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Gifhorn Stadt Warum Menschen Tupperdosen im Wald suchen
Gifhorn Gifhorn Stadt Warum Menschen Tupperdosen im Wald suchen
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06:00 18.04.2019
Auf der Suche nach der Tupperdose im Wald: Einmal im Quartal hecken die Gifhorner Geocacher wieder Aktionen aus. Quelle: Sebastian Preuss
Gifhorn

„Im Regelfall ist ein Zettel – ein so genanntes Logbuch – drin, man schreibt seinen Namen rein und freut sich wie ein Schulkind zu Weihnachten“, sagt der Gifhorner. „Das ist Außenstehenden schwer zu vermitteln.“ Außenstehende nennt der Geocacher übrigens Muggel.

Ein Muggel war auch Schrader, bis sich seine Familie bei dem hauptberuflichen VfL-Fanbeauftragten beschwerte, er habe zu wenig Zeit für sie. Mit dem Beschluss des Familienrats, es am Wochenende mal mit Geocaching zu versuchen, entflammte Schraders Liebe zu seinem Hobby, das ihn nun in fast jeder freien Minute in den Wald, auf den Zugspitzgipfel oder auf eine Sandbank in der Nordsee führt. Immer auf der Jagd nach einer Tupperdose mit Logbuch. Oder Aufgabe, oder Rätsel. Je nach Art des Caches.

Das erste Cache war schon das schwierigste

Eines der schwierigsten Caches war gleich das erste damals vor der eigenen Haustür, das Schrader und seine Familie zunächst vergeblich suchten nach dem Familienratsbeschluss für mehr Miteinander. „Heute weiß ich, wo der Fehler lag.“ Rund 5600 Caches hat er inzwischen erbeutet.

Zwei Dutzend übrigens als erster. Nichts elektrisiert den 54-Jährigen mit dem Nickname Wolfsburgo so sehr – vielleicht abgesehen von einem Sieg des VfL gegen den FC Bayern – wie ein Piep seiner Smartphone-App, das einen gerade neu versteckten Schatz bekannt gibt. Rein in die Geocaching-Klamotten, und los geht’s – auch wenn es schon 23 Uhr ist. Hauptsache seinen Namen als erster in das Logbuch eintragen.

Das Jagdfieber treibt den echten Fan an

Es ist das Jagdfieber, erklärt Schrader den Reiz des Geocaching, das im Raum Gifhorn etwa 150 bis 200 Enthusiasten antreibe. Und: „Ich habe darüber neue Freunde gefunden.“ Und die tollsten Sachen erlebt – unter anderem übellaunige Walrösser, auf deren Sandbank er nach einem besonders lohnenswerten Cache gesucht hatte. „Da hat man was zu erzählen am Lagerfeuer.“

Sein Tipp für Familien: Im Gifhorner Nordkreis gebe es tolle Geocaches mit den Märchen der Gebrüder Grimm als Thema. Seine eigene Familie sei dagegen schon heraus gewachsen. Bei ihr sei der Geocaching-Enthusiasmus zeitig verflogen gewesen. Er selbst sieht das Hobby inzwischen durchaus auch als „Abnabelung“ von den Kindern an.

So geht Geo-Caching

Michael Schrader alias Wolfsburgo schätzt die Community der Geocacher im Raum Gifhorn auf 150 bis 200 Enthusiasten.

Im Kreis Gifhorn sind Schrader zufolge „mehrere Hundert“ Schätze versteckt.

Es gibt verschiedene Arten von Caches zu entdecken. Das reicht von den traditionellen Tupper- oder Kunststofffilmdosen mit Logbuch drin über Multi-Caches mit zu lösenden Aufgaben bis hin zu Rätsel-Caches, die der Finder erst durch das Lösen von Rätseln entdecken kann. Schraders aktuelle Favoriten sind Earth-Caches mit Fragen zur Erdgeschichte. „Das ist richtig interessant.“

Es gibt verschiedene Schwierigkeitsstufen für die Qualität des Verstecks und des Geländes von 1 für leicht bis 5 für schwer. Die Stufe 1/1 könne auch ein Rollstuhlfahrer locker ohne Hilfe entdecken, so Schrader, bei 5 allein für die Kategorie Gelände seien die Verstecke unter Umständen unter Wasser oder in Baumwipfeln.

Ist Geocaching ein preiswertes Hobby, das jeder haben kann? Das hält Schrader für eine Legende. Stößt das Handy im Wald an seine (Empfangs-)Grenzen, muss ein GPS-Gerät her. Dann noch unempfindliche Hosen und Jacken, eine Teleskopleiter für hohe Verstecke, ein Boot für Verstecke im Fluss und und und. „Wenn du erstmal Blut geleckt hast, musst du das permanent verfeinern.“

Die Gifhorner Geocacher treffen sich einmal im Quartal. Zusätzlich gebe es dann und wann noch so genannte Events, zum Beispiel Heiligabend auf dem Parkplatz am Mühlenmuseum.

Von Dirk Reitmeister

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