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Isenbüttel Warum „Die Abenteuer des Prinz Achmed“ nichts für Kinder ist
Gifhorn Isenbüttel Warum „Die Abenteuer des Prinz Achmed“ nichts für Kinder ist
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15:00 12.10.2019
Besonderer Abend: Ralf Wosch untermalte "Die Abenteuer des Prinzen Achmed" mit seinem Spiel auf der Wurlitzer-Orgel des Kinomuseums. Quelle: Ron Niebuhr
Vollbüttel

Mit abendfüllenden Trickfilmen verbinden die meisten wohl am ehesten Walt Disney. Doch schon vor dem weltberühmten Amerikaner versuchte sich eine heute weitaus weniger bekannte Deutsche daran: Lotte Reiniger. Ihren Scherenschnittfilm „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ zeigte jetzt das Vollbütteler Kinomuseum. Der Clou dabei: Die Musik zum Stummfilm spielte Ralf Wosch live auf der hauseigenen Wurlitzer-Orgel.

Gut gefülltes Kino

Museumsleiter Peter Schade-Didschies freute sich, wie gut gefüllt das Kino im Ausstellungsraum zu diesem besonderen Abend war. „Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich die Heizung nicht so hoch gedreht. Man muss ja Energie sparen“, scherzte er. Die Abenteuer des Prinzen Achmed waren übrigens nicht neu in Vollbüttel – fürs Museum und seine Mannschaft eh nicht, aber auch den Stammgästen waren sie bestens bekannt. Thomas Garzkeund Gudrun Wirth hatten den Streifen aus dem Jahr 1926 dort bereits im vergangenen Jahr vorgeführt, damals allerdings ohne Orgelspiel.

Abendfüllender Film

1923 legten Lotte Reiniger, Carl Koch, Walter Ruttmann und Berthold Bartosch mit ihrem Projekt eines abendfüllenden Scherenschnittfilmes los – dank umfangreicher finanzieller Unterstützung des Bankiers Louis Hagen. „Es ist ein wunderschöner Film aus 300 000 Einzelbildern“, erklärte Garzke. Wie die Knetanimation setzt auch die Scherenschnitttechnik auf aneinander gereihte Einzelbildaufnahmen, die sich stets nur minimal unterscheiden und so Bewegungen vortäuschen. Das so genannte Stop-Motion-Verfahren ist unfassbar aufwendig und erfordert vom gesamten Team ein Höchstmaß an Konzentration, „sonst weiß man nach zehn Fotos nicht mehr, was man anfangs gemacht hat“, sagte Garzke.

Kopie gerettet

„Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ zeigen deutlich, wo Reinigers Stärken lagen: „Frauen und Gesichter konnte sie lebensecht und detailliert darstellen, viele Tiere leider gar nicht“, sagte der Filmliebhaber. Er hat eine Kopie des fast 100 Jahre alten Stummfilmes aus der inzwischen untergegangenen Landesbildstelle gerettet. „Vielleicht wäre er in gute Hände gekommen, aber im Extremfall wäre er vernichtet worden. Wie leider so vieles“, sagte Garzke, der mehr als 30 Jahre lang dort gearbeitet hat.

Für die wiederholte Vorführung der Abenteuer des Prinzen Achmed rückten Garzke und Wirth mit Ralf Wosch als Verstärkung in Vollbüttels Kinomuseum an. Der Organist und Kantor aus Bassum ist eigentlich in der Kirchenmusik zuhause, pflegt aber die Leidenschaft, zu ausgewählten Filmvorführungen live zu musizieren. „Auf einer elektronischen Wurlitzer-Orgel zu spielen, ist eine Premiere für mich“, sagte er. Der erfahrene Organist war sehr gespannt, welche Effekte sie wohl bietet – und wie sie aus den Boxen klingt.

Viel Improvisation

„Besonders toll ist hier, dass ich direkt sehen kann, was auf der Leinwand passiert“, sagte er mit Blick auf die Wurlitzer-Orgel. Die war kompakt genug, um sie problemlos nach den Wünschen des Organisten frei im Raum zu positionieren. Wosch gelang es, dem 65-minütigen Stummfilm in fünf Akten mit seinem größtenteils improvisierten Orgelspiel kräftig Ausdruck zu verleihen. Die Abenteuer des Prinzen Achmed seien übrigens mit ihren Hexen und Zauberern, Dämonen und Monstern im Gegensatz zu den meisten anderen Filmen von Lotte Reiniger „eher nichts für Kinder“, sagte Garzke.

Wosch hat er bei einer Stummfilmvorführung kennengelernt. Gemeinsam entwickelten sie die Idee, Klassikern neues Leben einzuhauchen, indem sie die Filme in atmosphärischem Umfeld zeigen und mit Livemusik untermalen. Zum Beispiel Friedrich Wilhelm Murnaus „Nosferatu“ in einer Kirche: „Das ist immer wieder ein ganz besonderes Erlebnis“, waren sie sich einig. Genauso wie Lotte Reinigers „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ im Vollbütteler Kinomuseum.

Von Ron Niebuhr

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