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Gifhorn Stadt Zwei Mütter berichten: Wie es ist, per Kaiserschnitt zu gebären
Gifhorn Gifhorn Stadt Zwei Mütter berichten: Wie es ist, per Kaiserschnitt zu gebären
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09:26 16.11.2019
„Viel mehr Schmerzen“: Sara Labbate und Janina Schingale kennen beide Geburtsformen und können vergleichen. Quelle: Britta Schulze
Wolfsburg

Operationsraum statt Kreißsaal: Ungefähr jedes dritte Kind in Deutschland kommt per Kaiserschnitt zur Welt. Sara Labbate und Janina Schingale haben je eine natürliche Geburt und einen Kaiserschnitt erlebt – und erklären, wie sich die Geburtsformen unterscheiden.

Beide junge Frauen hatten bereits eine natürliche Geburt erlebt, als sie mit ihren Söhnen schwanger wurden. Doch 2018 kommt es anders. Die Herztöne des kleinen Lucio in Sara Labbates Bauch werden bei jeder Wehe schwächer. Schnell ist klar: Er muss per Kaiserschnitt geholt werden, und zwar sofort.

Halb betäubt: Dank Spinalanästhesie kann die Mutter beim Eingriff bei Bewusstsein bleiben. Ein Vorhang verhindert jedoch, dass sie die Operation sehen kann. Quelle: dpa-Zentralbild

Eine Spritze in den Rücken betäubt die junge Vorsfelderin vom Bauch abwärts. Die OP sieht sie dank eines Vorhangs auf Brusthöhe nicht, und auch die Schmerzen bleiben vorerst aus, sie spürt nur das „Ruckeln“ der Ärzte an ihrem Bauch. Doch dafür kann sie ihr Kind nicht sofort umarmen, als es da ist. Denn ihre Arme sind während des Eingriffs festgebunden und hängen an medizinischen Geräten. Am schlimmsten jedoch sind die Tage danach: „Ich hatte viel mehr Schmerzen als nach der vaginalen Geburt meiner Tochter. Beim Stillen fühlte es sich an, als hielte jemand eine Fackel an die Narbe.“

Viele Frauen entscheiden sich bewusst für einen „Wunschkaiserschnitt“

Und doch gibt es Frauen, die unbedingt einen Kaiserschnitt möchten. In einer Facebookgruppe tauschen sich Tausende von ihnen zum Thema „Wunschkaiserschnitt“ aus und empfehlen sich gegenseitig Kliniken, die diesem Wunsch anstandslos nachkommen. Der Grund, der am häufigsten genannt wird, ist, dass bei einer vaginalen Entbindung Komplikationen auftreten könnten. Außerdem bleibe beim Kaiserschnitt der Intimbereich unverletzt und die Geburt sei mit festem Termin besser planbar. Auch die Angst vor Schmerz – gerade wenn die Schwangere zuvor schon eine schwierige Entbindung hatte – spielt eine Rolle. Mitunter fordern die Schwangeren sogar eine Vollnarkose, um keine Spritze in den Rücken ertragen zu müssen.

Aus medizinischer Sicht ist das aber problematisch. Denn nicht nur die Mutter leidet tatsächlich durch eine OP mehr, auch für das Kind ist die Passage durch den Geburtskanal gesünder. Kinder, die so auf die Welt kommen, haben weniger Anpassungsstörungen als nach einer Schnittgeburt.

Geburt per Notausgang: Statistisch haben Babys, die per Schnitt auf die Welt geholt werden, hinterher größere Schwierigkeiten, sich auf das Leben draußen einzustellen. Quelle: dpa

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meint, nur in zehn bis 15 Prozent aller Geburten sei ein Kaiserschnitt wirklich notwendig. Und auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sieht mit Sorge, dass der Anteil an Kaiserschnitten in den letzten rund 20 Jahren von 18,5 Prozent auf fast ein Drittel angestiegen ist.

„Ich würde nie den Kaiserschnitt nehmen“

Für Sara Labbate war der Kaiserschnitt Rettung in letzter Sekunde: Lucios Nabelschnur hatte sich um seinen Hals gewickelt, er hätte bei einer Spontangeburt ersticken können. „Ich bin dankbar, dass es diese Möglichkeit der OP gibt. Aber wenn ich wählen könnte, würde ich nie den Kaiserschnitt nehmen.“

Ihre Freundin Janina Schingale ist derselben Meinung. Ihr Sohn Aaron Jonah musste fünf Wochen zu früh per Kaiserschnitt zur Welt kommen, weil die junge Mutter an einer gefährlichen Schwangerschaftsvergiftung litt.

Kurz nach dem Kaiserschnitt: Aaron Schingale hat die OP gut überstanden. Quelle: privat

Lieber würde sie wieder Wehen und Dammriss auf sich nehmen, als die körperliche Trennung vom Kind nicht richtig mitzuerleben. „Neun Monate wächst es in einem, und dann ist es in weniger als 25 Minuten draußen“, schüttelt sie noch heute den Kopf. „Mir fehlt etwas. Da ist eine ganz große Lücke.“

Kaiserschnitte in Gifhorn, Peine und Wolfsburg

Im Jahr 2018 wurden in Deutschland 31,6 Prozent der Entbindungen als Kaiserschnitt durchgeführt, das geht aus Daten der Kaufmännischen Krankenkasse hervor. Niedersachsen liegt mit 29,9 Prozent knapp unter diesem Durchschnitt. Die Zahlen variieren allerdings auch noch von Klinik zu Klinik.

In Peine haben 2018 nur noch 410 Mütter entbunden, 77 davon per Kaiserschnitt, also nur knapp 19 Prozent. Wegen der geringen Nachfrage hat die gynäkologische Abteilung inzwischen allerdings geschlossen – das jährliche Minus der Geburtshilfe habe zuletzt bei 850 000 Euro gelegen.

Im Klinikum Wolfsburg schwankt der Anteil der Kaiserschnitte seit Jahren zwischen 26 und 28 Prozent. 2018 waren 446 von 1769 Geburten Kaiserschnitte.

Im Helios-Klinikum in Gifhorn waren von 1305 Geburten im vergangenen Jahr 32 Prozent Kaiserschnitte. „In den letzten 20 Jahren kam es zunächst jährlich zu einer Steigerung der Kaiserschnittrate“, erklärt Rainer Bödecker, Oberarzt in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. „Seit 2013 nimmt die Kaiserschnittrate in Gifhorn langsam ab. Seit 2013 liegt das Klinikum Gifhorn unter 30 Prozent. 2018 war ein Ausrutscher. So hatten wir in 2017 27,9 Prozent Kaiserschnitte. Zurzeit liegt die bisherige Rate für 2019 bei 28,9 Prozent.“ Das Einpendeln auf ein solches Niveau sei aus in anderen Klinken deutschlandweit zu beobachten: „Die Frauen wünschen sich zunehmend eine natürliche Geburt.“ Der Anteil der Wunschkaiserschnitte liege bei gerade einmal einem Prozent.

Hinzukommt, dass die Kliniken im Gegensatz zur Krankenkasse natürlich nicht die Geburten mitzählen, die in Geburtshäusern oder zu Hause stattfinden – und die natürlich keine Kaiserschnitte sind. Somit liegen die Kaiserschnittraten hier tatsächlich deutlich niedriger als im Bundesdurchschnitt.

Von Frederike Müller

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