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Isenbüttel Am Anfang steht das Bekenntnis: Ich bin Alkoholiker
Gifhorn Isenbüttel Am Anfang steht das Bekenntnis: Ich bin Alkoholiker
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06:00 22.07.2019
Nicht nur Betroffene, auch Angehörige gehören dazu: Der Vorstand des Freundeskreises Suchtkrankenhilfe lädt zum Kennenlernen ein. Quelle: Christina Rudert
Isenbüttel/Gifhorn

Der Leidensdruck war so hoch, dass Dietmar beschloss: „Ich muss mit dem Trinken aufhören.“ Beim Sommerfest des Freundeskreises Suchtkrankenhilfe in Isenbüttel erzählt er: „Ich hätte sonst meine Enkelkinder verloren. Sie sind immer mehr auf Distanz gegangen. Das wollte ich auf keinen Fall.“ Dass sein guter Freund Erich Kalkreuter ihn vorher schon etliche Male in den Freundeskreis Suchtkrankenhilfe eingeladen hatte, hatte Dietmar bis zu dem Moment immer abgetan: „Ich schaff das schon alleine.“ Ein Trugschluss, wie er inzwischen auch weiß: „Ohne Alkohol habe ich nicht mehr funktioniert.“ Aber erst in dem Moment, als er vor sich selber zugab: „Ich bin Alkoholiker“, konnte er aufhören mit dem Trinken.

Wer aus eigenem Antrieb kommt, bleibt eher

Der Isenbütteler Erich Kalkreuter – er nennt als einziger auch seinen Nachnamen, „weil im Dorf alle meine Geschichte kennen“ – geht inzwischen ganz offen mit seiner Alkoholerkrankung um. „Seit 29 Jahren bin ich trocken.“ Heute ist er Ehrenvorsitzender des Freundeskreises und hat in seinen vielen Jahren als Vorsitzender manchen kommen und gehen sehen. „Von zehn Leuten bleiben vielleicht vier bei uns.“ Vor allem die, die aus eigenem Antrieb den Kontakt aufgenommen haben und nicht von einem Angehörigen mitgeschleift wurden.

„Es kann jeden treffen“

Wilhelm kennt den Grund: „Man muss sich selber eingestehen, dass man Alkoholiker ist.“ Der jetzige Vorsitzende des Freundeskreises erklärt: „Das Klischee ist doch bei vielen Leuten, dass Alkoholiker die sind, die unter Brücken leben.“ Weit gefehlt: „Wir hatten schon Ärzte und Pfarrer und Bankdirektoren in unserer Gruppe - es kann jeden treffen.“ Er hat mit dem Trinken angefangen, weil es Spaß gemacht hat. Dann half ihm Alkohol beim Stressabbau. „Und dann konnte ich nicht mehr aufhören.“ Kalkreuter ergänzt: „Normalerweise produziert der Körper eigenständig Glückshormone. Der Alkohol nimmt ihm diese Arbeit ab. Hört man dann auf mit dem Trinken, protestiert der Köroer, dass er jetzt diese Arbeit wieder übernehmen soll - das ist sehr vereinfacht erklärt das Prinzip.“

Es gibt auch viele blöde Reaktionen

Weil die Gesellschaft zwar Alkohol toleriert oder sogar als Feierabendbier oder gemütlichen Abend mit einem Glas Wein positiv besetzt, Alkoholikern aber immer noch mit Vorurteilen und Klischees begegnet, nennen die meisten lieber nur ihre Vornamen. „Wir haben schon zu viele blöde Reaktionen erlebt“, sagt Wilhelm. Und mancher würde seinen Job verlieren, käme heraus, dass er trockener Alkoholiker ist.

Frauen fällt es schwerer

Sie reden alle immer nur von Männern. Sind Frauen seltener betroffen? „Nein“, sagt Wilhelm. „Sie tun sich nur noch schwerer, es zuzugeben.“ Die Gruppe besteht mittlerweile zu etwa einem Drittel aus Frauen. Und es gibt Menschen, die mehrere Anhängigkeiten haben. „Vor allem bei Jüngeren kommen manchmal noch Rauschmittel dazu, bei Frauen sind es hin und wieder Tabletten“, berichtet Klaus, der sich selber als Alterspräsident bezeichnet.

Das Besondere am Freundeskreis Suchtkrankenhilfe ist, dass hier Betroffene und Angehörige zusammensitzen. „Bei jedem Treffen gibt es eine kurze Vorstellungsrunde, in der man sagt, ob man Angehöriger oder Betroffener ist und welche Probleme man gerade hat“, erklärt Kalkreuter. Darüber wird anschließend gesprochen, der Gruppenleiter ist im Regelfall ein geschulter Suchtkrankenhelfer.

Manche Freundschaft entsteht

Zweimal in der Woche werden Treffen angeboten, dienstags und donnerstags von 19 bis 21 Uhr im Martin-Luther-Haus. Nicht jeder muss immer dabei sein. Dietmar zum Beispiel kommt einmal pro Woche. Und zu den besonderen Treffen wie dem Grillnachmittag in Kalkreuters Garten in Isenbüttel. „Das ist hier wie im Paradies“, lacht Doris. Tagesfahrten, Grünkohlwanderung, Weihnachtsfeier - „bei diesen Gelegenheiten kommt man auch mal persönlich ins Gespräch“, berichtet Kalkreuter, dass so schon manche Freundschaft entstanden ist.

Wer Kontakt zum Freundeskreis aufnehmen möchte - als Betroffener oder Angehöriger -, erreicht Doris unter Tel. 0172-7983734 und Wilhelm unter Tel. 0520-6651941.

Von Christina Rudert

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