete sich eine ganz große Freiheit“, beschreibt er und nennt seinen ersten vollständigen Satz: „Ich möchte meine Haare lang tragen.“ Sein Fazit: „Zu gut habe ich es jetzt in meinem Leben. Ich kenne sehr gute Freunde mit denen ich mich unterhalte und diskutiere.“

Ausstellung zum 15. Geburtstag des Behindertenbeirats

Hans-Joachim Hoffmann und Elke Paetzold gestalteten das Programm der Wanderausstellung zum 15. Geburtstag des Behindertenbeirates im Landkreis Gifhorn. Die musikalische Begleitung zur Eröffnung im Rathaus Meinersen übernimmt David Paul, laut Elke Paetzold „ein Autist und hervorragender Musiker“. Die Ausstellung zeigt Natur-Fotos von Elke Paetzold und Informationstafeln zum Thema „Nonverbale Kommunikation und Barrierefreiheit“

Ziel der Präsentation ist es laut Hoffmann,, die Kommunikation der Gebärdensprache und gestützter Kommunikation in den Vordergrund zu stellen. Elke Paetzold versichert, dass zur Ausstellungseröffnung ein Gebärdensprachendolmetscher vor Ort sein wird.

Von Hilke Kottlick

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