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Gifhorn Stadt Wie gefährlich ist Mikroplastik in der Oker?
Gifhorn Gifhorn Stadt Wie gefährlich ist Mikroplastik in der Oker?
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08:00 12.11.2019
Mikroplastik: Jens Fieser entnimmt eine Sedimentprobe am Hillerser Okerwehr. Quelle: Yvonne Droste
Hillerse

Man kann es durchaus noch mit bloßem Auge erkennen: Mikroplastik, die Kunststoffteilchen, die kleiner oder gleich fünf Millimeter groß sind und in der Umwelt landen. Im Sediment der Oker bei Hillerse gibt es davon schon reichlich. Jens Fieser, Mitglied der Aller-Oker-Lachsgemeinschaft (AOLG) und zweiter Vorsitzender des Anglersportvereins (ASV) Hillerse, wird bereits beim ersten Schaufeln mit seiner Garten-Handschaufel nahe des Ufers fündig. Ein kleines, weißes Plastikteilchen liegt obenauf. „Das könnte schon Mikroplastik sein“, sagt Fieser, der auch Natur-, Umwelt- und Lachsbeauftragter des ASV ist und sich daher intensiv über das Thema informiert hat.

Ein weißes Kunststoffteilchen fand Jens Fieser auf Anhieb im Sediment des Okerufers bei Hillerse. Quelle: Yvonne Droste

Er weiß, dass es dabei nicht nur um die Teilchen geht, die man direkt sehen kann. Besonders die kleineren Kunststoffteilchen machen ihm und den Anglern der AOLG Sorgen. Denn, wie bereits wissenschaftlich untersucht und bestätigt, ein Kilogramm Oker-Sediment enthält bereits rund 3000 Mikroplastikpartikel. Veranschaulicht hatten den Anglern diese Ergebnisse zwei ehemalige Master-Studentinnen der Technischen Universität Braunschweig, Lina Büngener und Sarah-Maria Kluger, zusammen mit Institutsleiterin Dr. Anja Schwarz vom Institut für Geosysteme und Bioindikation.

Aktionen gegen Plastikmüll in der Oker: Zwei ehemalige Masterstudentinnen bauten in Meinersen ein Freiluftlabor auf. Quelle: Chris Niebuhr

„Fisch ist ja ein Lebensmittel

Die Angler durften in einem Freiluftlabor an der AOLG-Messstation in Meinersen das Oker-Sediment auf Mikroplastik untersuchen. „Es ist grauenvoll, welche Mengen Plastik da enthalten sind“, sagt Fieser. „Wir wissen gar nicht, was das für Auswirkungen auf die Fischpopulation hat.“ Hans-Jürgen Sauer, Sprecher der AOLG, möchte deshalb wissen, ob das Mikroplastik in den Lebewesen der Oker und somit in der Nahrungskette landet. Doch bislang untersucht das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) eingesandte Fische nur auf Schwermetalle und gibt entsprechende Verzehrempfehlungen oder Warnungen an die Angler. „Der Fisch ist ja ein Lebensmittel“, sagt Sauer.

Mikroplastik in menschlichen Stuhlproben nachgewiesen

Seine Sorgen seien gar nicht unbegründet, denn Mikroplastik sei bereits in menschlichen Stuhlproben nachgewiesen worden, weiß Insitutschefin Anja Schwarz. Da richte es noch nicht allzu viel Schaden an, weil es wieder ausgeschieden wird. „Schwieriger wird es, wenn kleinste Kunststoffteilchen in die Blutbahn und sogar ins Gehirn gelangen.“ Da wisse man noch gar nicht, was das im Körper anrichte. „Die Forschung dazu steckt noch in den Kinderschuhen“, so die Institutsleiterin.

Besser erforscht seien die Wege, über die Mikroplastik in das Sediment der Flüsse und somit auch der Oker gelangt. Den größten Anteil mache demnach der Reifenabrieb aus, der über das zumeist ungeklärte Regenwasser in die Flüsse geleitet werde, sagt Schwarz. Textile Kunstfasern aus dem Abwasser der Waschmaschinen nähmen den Weg über das Schmutzwasser durch die Siebe und Klärbecken der Kläranlagen hindurch ins Flusssystem.

Ursachen: Reifenabrieb und textile Kunstfasern

Das Problem ist den Betreibern der Kläranlagen in den Landkreisen Gifhorn, Peine und der Stadt Wolfsburg bekannt. Vor allem das industriell hergestellte, sogenannte primäre Mikroplastik aus Peelings, Cremes, Zahnpasta und Duschgels rutscht zunächst durch die Siebe. Dennoch ist sich Oliver Tatge, technischer Leiter der Stadtentwässerung Peine, sicher, dass sich die meisten Teilchen, nämlich 95 Prozent, spätestens im Klärschlamm anreichern und auf diesem Weg aus der Fuhse ferngehalten werden.

Sie möchten wissen, ob das Mikroplastik in der Oker Schaden anrichtet: Jens Fieser, Heidrun und Hans-Jürgen Sauer. Quelle: Yvonne Droste

Mikroplastik-Verhütung in Wolfsburg bei 99 Prozent

Noch etwas mehr Mikroplastik-Verhütung meldet die Stadt Wolfsburg. Dort seien es ganze 99 Prozent, die nicht in die Aller gelangen. Zudem sollen die Regenrückhaltebecken eine Art Vorbehandlung sein, um enthaltene Kunststoffteilchen aus dem Reifenabrieb zu sedimentieren.

Heidrun Sauer hält eine Liste in der Hand, die die Verrottungszeiten einiger Kunststoffsorten zeigt. Quelle: Yvonne Droste

Um das Plastik vollständig aus den Flüssen fernzuhalten, muss nach Meinung von Andreas Schmidt,Geschäftsführer des Wasserverbandes Gifhorn, zunächst noch sehr viel mehr Forschung und entsprechende Gesetzgebung geschehen. Denn solange von übergeordneten Stellen keine Grenzwerte, Reinigungsziele oder verbindliche Methoden vorgeschlagen werden, seien weitergehende Planungen schwierig.

Von Yvonne Droste

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